Supermarktkämpfe: Demo und Unterschriften

Irene Ilgmeier (links) und ihr Protestaufruf. Foto: Engel

Seniorenbeirat und AWO rufen zu einer Demonstration auf. Es geht um Protest gegen die Schließung des Netto-Markts an der Eichendorff-Straße. Bei einem Kaffee & Kuchen-Treff mit Erhard Grundl (Grüne) im AWO-Haus am Wundermühlweg hat die Seniorenbeirats-Vorsitzende Irene Ilgmeier einen Aufruf zur Demo am kommenden Mittwoch verteilt, AWO-Chefin Christa Brunner forderte zur Weiterverbreitung auf. Gleichzeitig formiert sich Protest gegen den Supermarkt-Plan im Westpark.

Ein Discounter geht, obwohl er gebraucht wird, ein Vollsortimenter will dahin, wo er nicht wirklich gebraucht wird, und im Gäubodenpark tut sich auch etwas: Die Supermarkt-Lage in Straubing ist bizarr in diesem Frühling. Der für den Stadtsüden wichtige Netto wird Ende März gehen, aber im supermarkt-reichen Stadtwesten soll im Westpark ein großer Rewe-Markt kommen. Während im Westen sich eine Überversorgung abzeichnet, erhalten vor allem die vielen Senioren im Süden einen Schlag. Mit „Bescheuert, bescheuert!“-Rufen kommentieren etliche Senioren im AWO-Haus diese Entwicklung.

Warum genau Netto geht, ist unklar. Um ihn ist ein großes Wohngebiet, und nach dem Umbau des früheren Hörgeschädigten-Instituts werden viele neue Bewohner in den Süden kommen, und es werden ältere Menschen sein. „Der Netto ist der einzige Supermarkt im Wohngebiet, der mit einem Gehwagerl erreichbar ist“, erklärt Christa Brunner; „schließt euch der Demo an“, fordert Irene Ilgmeier auf. Am Mittwoch um 14 Uhr startet der Protest direkt vor dem Netto in der Eichendorff-Straße.

...und im Westen ein weiterer Riesenmarkt

Und während also ein großes Wohngebiet seinen einzigen fußläufig zu erreichenden größeren Nahversorger zu verlieren droht, bereitet das Rathaus den Boden für einen riesigen Supermarkt im Westpark, der dort aber gar nicht gebraucht wird und nur einen Baumarkt ersetzen soll, der auch nicht gebraucht worden war. Denn dort sind bereits Norma, Lidl und Penny, außerdem ein riesiges Kaufland. „Ich wohn’ nah am Westpark“, sagt ein Senior im AWO-Heim, „aber einen Supermarkt dort brauch ich nicht. Ich geh ins Kaufland.“

Nicht nur der Rewe im Theresiencenter wäre durch noch einen Markt gefährdet. Auch Kaufland könnte unter Druck geraten. Es gilt inzwischen als nahezu sicher, dass ein weiterer Rewe-Markt in den nur wenige hundert Meter von Kaufland entfernten Westpark kommen will. Es soll offenbar ein großer Flaggschiff-Markt werden, der selbst dem erst wenige Jahre alten Kaufland Umsatz wegnehmen könnte. Und: Die Konkurrenzsituation um mobile Verbraucher könnte noch weiter zunehmen. Edeka hat offenbar starkes Interesse am Gäubodenpark.

Dort gibt es einen neuen Eigentümer, und der hat offenbar starkes Interesse an Edeka. Auch im Gäubodenpark ist ein riesiger Flaggschiffmarkt möglich. Der Park hat grundsätzlich das Anrecht auf einen Markt mit rund 4 000 Quadratmetern. Das könnte die nicht allzu weit entfernten Edeka-Märkte von Stadler & Honner treffen. Die Marktbetreiber wollen die Entwicklung derzeit nicht kommentieren. Die Entscheidung über neue Standorte fällt aber die Edeka-Zentrale.

Unterschriftslisten gegen den Westpark-Markt

Bereits vor 13 Jahren hatte die Zentrale die Auflösung des damaligen Stadler & Honner-Marktes an der Roseggerstraße zugunsten des Standorts Landshuter Straße beschlossen. Durchaus vorstellbar, dass die Zentrale die beiden Betreiber erneut vor die Wahl stellt, einen Standort zu wechseln oder Konkurrenz durch einen weiteren Edeka-Betreiber zu akzeptieren. Eine Entscheidung soll angeblich noch im März fallen.

Für die Stadt müsste der innenstadtnahe Gäubodenpark eigentlich Vorrang haben. Allerdings scheint sie den Westpark der Stoffel Holding höher zu bewerten. Stoffel ist auf eine Genehmigung durch die Stadt angewiesen, diese Genehmigung soll über ein Beschleunigtes Verfahren kommen. Zusätzlich zum Supermarkt sollen im Gebäude des gescheiterten BayWa-Markts im Westpark außerdem Büros und Praxen angesiedelt werden. Woher sie kommen sollen, ist allerdings unklar. Zu befürchten ist, dass viele davon aus der Innenstadt in den Westpark gelockt werden. Falls das so eintritt, wäre das ein weiterer Schlag für die sowieso kriselnde Innenstadt mit weiterem Leerstand, Verlust von Arbeitsplätzen und damit Frequenz.

Auf den Netto-Abgang hat die Stadt keinen Einfluss, auf die Genehmigung von noch einem Supermarkt im supermarktreichsten Gebiet der Stadt allerdings schon. Bei Tabakwaren Zeller im Stadtturm und an den Samstagswahlständen von Grünen und ÖDP liegen deshalb Unterschriftslisten gegen eine Supermarkt-Genehmigung im Westpark auf. Damit hat Straubing tatsächlich eine bizarre Situation: Am 4. März, 14.00 Uhr, Demonstration für den Netto-Erhalt im Süden, und gleichzeitig in diesen Tagen Protest gegen ein Supermarkt-Überangebot im Westen, das außerdem die Innenstadt schwächen könnte.

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