Schwacher Abend

Moderatorin Sonja Ettengruber, Kandidaten Peter Stranninger (SPD), Katrin Dengler (ÖDP), Johannes Spielbauer (Linke), Erhard Grundl (Grüne), Markus Pannermayr (CSU), Christoph Weinholzner (FW) und Co-Moderator Johannes Zeindlmeier. Foto: Engel

Podiumsdiskussionen lassen sich grob unterteilen in zwei Kategorien: Spannend, das sind nicht so arg viele, und unspannend, das sind die meisten. Zu welcher Kategorie gehört die Diskussion der sechs OB-Kandidaten gestern Abend im Citydom? Sagen wir’s so: Wer sich dafür entschieden hat, dass er lieber zu den Tigers ins Stadion geht, hat gewiss keinen Fehler gemacht. Das Spiel war die bessere Wahl.

Vielleicht war auch die unglückliche Terminansetzung parallel zum Tigersspiel der Grund, dass nur ganz genau 72 Zuhörer in den 138 Sitzplätze bietenden Kinosaal 4 kamen, mehr als 40 davon Parteifreunde oder Mitglieder der veranstaltenden Wirtschaftsjunioren. Interessierte Normalbürger waren also eine Minderheit. Und warum waren die Tigers die bessere Wahl? Weil diese Podiumsdiskussion nur in seltenen Momenten eine Diskussion war.

Zu einer Diskussion gehören Rede und Gegenrede, der Austausch von Argumenten, von Positionen. Das war nur selten der Fall. Meist waren es nur Statements zu verschiedenen Themen, kaum Unterschiede, und manchmal schien es sogar so, als würde sorgsam darauf geachtet, dass nur ja keine Reibung entsteht.

Was niemand erwähnt

Stichwort Innenstadt: Mehr Aufenthaltsqualität, dazu Klimamaßnahmen, Leerstandskataster und den Grünen Markt gut behandeln, das wollen alle. Unterschiede? Kaum. Fußgängerbrücke zum Gstütt, Fischrestaurant an der Donau, nichts grundsätzlich Neues, außer vielleicht die Idee von Erhard Grundl: Ein Cable Car zwischen Hagen und Stadt, eine größere Attraktion als ein Pendelbus.

Ansonsten: vorhersehbar, wie beim Stichwort Kommunale Finanzen: „Kein Einnahmeproblem“, sagt Markus Pannermayr, CSU, „sondern ein Ausgabeproblem“, und er sagt „Konnexitätsprinzip“: Bund und Länder bürden den Kommunen immer mehr Aufgaben auf, aber bezahlen nicht. Das sehen alle so. „Auf keinen Fall an der Jugendhilfe sparen“, sagt Christoph Weinholzner, FW, das sehen alle so. So geht’s durch verschiedene Themen: mehr bezahlbaren Wohnraum, weniger Bürokratie, Wirtschaft stärken, Innenstadt stärken. Die Unterschiede sind marginal.

Dabei gäbe es Themen: In seinem Streitgespräch mit Johannes Spielbauer, Linke, zum Eishockey hat Erhard Grundl, Grüne, die 760 000 Euro angeführt, die die Stadt für die Realschule nach Aiterhofen gibt. Das war in nichtöffentlicher Sitzung beschlossen worden, obwohl die Stadt eigene Schulsanierungen verschieben muss. Pannermayr selbst hat sich bisher noch nicht dazu geäußert, warum eine Stadt mit Finanzproblemen eine Dreiviertelmillion an eine andere Kommune geben soll. Das wäre interessant gewesen. Aber in der Citydom-Diskussion spricht auch Grundl das Thema nicht an.

Worüber im wirklichen Leben geredet wird

Oder der Westpark, derzeit hochaktuell, Unterschriftenlisten im Umlauf: „Man darf hier nicht noch einen Supermarkt schaffen“, spricht Katrin Dengler, ÖDP, dieses Thema an, dann auch Grundl. Es ist ein Thema, das grundsätzliche Fragen zur Stadtplanung in Straubing aufwirft. Wird das diskutiert? Fragen der die Moderatoren dazu? Nein. Oder wo die Büros und Praxen herkommen sollen, für die der Westpark zusätzlich Fläche will? Aus der Innenstadt, die eh schon unter Druck steht? Eine Diskussion dazu wäre interessant gewesen. Was sind die Pro-Argumente? Aber niemand fragt nach.

Dabei ist das ein Thema, über das in den Cafes und Wirtshäusern geredet wird; zwar nicht ununterbrochen, aber doch deutlich öfter als über Konnexität. Aber an diesem Abend wird über Konnexität geredet, und wie immer relativ abstrakt. Konkrete Fragen zur Stadtplanung? Warum keine Wohnungen hier, obwohl alle für Wohnungsbau sind? Fragen an den OB, warum er und die Stadtplanung hier nach einem Baumarkt, der sich als überflüssig erwiesen hat, lieber einen Supermarkt wollen, den viele für genauso überflüssig halten? Gibt’s nicht.

Dann fragt aus dem Publikum CSU-Kandidat Nail Demir nach den Erfahrungen der Kandidaten mit der Stadtverwaltung. „Gut“, sagt Stranninger, „wenig Erfahrung“, sagt Dengler, „würde ich der Verwaltung selber sagen“, sagt Spielbauer. Nur Grundl wird etwas offensiver: ,,Sie beschäftigt sich manchmal zu viel mit den Farben von Schirmen“, und Weinholzner sagt, dass selbstverständlich jeder Beamte für den Bürger telefonisch erreichbar sein muss. Das ist ein Punkt, der auch vertiefenswert wäre.

„Schwach“ hören wir ungern

„Ich bin ein bisserl erstaunt“, sagt gegen Ende eine Zuhörerin, „dass niemand das Thema Servicequalität und Effektivität der Stadtverwaltung erwähnt hat.“ Die Antworten auf Demirs Frage waren ihr offensichtlich zu wenig, und zwar offenbar aufgrund eigener Erfahrung. Denn sie sagt weiter: „Als Bürger ist man da doch manchmal fassungslos. Ich hätte da schon einen Plan erwartet, wie man die Verwaltung eher als Wirtschaftsunternehmen organisieren kann. Bei manchen Abteilungen gibt es doch sehr viel Bedarf, da habe ich mehr erwartet.“ Co-Moderator Johannes Zeindlmeier würgt da gleich ab: „Da müssten wir ja noch einmal von vorn anfangen.“

Nach der Diskussion fragt mich ein junger Mann, wie ich den Abend gefunden hab. „Schwach“, sage ich. Er sagt, „finde ich auch.“ Dann laufe ich Johannes Zeindlmeier über den Weg, und er fragt die gleiche Frage. „Schwach“, sage ich wieder, „das war keine Diskussion, das war - “ Er unterbricht: „Du willst ja nur Trouble.“ Ich verstehe, dass er das sagt. Er war Co-Moderator. Ich höre auch lieber, dass mein letzter Artikel gut war, „schwach“ höre ich ungern.

Zum Schluss deshalb etwas Gutes: Als Sonja Ettengruber die Kandidaten zu ihrer Position zu einer autofreien Innenstadt gefragt hat, war nur Markus Pannermayr nicht für vollkommen autofrei, und es ist zumindest ein Ansatz von Diskussion entstanden über die Frage, ob die Innere Passauer Straße auf Dauer die Busumsteigestelle sein kann. Pannermayr glaubt das eher nicht, und seine Begründung ist nicht von der Hand zu weisen. Wie die Begründung ist, lesen Sie sicher am Montag im Tagblatt.

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