Palmsonntag
…aber als Lamento
Noch ist das Ende nicht da. Aber es ist schon sehr, sehr nah.
Oh Gott! Diese Niederlage!
Rundum nur Tränen, Chaos, Klage!
Sollte im März nicht alles sprießen?
Krokusse aus dem Boden schießen?
Auch Glaube, Hoffnung, Zuversicht?
Warum passiert dies alles nicht?
Ham wir denn gar kein Recht zu siegen?
Müssen wir nur auf die Schnauze kriegen?
Warum wird uns ein Sieg verwehrt,
Der von Rechts wegen uns gehört?
Gibt’s denn da kein Gesetz dagegen?
Ruht auf uns gar kein bisschen Segen?
Will Gott uns denn katholisch machen,
Indem Berliner uns auslachen?
Warum nur will er uns so strafen,
Indem nur Cons und Brandt heut trafen?
Liegt auf uns etwa dieser Fluch
Von Hiob? (Kennen Sie sein Buch?)
Dass ausgerechnet am Palmsonntag
Nicht ich den großen Sieg davon trag,
Sondern Berlin-Friedrichshain:
Mein lieber Gott, das ist gemein!
Oh, Gott! Sind wir der Esel, auf dem die Berliner reiten
Zu ihrem Einzug ins Finale?
Soll’n wir sie etwa wieder nur ein Stück dabei begleiten?
Und zwar bereits zum sechsten Male?
Nein, lieber Gott! Mir fehlt zum Hiob jede Lust!
Gott! Überlege, was du tust!
Und Montagmorgen im Kaffeehaus,
Da schütten’s mir das Kraut dann eh aus:
Dann sagt der sportferne Christian:
„Ich seh doch, irgendetwas pisst di an,
Warns die Löwen? Warns die Tiger?
Wer war denn diesmal zweiter Sieger?“
Lieber Gott, ich bitte Dich:
mach uns nicht völlig lächerlich.
Mach, dass Berlin zum Teufel fährt!
Weil mich die Angst im Nacken stört.
(Und schenk am Dienstag dem Ty Ronning einen miesen Tag.
Weil ich kenn keinen, der den mag.)
