Unsere Sisi: Kommt sie bald wieder?
Oh ja, ich glaube, ein großes Werk könnte gelingen, und es wäre gut für diese Stadt. Vielleicht erinnern Sie sich an „Unsere Sissi, für immer!“, die Kolumne erschien am 20. April. Darin wurde der Plan vorgestellt, am Douglas-Haus auf dem Theresienplatz eine Gedenktafel anzubringen, weil einst in diesem Haus niemand anderes als unsere Sissi ihre letzte Nacht auf bayerischem Boden verbrachte. Und jetzt, kaum ein halbes Jahr später, war es so weit! Und vielleicht folgt bald Größeres!
Ich war live dabei, damals im April, als der Eigentümer des Hauses erstmals mit der Idee konfrontiert wurde, es war in einem Lokal in der Jakobsgasse, und mein Dabeisein war Zufall. Und er war aufgeschlossen und der Idee zugetan, und jetzt ist dieses Schild da. Seit gestern Mittag ist es schon da, und wenn alles gut läuft, ist da bald noch mehr: Eine Sissi-Figur! Die aus dem Fenster schaut! Und das in Lebensgröße! Wer hätte das sonst? Niemand sonst hätte das.
Bravo: Die Unterstützer des Sisi-Projekts. Foto: Engel
Ludwig Stoffel ist der aufgeschlossene Hausbesitzer und der Vierte von links. Die grundsätzliche Idee kommt von Andreas Schneider, Stadtführer und Mitglied im Historischen Verein, Fünfter von links neben Vereinschef Stefan Maier. Gefertigt hat das Schild der Metallrestaurierer Stefan Baumgartner (ganz rechts) aus Haselbach, der auch in diesem Sommer dem Rathaus sein Türmerl aufgesetzt hat, und Stadtrat Erhard Grundl (2.v.l.) vom Kulturausschuss sowie Straubings Geschichtsforscher Werner Schäfer (1.v.l.) haben freudige Worte gesprochen.
„Herr Rothammer, schauns!“, sagt Ludwig Stoffel
„Eine Nacht kann die Welt verändern“, hat Erhard Grundl gesagt, weil es genau eine Nacht war, die unsere Sisi – ab jetzt schreibe ich nicht mehr Sissi, sondern Sisi, weil’s so auch auf dem Schild steht – die unsere Sisi in Straubing war, um am nächsten Morgen den Dampfer Stadt Regensburg zu besteigen zur Weiterfahrt zu ihrer Hochzeit nach Wien, es war im. April 1854. „Unsere bayerische Rose“, schrieb die Presse damals zum Abschied, und sie schrieb mit Recht. Und weil unsere Sisi weltweit jeder kennt, glaubt sogar der ansonsten gar nicht so sehr Adel-affine Grüne Grundl: „Ich glaube, für den Tourismus ist das ein ganz wichtiges Ereignis.“
Stefan Baumgartner und sein Mitarbeiter. Foto: Engel
„Gut, dass alle mitgemacht haben“, hat er noch gesagt, „der Denkmalschutz, der Historische Verein, der Eigentümer, alle. So geht was voran in Straubing!“ Jawoll, sag ich da, so geht was voran, und jetzt der Hammer: Der Werner Schäfer sagt, dass eine Sisi-Figur in einem Fenster da doch wunderbar vorstellbar wär! Und was sagt der Hausherr? „Herr Rothammer, schauns!“, sagt Ludwig Stoffel, hinaufblickend zu einem Fenster über dem Schild und sich die Sisi vorstellend, „und jede Stund winkt’s!“ Und dass man Details bei einem Rotwein besprechen muss.
Wissen Sie, was das ist? Das ist genau die Idee, die ich damals in der Kolumne beschrieben hab. Okay, dass die Sisi jede Stund winkt, ist vom Ludwig Stoffel, und den Grundgedanken hat der Martin Erdl gehabt, weil dessen Fantasie manchmal auch im Galopp mit ihm durchgeht. Aber die Idee ist doch prima. Jeder Städtetourist kennt die Sisi, selbst in China laufen regelmäßig die Filme, sogar in China ist Sisi ein Star. Sisi, gesehen in Straubing: Das wäre unvergesslich für jeden Touristen, und ich gehe so weit, zu behaupten: Wenn unsere Bernauerin Bundesliga ist, dann ist unsere Sisi die Champions League.
Nur leider: Ein Detail ist wohl falsch
Und wissen Sie, was dann noch passiert ist? Ich bin sofort hin zum Thomas Rothammer, der ja der Vertreter der Unteren Denkmsalschutzbehörde in Straubing ist. „Herr Rothammer!“, hab ich gesagt, und ich war ganz aufgeregt, weil ich solche Geschichten ja liebe: „Herr Rothammer! Wär des denn möglich? Dass die da Sisi hinkommen kann?“ Und der Herr Rothammer hat milde gelächelt, und er hat gesagt: „Da bräucht ma halt einen Balkon.“ Und jetzt noch ein Hammer: Da war ja einmal ein Balkon! Vor hundert Jahren war da ein Balkon!
Das weiß der Herr Rothammer natürlich. Und er weiß auch, dass ich das auch weiß. Und ich weiß, dass er weiß, dass ich das auch weiß. Der Herr Rothammer und ich, wir wissen viel. Aber vielleicht braucht es gar keinen Balkon. Weil der Werner Schäfer nämlich auch ziemlich viel weiß, zum Beispiel dieses: „Im Barock haben sie ganz wunderbare Blendbilder an Fenstern gemacht“, weiß der Werner Schäfer. Mein alter Freund Google weiß dazu auch etwas: „Im Barock war die Täuschung des Auges ein beliebtes Stilelement, bei dem Maler ganz bewusst reale Personen oder Bedienstete in gemalten Blendfenstern darstellten.“ Das wäre auch ein Möglichkeit.
Obwohl eine echte Sisi-Wachsfigur natürlich viel besser wär. Aber dann steht noch auf dem Schild: „Ehemals Sitz des Vitztums“. Also Regierungssitz quasi, weil der Vitztum der Vertreter des Herzogs war. Nur: Robert Graf, der wohl beste Kenner von Straubings Häusergeschichte, sagt, dass der Vitztum dort nur gewohnt hat, und nur 30 Jahre lang, ab 1752. Von „Ehemals Sitz des Vitztums“ kann drum keine Rede sein, weil das „Regierungssitz“ impliziert. Der war nämlich im Schloss, ein Minister sitzt ja auch nicht in seiner Wohnung. Aber uns geht’s ja um unsere Sisi, und die hat in der Parfümerie Douglas übernachtet, bei Ludwig Stoffel, und es wäre schön, wenn sie da erneut huldvoll lächeln würde, wie damals 1854, winkend zu jeder vollen Stunde: Ja, das wäre schön!
Historisch: Vor gut 100 Jahren sxhon mit Balkon. Foto: Privatarchiv Robert Graf
