Warum ist das so?
Das ist Straubing: Ungewöhnlich, aber erklärbar. Foto: Engel
Vielleicht wäre eine neue Serie sinnvoll: „Warum ist das so? Ungewöhnliche Phänomene, einfach erklärt.“ Was derzeit einigen Straubingern auffällt, das ist diese Säule. Die steht auf dem Theresienplatz, und zwar an der Einfahrt in die Fußgängerzone, und sie steht rechts. Das ist sehr ungewöhnlich. Denn wer jemand ist, der außerhalb der Anlieferzeit in die Fußgängerzone will, zum Beispiel auf den Parkplatz vom Hotel Gäubodenhof, der stellt dann fest: „Hoppala, die Säule steht ja rechts von meinem Auto! Die steht ja neben der Beifahrerseite! Das ist ja ungewöhnlich!“
Warum ist es ungewöhnlich? Das ist es deshalb, weil ein In-die-Fuzo-Fahrer ja die Poller versenken will, die die Einfahrt versperren. Dazu muss er aber eine PIN an der Säule eingeben. Das ginge leichter, wenn die Säule links an der Fahrerseite stünde. In Parkhäusern die Automaten stehen sie ja auch links, so dass man nur das Autofenster runterlassen muss, um den Automat zu bedienen. Aber hier steht der Automat rechts. Man wird aussteigen müssen, um eine PIN einzugeben oder um die Gegensprechanlage zu benutzen. Warum ist das so?
Wären wir in Berlin, würde ich sagen: „Tja, Freunde, das ist Berlin. Dort ist der Verwaltung und überhaupt allen längst die Kontrolle über ihr Leben entglitten, dort malt man auch Radwege eher viereckig als rund.“ Aber wir sind hier in Straubing, hier ist doch noch nicht alles komplett unrund. Es muss einen Grund geben. Und es gibt einen Grund, und eigentlich sogar zwei:
Es ist nämlich deshalb so
„Das hat zunächst einmal rein städteplanerische und gestalterische Gründe“, erklärt Klaus Reisinger vom Straßenbauamt, „weil auf der linken Seite der Automat dann gleich neben dem neuen Wasserspiel wäre, und eine hohe Säule würde da die Platzgestaltung verschlechtern.“ Das will man nicht. Es soll schon auch schön sein da. Und es gibt noch einen Grund:
Vor der Einfahrt und dem Wasserspiel ist die Wendeplatte. Dort wendet nicht nur der Pendelbus. Dort wenden auch größere Busse und manchmal auch LKW. Falls da ein Fahrer das Wenden nicht auf einen Zug schafft, muss er zurücksetzen, und wenn es ganz schlecht läuft, könnte er dabei den Automaten erwischen, falls der dort stünde.
Um dieses Risiko optimal zu minimieren, steht die Automatensäule also rechts. Für den Lieferverkehr in die Fußgängerzone ist das eh wurscht. Zu den offiziellen Lieferzeiten werden die Poller eh immer unten sein. Und wer ins Hotel will, der wird halt aussteigen und ums Auto herumgehen müssen, um einen PIN einzugeben, dem ihm das Hotel hoffentlich aufs Handy geschickt hat. Wenn nicht, kommt er ja eh nicht rein. Was ich damit sagen will: Wir sind nicht Berlin, noch unterlassen wir den ganz großen Blödsinn und beschränken uns auf ungewöhnliche Phänomene, einfach erklärt.
Das ist Berlin: Auch ungewöhnlich, aber echt schwer zu erklären. Foto: SZ
