Glaskugel und Wasserstand

Wenden wir uns wieder den wichtigen Dingen des Lebens zu, spekulieren wir darüber, wie alles sein wird. Ich habe meine Glaskugel befragt. Seit Langem besitze ich sie, und ich bin froh darüber. Denn sie ermöglicht mir einen Blick in die Zukunft, allerdings nur als Wasserstandsmeldung. Und was erhebt sich aus dem Wasser des Innenlebens in meiner Kugel? Es ist: Dr. Albert Solleder!

Sie fragen sich: Was kann das bedeuten? Eigentlich ja nur eines: Albert Solleder ist im Augenblick der Favorit im Kampf um einen Bürgermeisterposten. Es soll, flüstert die Kugel noch außerdem - und sie flüstert verschwörerisch laut - nicht der Posten als dritter Bürgermeister sein, sondern wie bisher der zweite. Dritter soll Peter Stranninger, SPD, werden. Wenn die Kugel nicht irrt, bliebe damit alles beim Alten: Solleder zweiter Bürgermeister, die SPD bekäme wie bisher den dritten, aber der heißt dann Stranninger und nicht mehr Schäfer. Und wie wahrscheinlich ist das?

Für OB Markus Pannermayr muss das doch Charme haben. Solleder und er können persönlich gut miteinander. Wenn der bisherige Vize weitermacht, bliebe dieses Verhältnis intakt. Außerdem lassen sich mögliche Ansprüche der SPD oder anderer denkbarer Koalitionspartner auf den ersten Stellvertreterposten leichter abwehren, wenn man sagen kann, dass der bisherige Inhaber im Amt bleibt. Und: Man muss nicht entscheiden zwischen den nachdrängenden möglichen Interessenten Holger Frischhut, Christian Ritt und Katharina Dilger. Solleder als Vize würde einen möglichen Nachfolge-Streit und damit Ärger gering halten.

Nachteil: Kronprinzenfrage ungelöst

Und dann wäre da noch ein Vorteil, der vielleicht größte: Solleder würde Kontinuität auf einem Bürgermeisterposten bedeuten. Für Pannnermayr muss das allein deshalb schon wichtig sein, weil nach dem Schäfer-Abschied mit Sicherheit schon ein Neuling auf den anderen Bürgermeisterposten kommt. Dazu dann noch ein Neuer? Mit dem Ausscheiden von Maria Stelzl hat Pannermayr vor sechs Jahren erlebt, wie der Wegfall von Erfahrung sich auf eine Verwaltung auswirken kann. Zwei neue Bürgermeister? Das wird er eher ungern riskieren.

Der Nachteil dabei freilich ist, dass die Kronprinzenrolle in der CSU weiterhin offen bleibt. Mit Blick auf die Zeit nach Markus Pannermayr wäre das nicht gut. Solleder wird im Herbst 67, am Ende der Wahlperiode wird er fast 73 sein. Als Nachfolger für Pannnermayr ist das deutlich zu alt. Wer also dann? Es könnte ein Zeichen sein, dass Pannermayr in sechs Jahren noch einmal antritt. Es könnte aber auch bedeuten, dass das Motto „Etz schaung ma erst, dann sehng mas scho“ ist.

Man wird sehen, wie’s kommt. In der CSU und auch bei anderen wird jedenfalls Solleder derzeit am höchsten gehandelt. Neben den bisher gehandelten CSU-Namen Holger Frischhut, Christian Ritt und Katharina Dilger soll übrigens auch Franz Schreyer als möglicher Kandidat im Gespräch sein. Doch Schreyer wird im Sommer 55 und hat als Bezirksrat schon ein ein hervorgehobenes Amt. Damit dürften seine Chancen sowohl gegen Solleder als auch gegen die anderen Kandidaten eher klein sein.

Und schnell noch zum Rathausbau

Und damit lege ich mich fest auf meine ultimative Prognose. Sie ist als Wasserstandsmeldung aus der Glaskugel gültig, und zwar von heute an bis zum Widerruf: Dr. Albert Solleder wird zweiter Bürgermeister bleiben. Peter Stranninger wird dritter Bürgermeister werden. Und Holger Frischhut wird weiter CSU-Fraktionsvorsitzender sein.

Und dann sage ich noch etwas voraus, aber ganz ohne Glaskugel, und zwar, was das Rathaus wirklich kosten wird: Ich ermittle das übrigens auch durch einen Kostenvergleich mit dem neuen Bundeskanzleramt. Das hat man 2018 auf 488 Millionen Euro geschätzt. Das ist exakt das 10,5-Fache der 46 488 979 Millionen der ersten Rathaus-Schätzung vom 19. November 2019. Wie gestern im Tagblatt zu lesen war, steht das Kanzleramt inzwischen bei 777 Millionen. Wenn die Kostensteigerungen bei öffentlichen Bauten sich überall gleich entwickeln, müsste unser Rathaus inzwischen bei exakt 74 Millionen liegen. Das gibt uns die Chance auf eine gute Nachricht:

Im vergangenen Sommer hat der Architekt die Gesamtkosten auf nur 61,6 Millionen Euro geschätzt! Kann schon sein, dass wir teuer bauen. Aber wir bauen immer noch günstiger als die in Berlin. Und was überhaupt nicht in der Glaskugel war: Dass der Netto-Markt im Süden jetzt doch bleibt, weil - wie Karl Dengler, ÖDP, bei der Senioren-Demo vorgeschlagen und das Tagblatt recherchiert hat - der OB zwischen Mieter und Vermieter vermittelt hat. Man glaubt nicht, wie einfach doch manchmal die Dinge sind.

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