Söder in der Top-Aufsteigerstadt

Neujahrsempfänge, besonders in Wahljahren, sind ja zuallererst PR-Instrumente zur Stärkung des Zusammenhalts und des Wohlfühl-Faktors, und je bedeutender der Festredner, desto besser, und manchmal wird’s stellenweise sogar aufschlussreich. Es war CSU-Neujahrsempfang in der Fraunhofer-Halle, und es war durchaus bedeutend: Markus Söder war da, der Ministerpräsident des schönsten Bundeslandes, und er hat – obwohl gar nicht Volksfest war – etwas mitgebracht: Komplimente zuhauf.

„Ich bin ein Fan von Straubing, meine Damen und Herren“, hat Söder gleich am Anfang den 450 geladenen Gästen bekannt gegeben, „tolle Innenstadt, eine großartige Stadt.“ Dann, in vermutlich nur ganz leichter Übertreibung: „Straubing gehört zu den Top-Aufsteigern in Bayern und Deutschland.“ Und dann hat er die wichtigsten Männer der regionalen CSU über den Schellnkini gelobt, wie man das landläufig nennt: Josef Zellmeier, den Haushaltsvorsitzenden im Landtag, Alois Rainer, den Bundeslandwirtschaftsminister, Ewald Seifert, den CSU-Landratskandidaten, und ganz besonders Markus Pannermayr, „einen der besten OB, die wir in ganz Bayern haben.“

Es war diesmal keine eigentliche Rede beim CSU-Neujahrsempfang. Nach seiner Hüft-OP ist eine Rede im Stehen am Rednerpult derzeit noch nichts für Söder. Also war es eine Talkrunde, der OB hat mit dem Ministerpräsidenten ein lockeres Gesprächsformat ausprobiert: Zur Lage des Landes, der Bedeutung der Wirtschaft, den zu hohen Sozialausgaben, dass Bayern den Kommunen in ihrer Finanznot helfen will und dass technologische Projekte der Schlüssel zur Zukunft sind in einem ansonsten rohstoffarmen Land. Diese Stelle war interessant.

„Einer der wichtigsten Forschungsstandorte“

„Acht der zehn größten Forschungsinstitute der Welt sind in China“, führt Söder aus, weshalb Bayern sehr stark auf Forschung setzen muss, und: „Straubing ist einer der wichtigsten Forschungsstandorte in ganz Bayern. Und das setzen wir fort.“ Das ist die Art von Sätzen, die Söder die Sympathie seines Publikums einbringen, neben den Bemerkungen, die die einen sehr launig finden und die anderen doch etwas vorhersehbar. Ein paar Minuten später jedenfalls kommt einem die Stelle mit dem bayernweit wichtigen Forschungsstandort wieder in den Sinn.

Denn Markus Pannermayr kommt auf die Bahn zu sprechen, die einem der wichtigsten Forschungsstandorte in ganz Bayern gerade die ICE-Halte gestrichen hat. Auf diese ICE-Politik hat Söder natürlich keinen Einfluss. Auf den innerbayerischen Bahnverkehr aber wohl doch, weshalb Pannermayr völlig zu Recht darauf hinweist, dass Straubing – das, wie wir wissen, einer der wichtigsten Forschungsstandorte in ganz Bayern ist – nicht einmal eine vernünftige Regionalbahn-Anbindung nach München hat. „Wir brauchen einen strategischen Verbündeten, um das zu verbessern“, sagt deshalb Pannermayr, „es wäre schön, wenn Du das mitnimmst.“

„Mach ich sehr gerne“, sagt Söder, es klingt relativ knapp, und er schweift umgehend ab in die gute alte Zeit, als die Bahn noch nicht der Risikopatient war, der sie heute ist: „Früher“, sagt Söder, „als die Bahn staatlich war, hat sie besser funktioniert.“ Aber er merkt wohl selber, dass das vielleicht nicht ganz ausreichend ist in einer Stadt, von deren Bewohnern wohl schon mindestens jeder Zweite mindestens ein Mal Nachts oder bei miesem Wetter in der Trostlosigkeit des Bahnhofs Neufahrn gestrandet ist; doch im ersten Verbesserungsanlauf gelingt ihm nur eine flapsige Bemerkung, die man aber natürlich auch als launig deuten kann: „Das Einzige, was ich nicht zusagen könnte, wäre eine U-Bahn nach München.“

„Der Christian soll ned alles nach Deggendorf“

Eine U-Bahn nach München fordert in einem der wichtigsten Forschungsstandorte Bayerns aber überhaupt gar niemand. Schon eine bessere Anbindung zumindest an die Bezirkshauptstadt Landshut würde in der deutschlandweiten Top-Aufsteigerstadt einen Jubelsturm auslösen. Nur, da weist Söder die Verantwortung fast schon ein bisserl von sich und zu Bayerns Verkehrsminister Bernreiter: „Der Christian soll ned immer alles nach Deggendorf geben, sondern auch amal nach Straubing.“

War diese Bemerkung nun eher launig oder doch eher vorhersehbar? Die einen sagen so, die anderen so. Der eigentliche Wunsch von Markus Söder ist übrigens, „dass wir unser Land weiter aus der Krise führen”. Aber wer ein ganzes Land „weiter aus der Krise führen” kann, der sollte auch eine krisenfreie regionale Bahnanbindung zwischen einem der wichtigsten Forschungsstandorte in Bayern und der Landes- oder halt wenigstens Bezirkshauptstadt hinbekommen.

So gesehen, war das ein sehr guter Neujahrsempfang der Straubinger CSU, und wenn der Ministerpräsident diese Anbindung hinbekommt, dann war das Geschenkpaket mit Stadtturm-Nudeln, Straubing-Bussi und noch ein paar anderen Schmankerln auch eine sehr gute Sache. “Söder is(s)t in Straubing” war die sehr passende Aufschrift.

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