Das WC-Häusl: Mein Senf dazu

Foto: Engel

Im Grunde ist diese Hagen-WC-Frost-und-Pfusch-Geschichte von gestern im Tagblatt unglaublich. Ich liebe unglaubliche Geschichten. Sie sind so unglaublich.Wenn man Glück hat, sind sie auch witzig. Allein schon der erste Satz dieser Tagblatt-Geschichte, dieses legendäre Zitat, das dem Fußballer Jürgen „Kobra“ Wegmann zugeschrieben wird: „Zuerst hatten wir kein Glück, dann kam auch noch Pech dazu.“ Ein solcher Start in solch eine Geschichte ist ein Volltreffer. Ein solches Zitat sagt ja schon alles.

Ich geb trotzdem noch meinen Senf dazu. Denn man liest diese Geschichte und denkt: Wie kann das sein? Wie ist es überhaupt möglich, dass man länger als ein Jahr braucht für die Aufhübschung eines Klo-Häusls mit einem 65 000-Euro-Etat? Man denkt ja unwillkürlich: „65 000 Euro für ein ganzes Klohäusl? Das ist doch in ein, zwei Wochen verbraten. Ein bisserl dies, ein bisserl das, dazu noch ein paar Sachen, dann ist das Geld weg.“ Ich jedenfalls hab so gedacht. Und nicht nur ich.

Ich hab mit ein paar Männern vom Fach gesprochen. „Hast du diese Geschichte gelesen?“, hab ich zu dem einen gesagt. „Nein“, sagt er zu mir. „Lies sie“, sag ich zu ihm, „die ist voll interessant.“ Ein paar Stunden später ruft er mich an. „So etwas“, hat er gesagt, „wie es in dem Bericht steht, passiert privaten Bauherren nicht.“ Der Mann ist Bau-Sachverständiger, und sein Eindruck vom WC-Häusl ist: „Da wird halt einfach Geld verbrannt.“

„Nur möglich, wenn man nicht heizt“

Dass ein Sanierungsvorhaben mit einem 65 000-Euro-Etat in einem Juni beginnt und im November noch immer nicht abgeschlossen ist, würde ihn bei einem privaten Vorhaben überraschen. Wenn es sich über den ganzen nächsten Winter hinziehen würde und heute noch immer nicht beendet wäre, noch mehr. Und was ihn bei einem Privatbau am meisten überraschen würde: Wenn es im Winter Frostschäden gäbe. „Es gibt eine Schadenminderungspflicht“, sagt er, „wenn du als Handwerker nicht rechtzeitig fertig wirst, musst du prüfen, ob das Dach dicht ist. Und dass Leitungen einfrieren, kannst du immer verhindern.“

Aber im WC-Häusl am Hagen war das Dach undicht. Und Leitungen sind eingefroren. Das hat, wie die Stadt in dem Tagblatt-Bericht einräumt, „zu weiteren Schäden in bereits sanierten Bereichen“ geführt und an vielen Stellen neuen Schaden angerichtet. „Das Dach kann man sichern“, sagt der Fachmann, „und Leitungen frieren nur ein, wenn keine Notheizung da ist.“ Das klingt so eindeutig nach Aufsichtsversagen und fehlender Bauleitung, dass ich noch einen Bau-Sachverständigen anrufe und frage, was sein Eindruck ist von den Aussagen der Stadtverwaltung.

„Wenn ein Dach undicht ist, weil es überaltert ist,“ sagt dieser Fachmann, „ist das wieder ein Instandhaltungsmangel, der vorher hätte festgestellt werden können und müssen.“ Und er verdeutlicht am Beispiel eines Privatbaus: „Ich verbau ja kein Parkett in einer maroden Bude, wo es kurz drauf oben reinregnet.“ Und die Frostschäden an Leitungen? „Sicherlich nur möglich“, sagt der Mann, „wenn man nicht heizt und die Leitungen nicht leer macht.“ Zwei Kenner, eine Meinung.

„Da stellst du einfach einen Heizlüfter rein“

Denn er sagt wie der erste Fachmann: „Da stellst du einfach einen Heizlüfter rein, den kriegst du für ein paar Euro im Baumarkt.“ Die Energiekosten? Ein paar Euro am Tag, nichts im Vergleich zu den dadurch verhinderten Schäden. Und dann sagt er noch: „Leitungen im Vorfeld entleeren, wie es schon unsere Väter gemacht haben beim Garten-Wasserhahn und der Leitung, das war offensichtlich zu viel verlangt.“

Man weiß nicht, wer die Bauleitung bei dieser Sanierung hat. Das Hochbauamt? Ein Fremdbüro? Man weiß nicht einmal, ob es eine funktionierende Bauleitung gibt. Man weiß nur: Dies ist eine öffentliche Unternehmung, und die ursprünglich auf 65 000 Euro veranschlagte Sanierung zieht sich nun schon über 13 Monate hin und hat die 80 000 Euro inzwischen überschritten. Und alle hoffen, dass der 14. Monat der letzte sein wird und kein 15. notwendig wird.

Vielleicht ist es so, wie einer der beiden sagt: „Im privaten Bereich passiert sowas praktisch nie. Private Bauherren schauen aufs Geld. Im öffentlichen Bereich wird Geld oft einfach verbrannt.“ Der andere sagt: „Das ist wie bei den Schildbürgern.“ Und Jürgen Wegmann sagt, dass er das mit dem fehlenden Glück und dazugekommenen Pech so nie gesagt hat, aber über das Straubinger Hochbauamt kann man das locker sagen. Da fehlt’s an Kontrolle und Aufsicht. Besonders schlecht ist das dann, wenn eine Stadt kaum noch Geld hat.

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