Kabinett im Rittersaal
Rittersaal, mit richtigem Dachstuhl. Foto: Chat GPT.
Wissen Sie, wer am 3. Februar nach Straubing kommt? Es ist das gesamte bayerische Kabinett, ist das nicht schön? Vielleicht wird’s sogar ein bisserl wie damals, vielleicht erinnern Sie sich, als der König Sigismund da war, 1430 war das. Es findet nämlich am 3. Februar 2026 eine Sitzung des bayerischen Kabinetts statt, und zwar im Rittersaal. Das ist eine sehr gute Sache, und es ist eine Sache, die unserem Rittersaal angemessen ist.
Es war ja sogar schon einmal ein Reichstag im Rittersaal, eben im Jahr 1430, und eingeladen hat König Sigismund. „Aus Wien kommend“, lesen wir beim Arbeitskreis Heimatgeschichte Mitterfels e.V., „hatte er vom 25. August bis 7. September einen Reichstag nach Straubing einberufen. Dort war ein Jahr vorher das Herzogtum Niederbayern-Straubing-Holland unter den vier wittelsbachischen Herzögen verlost worden.“
Wahrscheinlich hat er mit dem Reichstag uns für die Verlosung entschädigen wollen. Es ist ja doch unschön, wenn du gestern noch Hauptstadt warst von einem richtigen Herzogtum, mit sogar Holland als nur einem besseren Vorort von dir, vergleichbar mit Aiterhofen etwa; und am nächsten Tag wachst du auf und bist selber nur noch ein besserer Vorort, und zwar ausgerechnet von Aiterhofen, und du musst einen Tribut entrichten für eine Aiterhofener Schule, und gleich 760 000 Euro, weil du verlost worden bist. Nein, das ist nicht schön, das aber nur nebenher. Wichtiger scheint mir die Frage, wie das gesamte bayerische Kabinett überhaupt nach Straubing kommt.
Kommt das Kabinett mit dem Zug? Wohl eher nicht
Damals, vor knapp 600 Jahren beim Sigismund, war das Nach-Straubing-Kommen noch gar nicht so einfach: „Sigismund aus dem Hause Luxemburg“, lesen wir weiter beim Arbeitskreis Heimatgeschichte, „1368 geboren und 1411 zum deutschen König gewählt, war Zeit seines Lebens gezwungen, weite Teile Europas, von Polen bis nach Rhodos, von London bis Spanien, mühsam zu Pferd oder in einem Reisewagen zu bereisen.“ Heute ist das zum Glück nicht mehr ganz so schlimm.
Obwohl, eigentlich doch; aber nur dann, wenn man mit dem Zug von München her kommt. Es ist aber unwahrscheinlich, dass das Kabinett mit dem Zug kommt. Dummerweise hat ja der OB dem Markus Söder beim Neujahrsempfang kürzlich verraten, dass die Verbindung München — Straubing echt mies ist. Da wäre der Söder ja schön blöd, wenn er mit dem Zug käme. Weil sogar, wenn der Zug pünktlich wär - was er bestimmt nicht ist - müsste das Kabinett in Neufahrn ja umsteigen. In Neufahrn umsteigen will aber freiwillig kein Mensch auf der Welt, und der Markus Söder erst recht nicht, weil dort nichts ist, kein Kiosk, kein Dönerstand, keine Wurstsemmel, nichts von Interesse für ihn.
Also werden sie mit ganz vielen Dienstwagen kommen. Das geht einfach schneller. Obwohl eine Zugfahrt des gesamten bayerischen Kabinetts von der Münchner Staatskanzlei in den Rittersaal schon sehr gut wäre, denn es wäre so volksnah. Das würde gut passen zum Zweck der Kabinettssitzung in der außermünchnerischen Provinz: Es ist nämlich so, dass das bayerische Kabinett einigermaßen regelmäßig durch die bayerischen Regierungsbezirke zieht, um Interesse am außermünchnerischen Raum zu demonstrieren, und Problembewusstsein auch.
Es bezahlt die Staatskanzlei
Das wäre doch eine echte Erfahrung für das Kabinett: Gestrandet an einem Bahnhof in der Mitte von Nirgendwo, und kein Kiosk und Dönerstand offen, nirgendwo regt sich was, und nur der Winterwind streicht eisig durch Markus Söders schütter werdendes Haar. Das echte Leben halt. Zuletzt war das Kabinett übrigens in Bamberg, das ist in Oberfranken, wo das Leben anscheinend auch nicht so leicht ist, und es war am 12. Januar: „Wir lassen Oberfranken nicht allein“, hat Markus Söder in der Pressekonferenz danach gesagt, „im Gegenteil, wir stärken es.“ Und dann hat er noch gesagt: „Wichtig ist uns auch die Verbindung zu Tschechien, wenn ich das sagen darf.“
Wird er auch in Straubing das sagen dürfen? Ich glaube: Ja. Ich jedenfalls wäre erfreut, wenn er dürfte. Das IT-Equipment für die Sitzung bringt das Kabinett übrigens selber mit, und recht viel mehr braucht es auch nicht. „Im Zusammenhang mit der Veranstaltung wurden keine baulichen Umbaumaßnahmen am Rittersaal vorgenommen“, teilt die Stadt mit, „die erforderlichen organisatorischen Maßnahmen betreffen insbesondere die Beauftragung eines Sicherheitsdienstes sowie die Bereitstellung von Licht- und Tontechnik. Diese Leistungen werden durch die Stadt Straubing organisiert, die entstehenden Kosten werden jedoch vollumfänglich von der Bayerischen Staatskanzlei erstattet.“
Und jetzt: Den Haag, Camelot und unser Rittersaal
Und bitte wundern Sie sich nicht über das Bild. Das hat ChatGPT gemacht. Ich hab im Augenblick nämlich kein Foto vom Rittersaal, da hab ich zu ChatGPT gesagt, er soll ein Bild vom Rittersaal in Den Haag suchen und so einen runden Kabinettstisch reinpflanzen, so wie beim König Artus in Camelot. Den Rittersaal in Den Haag übrigens deshalb, weil der das Vorbild von unserem Rittersaal ist, eben aus der Zeit des Herzogtums Straubing-Holland.
Der Unterschied ist nur, dass der Dachstuhl im Den Haager Saal keine seine Ästhetik ruinierenden Querbalken braucht. Der Dachstuhl dort ist intakt geblieben, und wäre er es nicht, wär er historisch korrekt saniert worden. Der Straubinger Rittersaal dagegen: einer der größten mittelalterlichen Festsäle in Deutschland, der Dachstuhl „ein Meisterwerk mittelalterlicher Zimmermannskust“, vor 300 Jahren demoliert, aber dem Freistaat war er eine historisch korrekte Sanierung leider nicht wert. Ja mei, für eine Kabinettssitzung alle paar hundert Jahre wird er schon taugen. Achten Sie auf die Querbalken bei Ihrem nächsten Besuch, und dann stellen Sie sich den Saal ohne Querbalken vor, so wie in Den Haag: Schon schön, die Vorstellung, gell.
