Spielbauers Auswärtsspiel

Eng am Mann vor vollem Haus: Johannes Spielbauer und Erhard Grundl Foto: Engel

Dieses Streitgespräch war ein interessanter Versuch: Was kostet Profi-Eishockey eine Stadt und was bringt es? Wer hat die besseren Argumente? Der, der sagt, es kostet zu viel? Oder der, der sagt, es bringt noch viel mehr? Rund 50 Zuhörer waren gestern Abend im Steiningers zum Streitgespräch zwischen dem Grünen OB-Kandidaten Erhard Grundl und dem Linke-OB-Kandidaten Johannes Spielbauer, und fast nur Tigers-Fans, für Spielbauer ein klares Auswärtsspiel. Und wer war der Gewinner?

Im Grunde hat keiner die andere Seite überzeugt. Spielbauer sagt, dass die Tigers nur 45 000 Euro Stadionpacht bezahlen, aber 39 000 Euro für städtische Wwrbung zurückbekommen. Grundl rechnet vor, dass die Tigers für Stadion, VIP-Raum und Kioske knapp 100 000 Euro bezahlen und über ihre Fans viel Geld in die Stadt bringen, und er zitiert eine Studie aus Regensburg: „Die Eisbären bringen gut 15 Millionen in die Stadt.“ Die Eisbären sind ein Zweitligaclub. Die Tigers dürften da noch etwas mehr bringen. Soll eine Stadt also unterstützen?

„Die wirtschaftliche Relevanz bestreitet keiner“, sagt Spielbauer, „uns stört die Höhe der Kosten.“ Über zwei Millionen Euro Betriebskosten pro Jahr, verursacht durch teure Technik und Lohnkosten für die Eismeister, so rechnet er. Grundl kontert mit Daten zum Stadion: 15 Stunden täglich genutzt, jeden Tag, sieben Tage pro Woche. Nur 15 Prozent der Zeit hat der Profisport, 85 Prozent gehören Nachwuchs, Amateurclubs aus dem Landkreis, öffentlichem Lauf, Schulen aus Stadt und Landkreis. „Die Kosten“, sagt Grundl, „auch für die Eismeister, wären ohne Profis genauso da.“

Eisstadion, Bildung, Aiterhofen

Spielbauer sagt trotzdem Nein: „Ich bin nicht gegen Eishockey. Aber es ist zu viel Geld von der Stadt.“ Seine Hauptthese ist, dass die Stadt nahezu pleite ist und Geld in das Eisstadion dann bei Kitas und Schulen fehlt: „Wir müssen da jetzt nicht noch einmal 400 000 Euro ausgeben für eine Kabinensanierung.“ Da landet Grundl einen echten Wirkungstreffer. „Wir geben trotz der Haushaltslage 760 000 Euro für eine Schulsanierung in Aiterhofen“, sagt Grundl, „und das trägt die Linke im Stadtrat mit. Wir müssen uns aber um den eigenen Wirkungskreis kümmern, um unsere eigenen Schulen, und Aiterhofen ist nicht unser eigener Wirkungskreis.“ Und er folgert sogar: „Eigentlich ist das rechtlich fragwürdig.“

Sofort kommt aus dem Publikum eine Frage an Spielbauer: „Steht Aiterhofen eigentlich auch vor einer Haushaltssperre wie Straubing? Oder ist das nicht eine der reichsten Gemeinden im Landkreis?“ Spielbauer versucht das Aiterhofener Geld mit der Bedeutung von Bildung zu rechtfertigen. Eine Zuhörerin widerspricht: „Bildung“, sagt sie, „ist nicht nur Schule und Kita, sondern auch Sport.“

Vielleicht ist das der Hauptunterschied zwischen beiden Positionen: Die eine Seite definiert als „Bildung“ nur Schule, Kita und Hochkultur. Die andere sieht, dass Profisport Kinder zum Sport bringen und Teamgeist fördern kann, dass Profisport Menschen zusammenbringt und neben dem wirtschaftlichen Gewinn für Gastro oder Einzelhandel Gemeinsamkeit schafft, eine gemeinsame Basis auch zwischen Doktortitelträgern und Arbeitern, und dass das ein Wert an sich ist.

Bauerndorf, fahrts mit de Gummistiefel auf Berlin!

Rund sechs Millionen Euro haben die Tigers bisher selbst in den Stadionausbau investiert. Sie unterstützen den Nachwuchs des EHC Straubing jährlich mit 285 000 Euro. Sie prägen das Image von Straubing entscheidend, und sie sind letztlich der Grund, warum es ein halbes Dutzend weiterer Hobbyclubs aus Stadt und vor allem dem Landkreis gibt, die das Stadion nutzen und dafür Entgelt bezahlen. Aber der Landkreis, in den gerade 760 000 Euro für eine Schule gegangen sind, beteiligt sich nicht am Stadionunterhalt. Das waren weitere Themen, die aus dem Publikum kamen.

Und dann war da immer wieder der Stolz da, den die Tigers in die Stadt bringen. „In Landshut sind sie seit Jahrzehnten inzwischen neidisch“, sagt einer, „als wir in die DEL sind, hams dort gesagt: ‘A Bauerndorf! Fahrts mit de Gummistiefel auf Berlin! Wo habts denn da eure Bulldog parkt? ‘“ Er sagt: „Der Hauptsport in Straubing ist der Eissport. Das wollen die Leut.“ Aber Spielbauer bleibt bis zum Schluss dabei: „Im nächsten Jahr ist wahrscheinlich Haushaltssperre. Wollen wir uns Kinderbetreuung leisten oder ein Eisstadion?“ Dass auch Städte ohne jeden Profisport Kita- und Schulprobleme haben, ließ er nicht gelten.

„Eigentlich“, sagt Erhard Grundl gegen Ende, „müsste die Linke in Straubing doch für den Profisport sein, so wie die Linke in Dresden auch. Weil das nicht etwas nur für die Oberen ist, sondern für alle Leut.“ Unterm Strich war das kein Heimspiel für Johannes Spielbauer, sondern ein Auswärtsspiel, und die Zuschauer waren dicht dran. Und wer war letztlich der Gewinner? „Nicht wichtig“, sagt Matthias Guth, der Ideengeber zum Denkmal für die Gründerväter des Straubinger Eishockeys, „wichtig war, dass miteinander gesprochen worden ist.“ Und er sagt noch etwas: „Dass der Johannes Spielbauer das gemacht hat, dafür Respekt.“

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Stadtrat: Ein bisserl Nachtarock