Ideen hättma ja
Schön wär’s schon, aber teuer: Seilbahn ab Bahnhof. Foto: Engel/ChatGPT
Ein bisserl schade ist, dass gestern das Tagblatt der spektakulärsten Idee im Masterplan Zukunft Innenstadt nur einen einzigen kleinen Satz gewidmet hat: „Einen kräftigen Schuss Science Fiction steuert die Idee bei, eine Seilbahn zu prüfen, die Tierpark, Hagen und Bahnhof verbinden soll.“ Klingt fast, als hielte das Tagblatt das gar nicht für umsetzbar. Aber ist das wirklich nicht umsetzbar? Ich war so frei und habe geprüft. Leider ist das Ergebnis: Das Tagblatt liegt richtig.
Denn es ist so: Ein Kilometer Seilbahn kostet mindestens fünf Millionen Euro. Die Gesamtstrecke wären gute drei Kilometer. Das wären mindestens 15 Millionen Euro, vermutlich sogar weit mehr. Das Geld hat die Stadt nicht. Mit privaten Investoren vielleicht? Public Private Partnership? Eine GmbH? Leider auch schwierig.
Privates Geld fließt tendenziell nur in rentable Projekte. Eine urbane Seilbahn bräuchte täglich an die 5 000 Fahrgäste, um rentabel zu sein. 5 000 Fahrgäste täglich: Das ist in etwa, was der gesamte Straubinger ÖPNV zwischen Alburg und Ittling hat, nicht aber in Unterzeitldorn, denn da führt kein Bus hin. Dass zwischen Tierpark, Hagen und Bahnhof auch nur ansatzweise so viele Fahrgäste wären, glaube ich nicht, und ein Investor wird’s auch nicht glauben.
Leider ein Luftschloss
Solche Zahlen schafft eine kleine Stadt nur, wenn die Seilbahn den Bus komplett ersetzt oder ein topografisches Hindernis überwindet, einen steilen Anstieg etwa mit 52 Prozent wie in Bergamo oder einen Fluss wie in Koblenz. Der Allachbach zwischen Bahnhof und Innenstadt reicht da nicht aus, und die 13 Höhenmeter zwischen Hagen und Innenstadt auch nicht. Und was würden das Cafe Löw und Eiscenter 2 000 sagen, wenn die mögliche Kundschaft einfach über sie hinweg gondelt?
Aber vielleicht stellt sich am Montag im Stadtrat heraus, dass meine Prüfung ein Schmarrn und ein echter Finanzierungsplan da ist. Das wäre gut. Die ganze Seilbahn-Idee ist ja grundsätzlich gut, sie könnte Straubing viel bringen. Nur ist da dieser einzige Punkt, dass eine Seilbahn für Straubing leider ein Luftschloss ist, weil sie sich einfach nicht rechnet. Außerdem bin ich gespannt, wie die übrigen Ideen dieses Masterplans diskutiert werden.
Es ist nämlich auch so, dass dieser aus dem Büro der Dortmunder Beratungsfirma ModulDrei stammendeMasterplan außer der Seilbahn fast nur Ideen präsentiert, die schon lang bekannt sind. Donau besser anbinden über eine Gastronomie, Seitengassen attraktiver machen, Busse raus aus dem Ludwigsplatz, Dechanthof für Kultur, Straubing-App: Das alles hat man in geschätzt 1860 Arbeitskreisen und Workshops in den vergangenen Jahrzehnten ausreichend diskutiert.
Kein Ideenproblem, nur Umsetzungsproblem
Der Verein Erlebnisraum Donau hat vor fast 20 Jahren Vorschläge gemacht, der Verein Freunde Straubings hat Vorschläge gemacht, Hinz hat Vorschläge gemacht und auch Kunz. Jetzt listet ein Masterplan Zukunft Innenstadt der Dortmunder Berater alles noch einmal auf. Zum Ergebnis sagt jemand: „Wir wissen jetzt das, was wir schon immer gewusst haben.“ Dass kaum Neues dabei ist, muss aber nicht schlecht sein. Bisher waren dieses Wissen ja kostenlos da, und wir wissen: Was nix kostet, ist nix wert. Aber jetzt ist es festgeschrieben in einem Masterplan, und der kostet angeblich 65 000 Euro. Wenn jetzt umgesetzt würde, wäre das ein Erfolg für den Masterplan, einfach, weil umgesetzt würde.
Straubing hat keinen Mangel an Ideen. Straubing hat einen Mangel an Umsetzungskraft. Wenn man aber jetzt endlich umsetzt, könnte man gleich auch das umsetzen, was wirklich neu ist im Masterplan, zum Beispiel Mobility Hubs. Mobility Hubs sind Punkte, an denen ÖPNV, Car- und Rad-Sharing mit E-Lade-Infrastruktur und Parken verknüpft sind. Vielleicht kommt das ja, obwohl Car- und Rad-Sharing in Städten wie Straubing nicht die Top-Priorität ist.
Und der Sinn einer Seilbahn, die so realistisch ist wie eine U-Bahn nach Unterzeitldorn? Warum schlagen Berater Dinge vor, die nicht realistisch sind? „Auch im öffentlichen Sektor schlagen Berater regelmäßig Dinge vor, die realistischerweise nicht umsetzbar sind“, sagt dazu Google, und als „Typische Beispiele aus der Praxis“ lesen wir: „Konzepte für futuristische Kulturzentren oder Seilbahnen, die später aus Geldmangel niemals gebaut werden.“ Aber es wirkt halt so visionär zukunftsorientiert, und darum geht’s bei Beratern und Masterplänen, sagt Google. Trotzdem sollte man vielleicht Luftschlösser gar nicht öffentlich vorstellen, weil eh nix draus wird. Am Montag diskutiert der Stadtrat dazu.
