Die Fahne kehrt heim!
So stellt Chat GPT sich unser Fahnenfest vor, und es wird auch so ähnlich.
Der kommende Samstag wird ein Feiertag sein, zumindest in Straubing, und wenn nicht ein Feiertag, dann doch eine Feierstunde, und zwar ab kurz vor 11 Uhr: Und einige der besten Blasmusiker Niederbayerns und sogar der Oberpfalz werden dabei sein! Und es wird Freibier geben! Und der OB wird eine den großen Augenblick würdigende Rede halten, aber ich fürchte, ich werde auch etwas sagen. Und jeder, der will, darf dabei sein. Denn Folgendes wird sich ereignen: Die Fahne kehrt heim!
Vielleicht erinnern Sie sich an die Kolumne vom 13. Juni, Bringen wir sie heim! war der Titel. Es ging um jenen ruchlosen Akt vor 38 Jahren, als ein junger Mann mitten in der Nacht und auf dem Theresienplatz auf einen Fahnenmast gekraxelt ist und unsere Stadtfahne stahl! Im Sommer ‘88 war das, und was erschwerend hinzu kommt: Dass er Straubings Fahne gestohlen hat, hat er dann vergessen! Man ist erschüttert, wenn man’s vernimmt, ist es nicht so?
Nun aber die Wendung zum Guten: 38 Jahre später – und wir sind froh, dass es nicht 40 sind, obwohl das irgendwie runder wäre – hat er die Fahne wiederentdeckt, und noch mehr: Von Reue gepackt, ist er bereit, sie uns zurückzugeben, falls er anonym bleiben darf. So wurde es mir von einer Vertrauensperson übermittelt, und so soll es sein:
Weltbeste Blasmusik!
Der Bauhof der Stadt wird zum kommenden Samstag einen Fahnenmast errichten, an exakt der Stelle, von der die Fahne verschwand. Feierlich werden tüchtige Männer die Fahne zum Theresienplatz tragen. Markus Pannermayr wird als Oberbürgermeister der stolzen Herzogstadt Straubing die Fahne entgegennehmen. Gemeinsam wird die Fahne gehisst werden. Und dazu aufspielen wird die Crème de la Créme der ostbayerischen Blasmusik:
Peter Birnthaler wird dabei sein, Chef des Regensburger Fünf-Sterne-Hotels Goliath und Gründungsmitglied der Blaskapelle Josef Menzl. Wolfgang Dersch ist dabei, Kulturamtschef der Stadt Regensburg und einer der vielseitigsten Musiker in ganz Ostbayern. Aus Wörth an der Donau und mit Flügelhorn kommt Markus Schnagl, dazu noch die vom Dackel-Orackel bekannten FraMiNoSi um Norbert Ziegler plus Möpl Jungmayer, dazu eventuell weitere große Namen der Original Gäubodenmusikanten. Zusammengestellt ist diese Kapelle von Ludwig Beck, Chef der Musikschule Dingolfing und schon für Dicht & Ergreifend an der Tuba. Und was werden sie spielen? Unter anderem einen sehr besonderen Marsch: Den Bayerischen Präsentiermarsch!
Wie wir ja alle nicht wussten, ist dieser Marsch vor gut 200 Jahren als Fahnentrupp-Marsch komponiert worden, und zwar von einem gewissen Wilhelm Legrand, „zum feierlichen Bewegen der Truppenfahne“, wie bisher nur Wikipedia und ein paar anderen Insidern bekannt war. Jetzt wissen’s auch wir, und noch mehr:
Farben und Freibier
„Auf dem Gebiet des ehemaligen Königreichs Bayern, also im Freistaat Bayern und in der linksrheinischen Pfalz, wird er bis heute beim Abschreiten einer Ehrenformation der Bundeswehr gespielt. Damit nimmt er eine Sonderstellung ein, da in anderen Bundesländern sonst der Preußische Präsentiermarsch gespielt wird. Diese Abweichung ist offiziell in den Dienstvorschriften der Bundeswehr festgelegt. Historische Grundlage dieser Ausnahme ist die militärische Souveränität Bayerns in Friedenszeiten, die dem Land bei der Reichsgründung 1871 zugestanden wurde.“
Und weil wir grad bildungsbürgerlich unterwegs sind, noch Folgendes: Vor sechs Wochen habe ich die Farben unserer Stadtfahne „Rot-Weiß“ genannt. Das war grundfalsch, wie ich kurz darauf erfuhr. Denn ein Straubinger Stadtführer teilte mir umgehend und schriftlich mit: „Leider ist bei dem Beitrag zum Fahnenklau ein - nicht unwesentlicher - Fehler unterlaufen: Die Stadtfarben sind weiß-rot und nicht umgekehrt. Ein m.E. nicht unwichtiges Kriterium... (siehe auch z.B. weiß-blau…).“ Also halten wir fest: Straubings Farben sind nicht Rot-Weiß. Straubings Farben sind Weiß-Rot. Denn die Farbe, die dem Mast am nächsten ist - oder die oberste ist - wird immer zuerst genannt.
Und ganz zum Schluss noch eine andere wichtige Information: Wie einst Herzog Ernst ist auch unser anonym bleiben wollender Fahnendieb zur Sühne bereit. Es wird keine Kapelle sein, wie einst beim Ernst für die Bernauerin. Es wird pragmatischer sein, nämlich Freibier! Natürlich nicht unbegrenzt, aber doch Einiges. Am kommenden Samstag, Beginn gegen 11 Uhr, direkt vor der Seethaler-Fläche. Und wenn die weltbeste Blasmusik ganz am Schluss noch Gott mit Dir, Du Land der Bayern spielt, werden Sie mich vor Rührung weinen sehen.
Links sind die Schlaufen, die Weiß zum Fahnenmast bringen.
