Unsere Sissi, für immer!

Ein schöner Traum: Sissi in Straubing! Und zwar für immer! Bild: ChatGPT

Es ist immer alles so schwierig, finden Sie nicht? Ich bin nämlich gar nicht so sicher, ob ich das ausplaudern soll, aber was soll’s. Immerhin war es ja in einem öffentlichen Lokal, an einem Tisch voller Leute, die alle mehr oder weniger zufällig versammelt waren, zusammengewürfelt von einer Laune des Schicksals. Außerdem kenn ich das Thema schon einige Zeit. Jetzt hat sich halt was getan. Dann plaudert man halt. Es war jedenfalls so:

Vorige Woche, an einem Vormittag, sind ein paar Leute vor dem Haus gestanden, in dem die Parfümerie Douglas ist: Denkmalschutz, Historischer Verein und noch wer. „Ah!“, habe ich mir wörtlich gedacht, „Denkmalschutz, Historischer Verein und noch wer!“ Denn in diesem Haus war nicht immer die Parfümerie Douglas. Dieses Haus war einst die Post, Poststation, Wirtschaft, Hotel. Und in diesem Hause hat, sicher wissen Sie das, in der Nacht vom 20. auf 21. April 1854 - auf den Tag genau heute vor 172 Jahren! - die Elisabeth übernachtet, Herzogin in Bayern und danach Kaiserin von Österreich: Unsere Sissi!

Bei Dunkelheit ist sie angekommen. Aber die Straubinger haben alle ihre Fenster mit Kerzen beleuchtet, und sie haben prachtvolle Triumphbögen errichtet am Stadteingang und am Weg zur Donau, aus Tannen- und Fichtenzweigen, und sie haben den Stadtplatz geschmückt mit weißblauen Flaggen und auch Schwarzgelb für den österreichischen Teil des Kaisertums Österreich. Und alle haben sich so gefreut, weil die Sissi huldvoll gelächelt hat und jetzt Kaiserin wird. Aber es war auch ein bisserl Wehmut dabei, dass eine „bayerische Rose“ (ja, so hat die hiesige Presse damals geschrieben!) jetzt verpflanzt werden muss.

…und dann im Lokal:

Und am nächsten Tag hat sie früh aufstehen müssen. Alle Kirchenglocken haben geläutet, Kanonen haben Salut geschossen, und die bayerische Rose hat ihren Boarding Pass vorzeigen lassen (künftige Kaiserinnen zeigen nie ihren Boarding Pass selber vor), und dann ist sie auf einem Dampfschiff der Königlich Bayerischen Donaudampfschifffahrtsgesellschaft an die Landesgrenze gefahren und dann zur Übernachtung nach Linz.

Ein bisserl stört mich da nur, dass das Dampfschiff STADT REGENSBURG geheißen hat und nicht STADT STRAUBING, ich bin da sehr kleinlich, ich weiß. Aber die letzte Übernachtung der bayerischen Rose auf bayerischem Boden war in Straubing. Das kann uns kein Dampfschiff nehmen.

Und am Abend sitz ich in einem Lokal, die Tür geht auf, der Douglas-Hausbesitzer kommt rein und setzt sich zu einem Bekannten an genau dem großen Tisch, wo auch ich hingewürfelt worden bin. Und er wurde angesprochen auf jenes Treffen vor der Parfümerie Douglas, aber nicht von mir. Ich hab nur zugehört und mir alles gemerkt. Gut, nicht ganz alles. Aber das Wichtigste, und vielleicht noch das Zweitwichtigste. Und das Wichtigste ist:

Spitzweg? Danach nur ein armer Maler

Seit etwa zwei Jahren bemühen sich Stadt, Historischer Verein, Hausbesitzer, Stadtführer, alle, um ein Schild am Haus, das dieses Ereignis würdigt. Und jetzt, nach nur zwei kurzen Jahren, kann es nun sein, dass es was werden könnt. Es sind ja viele Hürden zu überwinden bei solch einem Vorhaben, und man hat ja auch noch Anderes zu tun, Bürokratieabbau beispielsweise, der will ja auch gut geplant sein. Und dann noch bestimmt viele andere wichtige Sachen, und es ist ja auch wurscht. Es dauert halt alles in Deutschland inzwischen sehr lang, warum nicht auch so ein Schild. Wichtig ist doch: Das Schild wird kommen.

Der Hausbesitzer – niemand anderer als Ludwig Stoffel – hat an jenem Abend nämlich gesagt, dass er dafür ist! Und ein paar Tage später hab ich erfahren, dass das Bauordnungsamt offenbar auch dafür ist. Der Historische Verein will es eh haben, manch ein Stadtführer auch, was soll da noch schiefgehen? Es soll sogar schon jemanden geben, der das Schild bezahlt. Es soll sogar schon jemanden geben, der das Schild bezahlt, das ist doch prima. Und so könnte es sein:

Irgendwas zwischen 500 und 900 Euro kostet wohl so ein Schild. Auch das könnte zu schaffen sein. Nur ob „Sissi“ oder „Sisi“ müssen wir noch entscheiden, aber ich wäre für Sissi, allein schon wegen der Romy Schneider.

Und das Schild sollte so sein wie das Schild vom Carl Spitzweg. Der hat nämlich schon eines, an der früheren Löwenapotheke am Ludwigsplatz, obwohl er nur ein halbes Jahr da war, und zack, war er schon wieder weg. Ein halbes Jahr ist nicht lang.

„Aber“, werden Sie vielleicht sagen, „ein halbes Jahr ist zwar nicht so lang wie eine Entscheidung über ein Sissi-Schild, aber es ist ziemlich genau ein halbes Jahr länger als die eine Sissi-Nacht“, und da haben Sie recht. Aber der Spitzweg war bloß ein armer Maler auch nach seiner Straubinger Zeit, und die Sissi war danach immerhin Kaiserin, das muss man schon auch sehen, finden Sie nicht?

Sissi: Selbst in China ein Hit

Und wenn dann noch ein bisserl Geld übrig ist, könnte man vielleicht eine Wachsfigur machen lassen, bei Madame Toussauds vielleicht. In deren Wiener Wachsfigurenkabinett steht ja schon eine Sissi-Figur. Und dann noch einen kleinen Balkon, direkt über der Parfümerie Douglas in den ersten Stock, und auf den stellen wir unsere Sissi und lassen sie huldvoll lächeln.

Aber das natürlich nur Träumerei. Schön wär’s aber schon. Denn seien wir ehrlich: Wer kennt schon die Bernauerin außerhalb Straubings? Ich glaube, ab Schwimmbach kennt die kein Mensch mehr. Aber die Sissi! Der Franz! Der kleine Rehbock, der aber, wie man mir sagte, ein Hirschkalb war! Das hat doch touristisch eine ganz andere Relevanz! Vor allem, wenn wir noch eine ganz schöne Wachsfigur machen, die ganz huldvoll lächelt.

Für Touristen aus China ist die Sissi eine der Hauptattraktionen in Mitteleuropa, die Sissi-Filme sind seit Jahrzehnten ein fester Bestandteil des Fernsehprogramms zum chinesischen Neujahrsfest. Okay, der Balkon könnte schwierig werden. „Da war doch noch nie einer“, könnte der Denkmalschutz sagen. Dann bauen wir statt dem Balkon ganz einfach Gauben. Die gehen auch da, wo noch nie welche waren. Und fragen Sie nicht, was das Zweitwichtigste war, das hab ich vergessen.

Und dann gibt’s auch noch solche Schilder. Beachten Sie besonders das nicht. Foto: Beifang im Internet.

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