Hahn/Engel: Streitgespräch

Architekt, ÖDP-Stadtrat und Zuschussgegner Hans Jürgen Hahn. Foto: Hahn

Man hat ja – zumindest als der Tigers-Sympathisant, der ich halt bin – immer den Eindruck: Profi-Eishockey, das hat einfach keinen Wert für die Linke und die ÖDP. Aktuell waren beide gerade im heftigen Widerstand gegen den Kabinen-Umbau der Tigers und ihrer IG Eis, den die Stadt mit bis zu 400 000 Euro bezuschusst. Vehement gegen den Zuschuss hat sich der ÖDP-Stadtrat Hans Jürgen Hahn positioniert, der im Hauptberuf Architekt ist: Also auf ins Streitgespräch zwischen Engel und Hahn!

Hans Jürgen, Warum hat Profi-Eishockey keinen Wert für Linke und ÖDP?

Hans Jürgen Hahn: Das hat nie jemand gesagt, dass Profi-Eishockey keinen Wert für uns hat. In das Eck will man uns gerne stellen. Mein Sohn spielt selber Eishockey, in der Landesliga bei denn EHC-Senioren. Aber ich bin nicht in den Stadtrat gewählt worden, um die Interessen der Tigers zu vertreten, sondern die aller Bürger. Und da sind wir halt der Meinung, dass die Mittel, die die Stadt da hineinsteckt, einfach zu viel sind.

In diesem Fall gehts konkret darum: Mit den Tigers gemeinsam die Kabinen zeitgemäß erstligatauglich machen, Kostenpunkt für die Stadt: Bis zu 400 000. Oder in einigen Jahren ohne Tigers einfach nur sanieren, Kostenpunkt für die Stadt: Mindestens 300 000 Euro.

Hahn: Wer sagt das? 300 000, das glaub ich nie.

Wenn man mit KI im Internet recherchiert, kommt heraus: „Sanitäranlagen in Sportanlagen werden aufgrund hoher Nutzungsfrequenzen und strenger Hygieneanforderungen im Schnitt etwa alle 15 bis 25 Jahre grundlegend saniert.“ Und: „Die Kosten für die Sanierung von Umkleiden und Duschen können schnell im hohen sechsstelligen Bereich liegen“. Und Martin Wackerbauer, damals Architekt des Kabinentrakts, sagt das auch.

Hahn: Und da sage ich, das Ganze kostet 25 000 Euro. So hab ich das auch von jemanden gehört, der die Kabinen kennt.

Von wem?

Hahn: Den Namen mag ich öffentlich nicht nennen.

Der fragliche Kabinentrakt im Stadion ist fast 30 Jahre alt, vom Alter her vergleichbar mit der DonauArena Regensburg; die wird jetzt für 13 Millionen Euro erneuert. Oder Beispiel Edewecht, 30 000 Einwohner, Niedersachsen: 523 000 Euro für die Sanierung der Umkleidekabinen am städtischen Fußballplatz. Das war 2008. Das würde 2026 wohl viel mehr kosten, und 2030 noch sehr viel mehr.

Hahn: Da sage ich: Nein, brauchts ned, nicht notwendig. Das wäre nur eine Investition für die Tigers GmbH, private Investoren, die da Geld rausziehen.

Wo ist die Information her, dass die Tigers GmbH Geld rauszieht?

Hahn: Ich meine damit, dass eine GmbH profitorientiert arbeiten muss. Ja, wofür arbeitet denn eine GmbH? Eine GmbH muss gewinnorientiert arbeiten.

Die GmbH steckt jedes Jahr Hunderttausende rein und zieht Null raus.

Hahn: Okay, dann wären sie schon längst insolvent. Das machst du zwei Jahre, dann musst du Insolvenz anmelden. Das ist doch an den Haaren herbeigezogen.

Die gleichen das Defizit aus mit privatem Geld, und das ist im Eishockey in ganz Deutschland so.

Hahn: Dann machen sie nicht ein Minus, sondern die Gesellschafter stecken was rein. Das ist dann etwas anderes. Aber das wissen wir ja gar nicht. Ob die was reinstecken, weißt du das?

Eishockey ist nirgendwo in Deutschland ein Gewinngeschäft.

Hahn: Das ist aber nicht das Problem der Stadt. Wenn die Tigers Profisport aufziehen wollen, müssen sie das selber zahlen.

Meine These ist: Eishockey hat einen Wert für die Stadt. Es kommen jedes Wochenende 5 000 Menschen in die Stadt, man spricht darüber, man kommt ins Gespräch, man entwickelt Stolz auf seine Stadt, aus dem Umland entwickelt man eine Bindung an die Stadt, man fährt auch zum Einkaufen eher hierher als in eine andere Stadt: Ein sozialer, kultureller und wirtschaftlicher Wert.

Hahn: Es ist keine kommunale Pflichtaufgabe, Profisport zu unterhalten.

Theater ist auch keine kommunale Pflichtaufgabe.

Hahn: Theater kann ich als Pflichtaufgabe sehen.

Wenn es eine Pflichtaufgabe wäre, hätte Deggendorf auch ein Theater. Kann ich „Pflichtaufgabe“ willkürlich definieren? Aber ich könnte sagen: „Theater hat für mich keinen Wert, ich nehme das nie in Anspruch. Theater ist elitär, es interessiert nur die immer gleichen 300 Menschen, in der Regel überdurchschnittliches Einkommen, meist ältere Generation. Tickets zu 80 Prozent staatlich subventioniert.“ Das könnte ich sagen. Aber ich kann auch anerkennen, dass das eben für andere einen Wert hat. Und Eishockey auch.

Hahn: Ich schaue meinem Sohn beim Eishockey-Breitensport zu. Aber ich sehe keinen Stadtrat da unten, wenn die Amateurspieler beim EHC spielen.

Ich auch nicht, weil’s mich nicht so interessiert wie ein Tigers-Spiel. Das hat für mich sehr viel mehr Wert, auch mehr als das Theater oder das Bandhaus. Trotzdem sage ich nicht: „Spart das Geld für das Bandhaus, Kurt Cobain und Nirvana haben auch in einer Garage geprobt.“ Warum verlegt ihr euch immer so kritisch aufs Eishockey?

Tigers-Umkleide: Für große Spieler eher schwierig. Foto: Engel

Hahn: Beim Theater oder Bandhaus steht keine GmbH dahinter. Da sind auch andere Sachen, die wir nicht einsehen, der Eislaufbetrieb im Juni oder Juli zum Beispiel, das ist ökologischer Wahnsinn, und das ist nur wegen der Tigers.

Jetzt sind wir vielleicht am Punkt: Das Feindbild ist Eishockey, aus ökologischen und ideologischen Gründen, weil man nicht auf Natureis spielt?

Hahn: Nein, nein, das habe ich nicht gesagt.

Das habe ich jetzt gefragt.

Hahn: Eishockey ist ein Wintersport, und ich habe vom Juni und Juli geredet.

Stimmt. Man kann aber kein Erstliga-Eishockey machen ohne Eis im Juli, und dieses Erstliga-Eishockey hat einen Wert für die Stadt.

Hahn: Der Wert ist nicht quantifizierbar, und es werden auch nicht alle Kosten rüberkommuniziert, wie viel Geld da reingesteckt wird. Aber dieses Geld könnten wir statt ins Stadion zu stecken anders verwenden. Wir erhöhen die Kindergartengebühren, und wir müssen auch die SAuV unterstützen, die ein defizitärer Betrieb ist. Aber wir haben das Geld, dass wir Werbung machen im eigenen Stadion, für 35 000 Euro.

Der Grund für Straubings Finanzprobleme ist aber nicht Eishockey. Städte, die überhaupt kein Profi-Eishockey haben, haben die gleichen finanziellen Probleme. Der eigentliche Fehler ist, dass die Sozialausgaben überall steigen. Müsste man nicht das viel mehr thematisieren?

Hahn: Aber die Ausgaben für Profi-Eishockey müssen leistbar sein.

Aber eigentlich ist es doch der ausufernde, maßlose Sozialstaat, den wir uns nicht mehr leisten können, und den ihr wollt.

Hahn: Das ist jetzt eine Unterstellung, dass wir eine maßlose Sozialpolitik machen. Ich glaub, da müssen wir aufhören, weil das ist nicht seriös.

Dann nehme ich die Unterstellung zurück, weise aber darauf hin, dass du zu den Tigers-Gesellschaftern wörtlich gesagt hast, die „ziehen Geld raus“. Aber lassen wir das mit Unterstellungen.

Hahn: Ja, wir sind da alle emotional, und uns wird immer unterstellt, dass wir Eishockeyhasser sind. Das stimmt überhaupt nicht. Es geht um Profi-Eishockey.

Um Profi-Eishockey zu spielen, braucht es eine Infrastruktur, zu der eine Stadt beitragen muss, weil es ohne nicht geht.

Hahn: Ja, und wir sagen, das ist unverhältnismäßig.

Du wirst immer weniger erstklassige Spieler bekommen mit einer Kabinensituation wie derzeit. Das ist nicht gut für den Standort, und ich glaube, eine große Mehrheit will aber stolz sein auf ihre Stadt und ihren Club. Deshalb zum Schluss: Wenn man vor einer Kommunalwahl so eine Position bezieht, welche Wähler will man damit erreichen?

Hahn: Wir stehen für ökologische Werte, wir stehen für sinnvolle Mittelverwendung, die allen zugute kommt und nicht einseitig den Profisport unterstützt.

Wie viel Geld ist denn okay für den Profisport?

Hahn: Das kann ich so nicht sagen. Aber nicht in der Höhe, wie es momentan ist.

Ich frage deshalb, weil bei der geplanten Turnhalle für Alburg seid ihr dafür, dass Tribünenplätze kommen für den Profisport.

Hahn: Nein, das war nicht von uns, das war von Adolf Herpich.

Ich les dazu aus der Zeitung vor: „Profitauglichkeit wünscht sich auch Karl Dengler, ÖDP.“ Und: „Es sei geradezu revolutionär, dass Dengler das Wort ‚Profisport‘ über die Lippen bringe, so der OB schmunzelnd.“

Hahn: Das ist nicht die Meinung der Gesamtheit unserer Fraktion. Ich denk, dass der Karl Dengler das so gemeint hat, dass er Gleichberechtigung für alle will, nicht nur einseitig für einen Profisport.

Hans-Jürgen Hahn, vielen Dank für das Gespräch!

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Pressemitteilung der Stadt zum Stadion