Über das Scheumachen von Pferden

Foto: Engel

Dies ist eine Geschichte darüber, wie man Pferde unnötig scheu machen kann. Sie kennen dieses seit gut 20 Jahren verwahrlosende Haus in der Rosengasse, „Schandfleck“ hab ich dieses Haus einmal in einem Artikel genannt. Da ist der Eigentümer gleich zum Verleger gerannt und ich hab eine Rüge bekommen, weil man aus Objektivitätsgründen manchmal das Offensichtliche nicht sagen darf. Nun aber hat das Haus den Eigentümer gewechselt. Jetzt wird endlich saniert. Nur leider mit einem Kommunikationsproblem, das so notwendig ist wie ein Kropf.

Am Samstag vor einer Woche war eine Notiz in der Zeitung: „Wegen einer Gebäudesanierung ist die Rosengasse auf Höhe Haus Nummer 56 ab 12. Oktober bis voraussichtlich Ende Februar 2027 im Teilabschnitt zwischen Viktualienmarkt und Ludwigsplatz vollständig gesperrt. Die Einbahnstraßenregelung wird im Teilabschnitt der Sperrung für die Dauer der Baumaßnahmen aufgehoben“, weil Platz für einen Kran nötig ist. Da war helle Aufregung rund um Nummer 56.

Seit Jahrzehnten inzwischen warten in der oberen Rosengasse alle auf diese Nachricht. Dieses Haus ist kein Prunkstück. Es ist Schandfleck, und es ist wohl kaum Zufall, dass die beiden Läden links und rechts leer stehen. Wer möchte schon in einen Laden neben solch einem Haus? Die Sanierung freut deshalb alle. Und trotzdem waren alle Geschäftsleute in der oberen Rosengasse von dieser Nachricht geschockt.

Komplett unnötig: Das kommunikative Desaster

Mehr als vier Monate Vollsperre? Vielleicht sogar mehr? Die Zeitungsnotiz hat Besorgnis bis hin zu Existenzangst ausgelöst. Alle fürchten um den wichtigen Fußgängerzugang vom Ludwigsplatz her. Alle haben noch in Erinnerung, dass die Rosengassen-Sperrung ab Steinergasse weit länger war als vorausgesagt und die Geschäftsleute dort sehr viel Umsatz gekostet hat. Alle sehen, wie viele Monate wegen eines Krans die Obere Bachgasse schon gesperrt ist. Alle haben noch die Sperrung am Kalvarienberg im Hinterkopf. Und jetzt bis Februar? Was, wenn Juni draus wird?

„Dann bin ich erledigt“, sagt Daniel Geiger vom Media Point nach der Zeitungsnotiz, „das trifft uns auch“, sagen Raimondo di Napoli und Cornelia Godau vom rai.modo pazzo. Friseur Alexander Müller ist auch schwer beunruhigt, und Thomas Altmann vom Fahrradhaus Simmerl wird ziemlich deutlich: „Sechs Woche Sperre oder auch acht, das müssen wir aushalten. Aber monatelang Sperre? Das kann ned sein! Da bricht das Geschäft von einem jeden ein! Und es kann doch nicht sein, dass man das aus der Zeitung erfahren muss!“ Damit sind wir am Punkt.

Es ist nämlich so, dass es die Stadt ist, die die Öffentlichkeit informieren muss, wenn eine öffentliche Straße gesperrt wird. Das hat sie über die Zeitung auch getan. Und es ist so, dass im Bescheid an den Bauherrn drin steht, dass er die Anrainer informieren muss. Das hat er auch getan. Aber: Er hat es erst nach der Info im Tagblatt getan, und nicht einmal alle, und ohne Datum und Absender, und mit exakt dem Text, der auch im Tagblatt steht. Kommunikativ war das ein Desaster für Bauherrn und Stadt. Denn eigentlich ist es gar nicht so schlimm wie es offiziell klingt.

Februar? „Nein, August“

Am Montag früh war nämlich ein Treffen der Vertreter von Stadt und Bauherrn mit den Anrainern. Da sagt der Bauherr-Vertreter und Generalunternehmer Philipp Stilp: „Mitte Dezember muss der Kran eh weg sein.“ Der Kran wird nämlich nur für das Dach gebraucht, und das muss vor dem Winter fertig sein. Und wenn der Kran weg ist, muss vor das Haus nur noch ein Container, und dann ist der Weg für Fußgänger wieder frei.

Ortstermin. Foto: Engel

Da war das Aufatmen groß bei den Anliegern. Sie verstehen ja gut, dass dieses Haus saniert werden muss und dass das auch die ganze Gasse aufwertet. Acht Wochen ohne Fußgänger aus Richtung Ludwigsplatz ist für sie nach wie vor unerfreulich. Aber das halten sie aus. „Warum sagt ihr uns das nicht gleich?“, haben sie am Montag gefragt. Die Antwort war nur ein verlegenes „Stimmt scho“. Und ab wann ist auch für Autos wieder frei? Februar? Das Wort „Februar“ in der Info muss ja irgendwo doch auch einen Sinn haben? „Nein“, sagt Generalunternehmer Stilp, „wahrscheinlich August.“ Damit ist klar: Weder Bau- noch das Verkehrsamt haben geprüft, ob der von Stadt und Unternehmer gemeinsam herausgegebene Text überhaupt richtig ist.

Die Stadt hat auch nicht gefragt, ob die Anwohner schon informiert sind, bevor sie selber die Öffentlichkeit informiert hat. Damit hat sie in der ganzen oberen Rosengasse eine ganze Woche die Pferde scheu gemacht. Der Engel in mir flüstert da: „Mei, sie waren halt einen Moment unaufmerksam bei der Stadt.“ Aber mein kleines Teufelchen sagt boshaft: „Nein. Das passiert, wenn man sich mehr mit der Abwehr von Schirmfarben beschäftigt als mit einem echten Problem.“ Und später am Montag war dann ein Zaun an der Rosengasse 44, und dummerweise hat man die Bewohner zu unterrichten vergessen. War ein bisserl ungeschickt, wegen der Ein- und Ausfahrt.Da waren schon wieder ein paar Pferde scheu.

Weiter
Weiter

Unsere Sisi: Kommt sie bald wieder?