Und nochmal die SAuV

Foto: Engel

Kürzlich habe ich Roman Preis am Stadtplatz getroffen, den Stadtkämmerer und Geschäftsführer der SAuV. „Gut, dass ich sie treffe, Herr Preis“, hab ich gesagt, „ich wollt Sie eh anrufen und nach einem Interview fragen,“ nämlich zur SAuV und ihrem Defizit. „Nein“, sagt Roman Preis, „da hab ich schon so viele Interviews gegeben, bei Maximalradio, beim Tagblatt.“ Das sind sehr viele Interviews, ganz ohne Frage, bestimmt auch mit sehr guten Fragen.

Doch in einem Anfall vom Wagemut hab ich gesagt: „Aber da waren danach doch mehr Fragen offen als vorher?“ Natürlich sieht er das nicht so, aber „gut“, sagt er schließlich, „reichen Sie Ihre Fragen halt schriftlich ein.“ Das mache ich aber nicht. Ein Interview ist zuallererst ein Gespräch mit Frage, Antwort und gegebenenfalls Nachfrage. Schriftlich ist die Ausnahme, die immer nur der Interviewte vorschlägt. Schriftlich erschwert Nachfragen, es ist oft mehr verschleiernd als enthüllend. So etwas muss ja nicht sein.

Warum finde ich, dass nach so vielen Interviews noch Fragen offen sind? Wenn ich die Doppelseite im Tagblatt vom 10. Januar richtig verstehe, liegt das steigende SAuV-Defizit an Corona und dass überhaupt alle Feste und Ausstellungen Probleme haben, und dass das halt so ist. Fraunhoferhalle? War praktisch kein Thema; nur, dass die Instandhaltung kostet und die „Mietsätze marktverträglich angepasst“ werden. Aber ich hätte zum Beispiel gerne gewusst, ob ein Geschäftsführer weiß, wie viele große Publikumsveranstaltungen in etwa in der Fraunhofer-Halle sind,wie ausgelastet seine Halle ist. Schriftlich ist das leicht zu beantworten. Mündlich ist spannender.

Schauen wir nach Erding

Im Januar sind in der Fraunhoferhalle: Drei Bälle und ein CSU-Neujahrsempfang im Foyer. Im angeschlossenen Seminarbereich sind an sechs Tagen Ausschusssitzungen der Stadt Straubing, eine Tagung der bayerischen Steuerberater, zwei Tage Firmenveranstaltung, ein Flohmarkt, ein BRK-Blutspendetermin. Das ist nicht viel für eine so große und eigentlich ambitionierte Halle mit 1500 Plätzen plus Seminarbereich. Vergleichen wir kurz mit dem großen Saal der Stadthalle Erding, 800 Plätze.

In Erding wird dieser Saal allein im Januar 14 Mal voll: Classic Rock, Klassik mit den Münchner Philharmonikern, Jürgen von der Lippe, Eva Karl-Faltermeier, Harry G., Robert Palfrader und noch mehr, und fast alles ausverkauft, sagt Valentin Kallinger vom Eventmanagement Kultur der Stadt Erding. Blutspendetage oder Bälle sind da noch gar nicht mitgerechnet.

Stadthalle Erding. Foto: Eventmanagement Erding

54 große Veranstaltungen für 2026 stehen Anfang Januar bei Eventim für Erding. Für Straubing 13. Trotz solcher Zahlen ist auch die Erdinger Stadthalle defizitär, jährlich etwa eine Million Euro. Der Grund: Selbst ausverkaufte Publikumsveranstaltungen spielen nur den Hallenunterhalt ein, nicht aber die Personalkosten: Je mehr Veranstaltungen, desto mehr Defizit. Erding hat weit mehr solcher Veranstaltungen als Straubing. Trotzdem ist das Defizit kleiner. Dabei hat die SAuV mit der Ostbayernschau immer noch einen Geldbringer: Nicht mehr so viel wie einst, aber immer noch positiv.

„Geld verdient man mit Tagungen“

„Geld“, sagt Valentin Kallinger, „verdient man nur mit Tagungen und Kongressen.“ Trotzdem setzt Erding auch auf Publikumsmagneten. Das bringt indirekt Geld, in Parkhäuser, Restaurants oder Geschäfte. Kernzielgruppe sind die wichtigen Käuferschichten ab Mitte 40 bis Mitte 60. Sie kommen aus einem weiten Umkreis nach Erding; vor einiger Zeit ist sogar ein deutlich jüngerer Vater aus Straubing mit seinen Kindern in ein Kindermusical gefahren, das in München und Erding läuft, „das gibt es in Straubing halt nicht“, hat er gesagt. Also ins Auto und am Ziel eine Parkgebühr, denn egal ob Feuerwehrmann Sam, Conni oder Yakari: Kindermusicals sind ein Magnet.

München-Nähe ist für Erding dabei eher ein Nachteil: Im Tourplan klingt „München“ besser als Erding, „da müssen wir“, sagt Kallinger, „wirklich Überzeugungsarbeit leisten.“ Bei Kongressen und Tagungen ist München-Nähe dafür eher ein Vorteil; Raummieten in München sind deutlich teurer. Doch Straubing liegt auch nicht schlecht: Zentral im Raum Niederbayern/Oberpfalz, stark verbessertes Hotelwesen im Vergleich zu den 90er Jahren, und außerdem „einer der bayernweit wichtigsten Forschungsstandorte“, wie Ministerpräsident Söder beim CSU-Neujahrsempfang betont hat.

Straubing freut sich, dass die Camping-Messe jetzt zum zweiten Mal kommt. Doch ohne die überall üblichen Messen für Hund, Hochzeit, Gesundheit und Bau bleibt in den Ausstellungs- und Messehallen nicht mehr viel. Besser gebucht sind die Tagungsräume der SAuV. Doch die meisten Veranstaltungen bucht die Stadt selber: Rund 80 Stadtrats- und Ausschusssitzungen bis Jahresende. Die SAuV bekommt dafür Miete. Nach der Rathaus-Wiedereröffnung fällt das wieder weg. Insgesamt ist Erding in Akquise und Vermarktung erfolgreicher als Straubing. Warum?

Technisch auf dem neuesten Stand

Erdings Halle ist zwölf Jahre älter als die Fraunhoferhalle, aber technisch auf hohem Stand. Externe Veranstalter sparen so Transport- und Personalkosten für eigene Technik, Kartenzahlung ist selbstverständlich. In Straubing geht Kartenzahlung nicht. Das ist nicht auf der Höhe der Zeit. „Was uns von vielen Stadthallen unterscheidet“, sagt Kallinger, „wir vermieten nicht nur, sondern veranstalten auch selbst und betreiben auch Ticketing, Marketing und Gastro selbst und verkaufen an Fremdveranstalter als Dienstleister weiter.“

Erding bemüht sich aktiv, das Defizit zu verringern. Tagungen und Kongresse sollen ausgebaut werden. Ab Juli wird die Stadthalle deshalb „Eventforum Erding“ heißen. Für den Januar 2027 ist schon der Chinesische Nationalcircus gebucht und die Johnny Cash-Show auch. An der Fraunhoferhalle ist für den Januar 2027 noch gar nichts gebucht, aber Geldbringer wie große türkische oder russische Hochzeiten dürfen nicht rein. Eine Stadthalle wird vermutlich immer ein Defizit bringen. Die Frage ist nur: Wie hoch darf es sein?

Tendenziell ebenfalls schwierig: Veraltete Ausstellungshallen. Foto: Engel

Und auch die Ostbayernschau braucht Innovation. Wenn ihre Erlöse weiter sinken, wird das Problem größer. Schon vor vielen Jahren hat Straubing den Agrarbereich an die Karpfhamer Rottal-Schau verloren. „Karpfham“, sagt ein Aussteller, „ist das Nonplusultra im Agrarbereich. Wer Rang und Namen hat in der Branche, muss in Karpfham sein.“ Und Straubing?

Ostbayernschau: „Überall Putztücher“

„In der Ostbayernschau hast du in jeder Halle Putztücher, Autopolituren, Dampfreiniger und Fensterhersteller“, sagt der Aussteller, „und das Ganze wiederholt sich in jeder Halle drei Mal. Und dann ist in jeder Halle noch einer drin, der Wein verkauft.“ Er kennt Straubing gut, aber die Ostbayernschau findet er auch als Privatmann nur noch mäßig attraktiv. Wie muss ein Angebot sein, das Publikum zurückholt?

Dass die Ostbayernschau Landmaschinen und Agrartechnik zurückholen kann, hält der Aussteller für ausgeschlossen. „Das können Sie gern versuchen“, sagt er, „aber klappen wird’s nicht, schon deswegen, weil in Karpfham jeder Besucher aus der Landwirtschaft kommt, das ist ein Fachpublikum. In Straubing sind das höchstens zehn Prozent.“

Welche Schwerpunkte könnten heute für ein breites Publikum interessant sein? Was sind die Themen der Zeit? Die SAuV muss nicht nur nach der Zukunft der Fraunhoferhalle und ihrer Tagungsräume suchen, sondern auch nach der Zukunft der Ostbayernschau. Wo könnte sie sein? Vielleicht wäre ein Schwerpunkt auf den Zukunftsmarkt E-Autos denkbar, mit einer Plattform für regionale Autohäuser. Die Autopolituren wären schon da.

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