Städtisches Sicherheitsgefühl

Stadtplaner Umberto Pigalotta, OB Markus Pannermayr, Bauherr Johannes Pielmeier, Stadtplanerin Ulrike Janker. Foto: Engel

Ich bin nicht ganz sicher, ob’s gut ist, wenn man für manche Dinge ein Elefantengedächtnis hat. Aber was hilft’s, für manche Dinge hat man halt eins. Am Mittwochabend war im Anstatt-Theater zum zweiten Mal ein Werbeabend der Stadt, um Hausbesitzer am und um den Stadtplatz zu überzeugen, dass eine Sanierungsvereinbarung mit der Stadt eine gute Sache ist. Die erste war im November 2017, und sie war ein ziemliches Desaster. Diesmal? Deutlich besser. Die Verwaltung war wesentlich näher am Publikum. Doch klar wurde auch: Die Innenstadt hat zunehmend ein Problem über Sanierungsthemen hinaus.

„Die Wahrheit ist“, sagt OB Markus Pannermayr zum Start, „Veränderung passiert, ob man will oder nicht.“ Er meint Leerstand, sinkende Mieten, Klimawandel, und dass Sanierungen für Gewerbe und Wohnen in der Innenstadt hilfreich sind. Doch das ist nicht alles. Am Ende des Abends spricht ein Innenstadt-Anlieger noch ein großes Thema an, das immer immer größer wird, und über das noch kaum jemand spricht. Aber der Reihe nach.

Beim ersten Mal waren gut 200 Hausbesitzer da, etliche waren vorzeitig gegangen; vor allem die Denkmalschützer hatten damals die Redezeit so dermaßen krass gesprengt, dass etliche flüchteten. Diesmal war’s besser. Umberto Pigalotta und Ulrike Janker von der Stadtplanung plus Architekt und Bauherr Johannes Pielmeier konnten in 40 Minuten erklären, was damals zwei Stunden gedauert hatte: Eine Sanierungsvereinbarung ist eine gute Sache, man kann sehr viel Fördergelder bekommen. Aber man muss das mit den städtischen Stellen ganz genau vereinbaren und sich exakt daran halten. Das eigentlich Interessante aus meiner Sicht an diesem Abend war etwas anderes: Das Sicherheitsgefühl in der Innenstadt.

Wo sie sich wohlgefühlt hat

Nach den 40 Minuten ist Dialog mit dem Publikum. Irgendwann meldet sich ein Mann aus der Innenstadt: Ob es nicht möglich sei, den Stadtplatz mit Videokameras zu überwachen? „Meine Tochter wohnt da“, sagt er, „und wenn sie am Abend dort unterwegs ist, wird sie regelmäßig angepöbelt.“ Es ist das zweite Mal an diesem Tag, dass ich das höre. Am Vormittag war ich zufällig mit einem Freund verabredet, den ich schon lange nicht mehr gesehen habe. Wir sprechen über Vieles, auch über unsere Töchter. Seine Tochter war vor nicht langer Zeit für ein paar Monate in einer Stadt in Osteuropa.

„Sie hat sich da richtig wohlgefühlt“, erzählt er, und auch, was für sie besonders auffallend war: „Eine Großstadt, ein paar hunderttausend Einwohner, und sie hat sich zu jeder Zeit sicher gefühlt.“ In Straubing, so sagt er, geht sie schon lange nicht mehr am Abend allein vom Stadtplatz zum Hagen. „In Straubing“, sagt er, „ist sie regelmäßig angepöbelt worden. Alleine geht sie am Abend schon lang nicht mehr über den Stadtplatz.“ Würde Videoüberwachung da helfen?

Der OB erklärt, warum das nicht geht. Es beginnt mit dem Datenschutz. Um einen Platz zu überwachen, muss die Lage erst gefährlicher werden. Nur die Volksfestzeit gilt als gefährlich genug. Pannermayr macht klar, dass er selber kein Problem mit Kameras hätte, „wer sich in der Öffentlichkeit gut benimmt, hat ja nichts zu verbergen“, sagt der OB, „aber der Datenschutz sieht das völlig anders.“ Für den Datenschutz muss erst eine besondere Gefährdungslage vorliegen. So weit ist es noch nicht.

Es hat ihr Angst gemacht

Der OB spricht über die Lage an immer mehr Bahnhöfen, an denen die Sicherheitsprobleme immer größer werden, und er spricht von der Schwierigkeit, dem zu begegnen. Es ginge nur über mehr Sicherheitspersonal, und das kostet. „Die Städte“, sagt der OB, „brauchen immer mehr Geld für Dinge, die früher nicht notwendig waren.“ Es ist eine Problembeschreibung, die Beschreibung einer Entwicklung, und sie ist noch nicht zu Ende.

Natürlich ist Straubing vergleichsweise sicher. Aber das Unwohlgefühl steigt. Immer wieder sagt jemand, dass sein Sohn oder Tochter nicht mehr allein unterwegs sind, und ein Vater von zwei jüngeren Kindern hat vor ein paar Tagen erzählt, wie es im Aquatherm im Hallenbad war: Nicht wirklich gefährlich, aber so unangenehm, dass er mit seinen Kindern so schnell nicht wieder hingehen wird. An manchen Tagen im Sommer haben sie im Aquatherm schon Security im Einsatz. Das kostet.

Auf dem Rückweg vom Anstatt-Theater in die Stadt begleiten wir eine Frau. Sie wohnt in der Innenstadt, auf dem Weg spricht sie die Video-Frage des Mannes an. Nach 22 Uhr, sagt sie, geht sie nicht mehr aus dem Haus. Sie ist abends schon bedrängt und bepöbelt worden, nicht weit von da, wo sie wohnt. Es hat ihr Angst gemacht. Ich weiß nicht, wie alt sie ist, aber sicher klar über 60. Es ist nicht gut, wenn man sich im eigenem Wohnumfeld nicht mehr sicher fühlt, ganz unabhängig vom Alter.

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