Netto-Demo: Kann die Stadt vermitteln?
Starke Zahl: Zwischen 150 und 200 Teilnehmer. Foto: Engel
Wann ist eine Demo ein Erfolg? Mehr als 150 Menschen - manche schätzten 200 - waren am Mittwochnachmittag bei der Demonstration gegen die Netto-Schließung an der Eichendorffstraße. Zu ihnen allen sagt Seniorenbeirats-Chefin Irene Ilgmeier: „Uns allen ist klar, wir werden das nicht verhindern können. Aber wir können unseren Protest kundgeben.“ Ist das ein Erfolg? Ich glaube: Ja.
Mehr als 150 bei einem Thema, das nur einen Stadtteil betrifft: Gemessen an den etwa 350, die „Wir sind bunt“ kürzlich aus ganz Straubing zusammengebracht hat, ist das sogar sehr viel. Aber warum ist das auch ein Erfolg? Ich glaube, dass der Erfolg darin liegen könnte, dass die Stadt unter dem Eindruck dieser Demo alle ihre Möglichkeiten ausschöpft, um vielleicht doch eine Nachfolgelösung für das Supermarkt-Notstandsgebiet im Süden zu finden. Aber der Reihe nach:
Erst machen Christa Brunner (AWO) und Irene Ilgmeier klar, dass der Eigentümer für den Rauswurf von Netto nicht noch mit einem Ramsch-Laden wie wenige Meter weiter im früheren Edekamarkt belohnt werden darf. Denn ein Rauswurf war’s wohl, wie der Netto-Filialleiter den Demonstranten erklärt: „Wir schließen nicht freiwillig. Der Vermieter hatte Vorstellungen, die für Netto nicht wirtschaftlich sind. Unser Gegenangebot hat er abgelehnt und uns gekündigt.“
Auch auf der Demo: Streitthema Westpark
Dann verspricht Bürgermeister Werner Schäfer: „Ein totaler Ramsch-Laden ist bereits abgelehnt. Das haben wir schon in der Hand.“ Ob das allerdings wirklich so ist, ist fraglich. „Totaler Ramsch-Laden“ ist kein juristischer Begriff, und wenn der Eigentümer an ein Einzelhandelsgeschäft vermieten darf, wird man ihm wohl auch einen Ein-Euro-Shop nicht verwehren können.
Anschließend muss Schäfer die Stadt gegen die Frage einer Demonstrantin verteidigen. „Warum darf in den Westpark jetzt noch ein Supermarkt?“, ist die Frage, sie erhält dafür Applaus. Schäfer sagt, dass die Stadt auf solch privatwirtschaftliche Dinge keinen Einfluss hat und wechselt in den Angriffsverteidigungsmodus: „Eines muss ich schon sagen: Jahrelang war die Forderung der Alburger nach einem Baumarkt.“
Warum er nach der Baumarkt-Pleite jetzt einen Supermarkt für sinnvoll hält, wurde da allerdings nicht ganz klar. Das arbeitet dann Erhard Grundl (Grüne) heraus: „Da muss ich Werner Schäfer widersprechen. Ein Supermarkt dort ist nicht sinnvoll, weil die haben schon fünf. Jetzt machen sie’s nach dem Baumarkt halt mit einem Supermarkt. Es ist klar, dass das Auswirkungen auf die ganze Stadt haben wird.“
Dengler: „Nutzungskonzept mit Nahversorger möglich“
Nach ihm betont Karl Dengler (ÖDP), dass nur die ÖDP und die Grünen damals für Wohnbebauung statt Westpark war und stellt den Zusammenhang zwischen Westpark, Netto Süd und der Stoffel Holding her: „Stoffel hat vor drei Jahren das Netto-Gebäude an einen anderen großen Investor verkauft, und der scheißt sich halt nix.“ Das war ziemlich klar. Wer genau aber dieser Investor ist, ist immer noch unklar. Es soll sich um ein Konsortium mit 79 Mitgliedern handeln.
Interessant ist auch, was Dengler noch anfügt: „Ich würde vom OB erwarten, dass er versucht, zwischen Netto und dem Eigentümer zu vermitteln.“ Das ist vor allem deshalb interessant, weil Maria Stauber (auch ÖDP) und er in einem Nachgespräch zur Demonstration einen Vorschlag machen: Die Stadt könnte ein Nutzungskonzept festlegen, das nur einen wirklichen Nahversorger festlegt. Das ist möglich, glauben Stauber und Dengler. Der Eigentümer wäre so unter Umständen zu einer realistischen Mietpolitik gezwungen.
Falls die Stadt sich wirklich als Vermittler einschaltet und falls es wirklich so sein sollte, dass sie ein Nutzungskonzept mit Nahversorgung als zentralen Punkt machen könnte: Dann hätte diese Demonstration mehr erreicht als vorher für möglich gehalten. Und es muss ja nicht unbedingt Netto sein. Es gibt auch andere Märkte, wie etwa den K&A-Markt am Anger. Dass der neue Eigentümer kein Interesse an einem Nahversorger mehr hat, ist für Dengler nicht nur wegen des Verlusts für Straubing Süd tragisch: „Dieses Supermarktgebäude“, sagt Dengler, „ist das einzige in Straubing, das so gebaut ist wie es sein sollte: Unten Supermarkt, drüber Wohnungen.“
