Wöhrl: Abschied im Herbst?
Weg ab Oktober? Foto: Engel
Wöhrl denkt offenbar über eine Aufgabe des Standorts Straubing nach. Der Grund: Eine für die aktuelle Umsatzentwicklung zu hohe Miete. Das hat engel-sr.de nach einer Betriebsversammlung erfahren. Zu der Versammlung am vergangenen Dienstag sollen mit dem Vorstandsvorsitzenden Thomas Weckerlein und Vorstand Tobias Triebel die beiden ranghöchsten Wöhrl-Manager nach Straubing gekommen sein.
Die Versammlung ist offenbar sehr kurzfristig angesetzt worden. Die Vorstände sollen die Belegschaft dabei über den aktuellen Stand informiert haben. Offenbar wurde auch dem Vermieter bereits ein Datum mitgeteilt: die Filiale am Ludwigsplatz soll möglicherweise bis zum 30. September aufgegeben werden, weil angesichts der Entwicklung im Einzelhandel die bisherige Miete nicht mehr zu erwirtschaften sei.
Haupteigentümer der Immobilie am Ludwigsplatz ist zu 70 Prozent die Stoffel Holding. Auf eine Anfrage von engel-sr.de teilte sie mit, sie wolle dazu keine Auskunft geben. Die Straubinger Filiale verwies auf die Presseabteilung der Nürnberger Zentrale, die einen Rückruf ankündigte. (Anmerkung: Eine Rückmeldung von Wöhrl erfolgte allerdings nicht. Stattdessen informierte Wöhrl das Straubinger Tagblatt, es würden Gespräche mit dem Vermieter über eine Mietreduktion geführt.)
Höchste Filialmiete
Doch wie nach der Versammlung durchdrang, sehen die beiden Vorstände offenbar eine Möglichkeit, aus dem noch bis 2034 laufenden Vertrag vorzeitig aussteigen zu können. Das soll das Unternehmen der Stoffel Holding bereits mitgeteilt haben. Ein solcher Schritt macht automatisch auch eine Mitarbeiter-Information notwendig. Falls es zu keiner Einigung zwischen Wöhrl und Stoffel kommen und Wöhrl tatsächlich Straubing verlassen sollte, sollen die Mitarbeiter Angebote für die Standorte Degggendorf, Landshut und Regensburg erhalten haben.
Wöhrl soll dem Vernehmen nach die höchste Miete aller Wöhrl-Filialen bezahlen. Sie soll bei gut einer Million Euro jährlich liegen. Feste Mietsätze gelten angesichts der aktuellen Marktentwicklung in der Branche inzwischen allerdings als nicht mehr zeitgemäß. Immer öfter werden nun Mietverträge vereinbart, die auf einer Umsatzbeteiligung beruhen.
Das Verhältnis zwischen Stoffel und Wöhrl gilt als eigentlich gut. Stoffel hatte die Immobilie vor 14 Jahren von einem dänischen Finanzinvestor erworben; die darauf folgende und fünf Millionen Euro teure Modernisierung durch Wöhrl hatte Stoffel mit 1,5 Millionen Euro unterstützt. Die Dänen wiederum hatten die Immobilie einige Jahre zuvor von Wöhrl gekauft.
Nicht nur ein Wöhrl-Problem
Allerdings steht der innerstädtische Einzelhandel seit geraumer Zeit unter Druck. Auch in Straubing gibt es zunehmend Leerstand und Geschäftsaufgaben. Als einen Hauptgrund nennen Geschäftsleute das inzwischen zu hohe Mietniveau. Erst vor gut einer Woche hatte das ebenfalls am Ludwigsplatz ansässige Traditionsgeschäft Photo Porst die Geschäftsaufgabe für Ende Februar angekündigt und als Grund eine zu hohe Miete von 3 000 Euro für 30 Quadratmeter genannt. (Anmerkung: In einer ersten Version habe ich statt 30 Quadratmeter 100 Quadratmeter genannt. Das war unrichtig.)
Die Quadratmeter-Miete von Wöhrl dürfte unter 30 Euro pro Quadratmeter liegen, allerdings liegt die Gesamtfläche eher bei über 3 000 Quadratmetern als darunter. Auch beim baldigen Weggang des Restaurants Meating vom Theresienplatz soll die Miete ein entscheidender Faktor sein.
