Das Elend dieser Verbindung
Montagnachmittag, 16:19 Uhr: Auf meinem Handy treffen Whatsapp-Nachrichten ein. Es sind zwei Screenshots. Der erste zeigt eine Stelle aus dem Artikel von Montagfrüh zur Söder-Talkshow am CSU-Neufahrsempfang in der Fraunhoferhalle, der zweite Screenshot zeigt eine Bahn-Information zur Strecke München – Straubing und betrifft den Abschnitt Neufahrn (Niederbay).
„Wenn du wieder den Anschluss in Neufahrn verpasst und genau da deinen Artikel liest…“ ist der Begleittext. Es kommt von einem Straubinger, der mit der Bahn versucht hat, pünktlich von einem Termin zurück nach Straubing zu kommen. Und er schreibt weiter:
„Warum wir zu spät sind, ist im Übrigen wieder völlig unklar. Auch der Zugführer wusste es nicht, nur ein ‚Außerplanmäßiger Halt auf freier Strecke‘.“ Er hat eine Zeitlang gehofft, dass der Anschluss in Neufahrn (Niederbay) vielleicht doch noch erreicht werden könnte. Aber das konnte er nicht, weshalb er auch diesen Screenshot schickt:
Wer mit diesem Zug fahrplanmäßig am Montag nach Straubing wollte, ist in Neufahrn (Niederbay) gestrandet. Das ist oft so. Das ist genau das Problem, das OB Markus Pannermayr 25 Stunden zuvor im Neujahrs-Talk mit Söder angesprochen hat. Und es ist ein Problem, das seit Jahrzehnten besteht, obwohl Straubing doch, wenn man Söder glauben mag, ein solch bayernweit wichtiger Forschungsstandort und deutschlandweit eine Aufsteigerstadt ist. Für eine vernünftige Regionalverbindung in die Landeshauptstadt reicht’s halt leider trotzdem nicht.
„Ist denen“, schreibt unser Bahnfahrer deshalb weiter, „das Elend der Verbindung SR – München komplett bewusst? Also, wie oft der Umstieg gar nicht klappt und man einfach drei Stunden unterwegs ist?“ Das ist eine sehr gute Frage. Ich habe leider darauf keine Antwort. Ich weiß nicht, ob der Politik das Elend der Verbindung SR – München komplett bewusst ist, ich glaube nicht. „Das Gleis wäre ja vorhanden“, schreibt er weiter, er hat Zeit dafür, er ist Bahnfahrer, „der Zug könnte ja einfach von Neufahrn nach München weiterfahren. Eine Verbindung in der Früh und eine mittags. Mehr ned.“
Aber er ist nicht in Neufahrn (Niederbay) geblieben. Der Bahnhof in Neufahrn (Niederbay) ist einer der verlorensten Lost Places des Planeten, zumindest in Bayern, man möchte nicht tot überm Zaun hängen am Bahnhof Neufahrn (Niederbay), und auch für lebende Menschen ist dieser Bahnhof ein Graus, und ganz besonders an dunklen Winterabenden. Er ist weitergefahren bis Regensburg in der Hoffnung, über die Oberpfalz mit nur einer Dreiviertelstunde Verspätung davon- und um 18:10 Uhr anzukommen.
Natürlich: „Umstieg verpasst“ auch in Regensburg
Um 17:47 Uhr trifft erneut eine Whatsapp ein: „Umstieg verpasst. Wird dann 18:36 Uhr“, schreibt unser Bahnfahrer, „hätte somit auch in Neufahrn warten können“, unterm Strich mehr als eine Stunde Verspätung. Das ist die Verbindung zwischen Straubing und München, und sie ist ein immer wiederkehrendes Elend, und die Frage ist: Ist der Politik dieses Elend tatsächlich komplett bewusst?
Wir werden sehen, ob dem Ministerpräsidenten Markus Söder, der ein großer Fan Straubings und ein mächtiger Mann ist, der - wie er selbst betont hat - Alois Rainer zum Bundesminister gemacht hat: ob diesem mächtigen Mann das Problem bewusst ist und er es vielleicht schafft, dass Straubing eine vernünftige Bahnanbindung an München bekommt. Wenn er es schafft, werde ich Markus Söder preisen bis an das Ende seiner Ministerpräsidentschaft und darüber hinaus als einen Mann, der deutlich mehr kann als nur in Neujahrstalkshows zu glänzen.
Doch wir wollen ja stets auch das Positive sehen. Unser Bahnfahrer schreibt außerdem: „Aber so kann ich in Regensburg noch Einkaufen. In Neufahrn wären es nur 50 Minuten in der Kälte gewesen.“ Und dann kommt noch eine Nachricht: „Ankunft 18:46 Uhr“, weil Regensburg - Straubing noch eine Verspätung draufgepackt hat. Aus einer Stunde und 51 Minuten Fahrzeit werden wieder einmal drei Stunden und vier Minuten: Ja, es ist ein Elend, und es kommt, weil es keine durchgehende Verbindung gibt, sondern Umstiege, und jeder Umstieg häuft zusätzlich Verspätungen an: Ist der Politik das komplett bewusst? Was glauben Sie?
