Die Euphorie des Augenblicks
Bitte, ich habe es immer gesagt: Wir werden uns mit dem Balkonthema beschäftigen müssen. Mir war jederzeit klar: Wenn du so auftrittst wie die Tiger gestern Abend gegen dieses Berlin, dann bist du ein Titelkandidat, das hab ich immer gesagt. Ich habe nie Angst gehabt vor Berlin. Und sagen Sie selbst: Ich habe recht gehabt. Was für ein Spiel! Es war so: Großartig!
Hupend sind glückliche Menschen vom Pulverturm heim, heim mit diesem Bruce Sprengsteen-Gefühl, wie es Adrian Klein gegen Veilleux aufs Eis gebracht hat: „No retreat, baby, no surrender!“, ein Hauch von Autokorso hing über der Stadt, das kann aber auch wegen der Baustellen gewesen sein. Aber was zählt, war dieses Gefühl. Es war wie bei Deutschlands Brasilienspiel, das 7:1 bei der WM 2014, so unerwartet von allen, außer von mir. Wir waren überlegen in allen Belangen: Die Schnelligkeit, die Pässe, der Goalie, besser in allen Punkten, in allen Bereichen, auf allen Gebieten, und vor allem auch auf dem Eis. Mir war das klar. Es ist ein schönes Gefühl, wenn man seinen Optimismus bestätigt sieht.
Allerdings war ich nicht der Einzige, der vollkommen angstfrei in diese Serie gegen Berlin gegangen ist in der festen Überzeugung, dass wir es dieses Mal packen werden. Gut, meine Freunde von meinem Mittagsstammtisch, die nicht, die haben Angst gehabt, ungläubige Thomasse alle miteinander, besonders der eine Thomas. Die haben alle bei einer Blitzumfrage am Montag auf bestenfalls zwei Tiger-Siege getippt, denn sie sind Menschen ohne jedes Vertrauen und auch ohne jede Kenntnis, und es bereitet mir Freude, ihr Licht hier unter den Scheffel zu stellen.
„Der Balkon ist fertig!“
Aber ich und der Freund, der mir zum Geburtstag den Aufstieg der Löwen geschenkt hat, uns war beiden klar, dass wir schon im ersten Spiel ein echtes Ausrufezeichen setzen werden: 3:0 nach 117 Sekunden! Fünf verschiedene Torschützen! Zum ersten Mal überhaupt eine Playoff-Führung gegen Berlin! Und auch der Leser Walter Bürger hat noch gestern Abend zu meiner Geschichte von gestern bei Facebook dieses Foto gepostet und dazu geschrieben: „Der Rathausbalkon ist fertig!“
Klein, aber fein und erweiterbar: Unser Rathausbalkonerl
Vielleicht werden Sie sagen, dass das kein Balkon ist, sondern bestenfalls ein Balkonerl mit Platz für höchstens ein Tischtennis-Doppel, und da haben Sie recht. Und wenn Sie mich vor diesem Hintergrund außerdem fragen: „Herr Engel, Sie sind weithin bekannt als ein Mann voll Optimismus und Zuversicht, aber es war nur das erste Spiel von mindestens Vieren. Glauben Sie ernsthaft, das kann noch besser gehen?“, dann antworte ich ehrlich: „Ja, sicher, und zwar schon am Freitag in Berlin!“ Das hab ich übrigens immer gesagt, und das Balkonerlproblem ist auch schon gelöst.
Bereits vor zwei Wochen, nämlich am Dienstag, dem 10. März um 11.13 Uhr, habe ich bei der Stadt angefragt, ob denn im Falle der sich anbahnenden Meisterschaft der Rathausbalkon zur Verfügung stünde. Man stellt solche Anfragen nur, wenn man überzeugt ist, dass sie notwendig sind. Die Antwort aus dem Rathaus war folgende, und sie löst auch das Balkonerl-Problem:
Und auch das Rathaus ist bereit
„Sehr geehrter Herr Engel, für den Fall einer Meisterschaft der Straubing Tigers kann der Rathausbalkon selbstverständlich genutzt werden. Da der Balkon für die komplette Mannschaft mit Betreuerstab allerdings zu klein wäre, könnte sich die Stadt vorstellen, vor dem Balkon ein entsprechendes Podest zu errichten, sodass ausreichend Fläche für die Präsentation der Mannschaft vorhanden wäre. Dies würde im konkreten Fall gemeinsam mit den Straubing Tigers abgestimmt. Der Zugang würde über den Rathaussaal erfolgen.“
Nennen Sie diesen Artikel der Euphorie des Augenblicks geschuldet, unterstellen Sie ruhig, dass der glückhafte Verlauf dieses Spiels mit drei Toren in den ersten beiden Minuten die Sinne trübt und den Blick auf die Wirklichkeit verstellt: Aber von Nix kommt nix, und diese Mannschaft ist gut genug für noch drei Siege gegen Berlin, und außerdem soll man die Feste feiern wie sie fallen.
Und wenn es so läuft, wie ich und mein Löwenfreund ja immer schon prophezeien, sollten wir unbedingt nachdenken über ein Public Viewing zu den Auswärtsspielen ab Halbfinale. Und über Autokorsos bei Heimspielen. Und über eine Erweiterung der Pulverturm-Kapazität. Nur über einen Eintrag ins Goldene Buch müssen wir nicht selber nachdenken. Das hat die Stadt schon getan: „Darüber hinaus ist vorgesehen, dass sich die Mannschaft in diesem Fall auch in das Goldene Buch der Stadt Straubing einträgt. Weitere mögliche Programmpunkte würden im konkreten Fall entsprechend abgestimmt.“
Es wird ein Jahrhundertfrühling, es wird der Frühling des Rathausbalkons. Wir müssen nur alle fest daran glauben, , dann leuchtet das neue Wasserspiel ein ganzes Jahr lang blauweiß.
So war’s im letzten Drittel, und so wird’s auch weitergehen.
