Seilbahn zum Stadtplatz

Das ist die in Bergamo.

Haben Sie gewusst, dass die „Fehlende Verbindung zur Donau“ eine Schwäche von Straubing ist? Unter anderem diese Tatsache hat der „Masterplan Zukunft Innenstadt“ recht klar formuliert, und dazu noch ein paar Dinge, die nicht direkt neu sind, zum Beispiel, dass die Seitengassen irgendwie trostlos sind. Aber geschenkt, ein Masterplan muss das benennen in der Hoffnung, dass das vielleicht angegangen wird. Außerdem hat der Masterplan auch etwas echt Spektakuläres angedacht: Eine Stadtseilbahn!

Mit Ausrufezeichen sollte man vorsichtig sein, aber hey: Eine Stadtseilbahn! Vom Bahnhof zum Stadtplatz, Hagen und Tierpark! Das ist mir ein paar Ausrufezeichen wert. Keine Ahnung, ob und wie das finanzierbar ist, außerdem hab ich leichte Zweifel, ob der Denkmalschutz überhaupt einsteigen mag in eine Seilbahn zum Stadtplatz. Aber als Idee find ich das gut. So etwas ist ein Alleinstellungsmerkmal. Da wärst du als Stadt in ganz Ostbayern Thema. Straubing wäre da eine Reise wert. Für eine Einkaufs- und zukünftige Tourismus-Stadt wäre das sehr gut.

Am Montagnachmittag ist der Masterplan Innenstadt im Hauptausschuss vorgestellt worden. Gemacht hat ihn die Beratungsfirma ModulDrei aus Dortmund, Straubinger Wirtschafts- und Handelsgrößen haben auch mitgewirkt, und am kommenden Montag wird im Stadtrat diskutiert. Das dürfte spannend werden. Und ich mag solche Ideen. Schon vor zwölf Jahren hab ich von einer Rolltreppe vom Hagen zum Stadtplatz geträumt und auch geschrieben. Aber Seilbahn ist noch besser. Es ist spektakulärer. Spektakuläres ist gut, es wäre ein großer Wurf, und Mobilität ist ein großes Zukunftsthema.

„Alternative zum klassischen ÖPNV“

Immerhin bin ich in Bergamo schon mit der Funicolare Città Alta von der Unterstadt in die Oberstadt gegondelt, das war echt prima. In Bergamo gibt es das seit Jahrzehnten, und anderswo auch. Viele Städte denken derzeit über Seilbahnen nach, Stuttgart zum Beispiel. „Ein modernes Mobilitätskonzept soll gute Erreichbarkeit sichern und zugleich die Innenstadt beruhigen“, schreibt deshalb ModulDrei, und speziell zu Straubing: „Geprüft wird eine Seilbahnverbindung vom Bahnhof über Stadtplatz und Donau bis zu wichtigen Zielen wie Volksfest und Tiergarten, als Alternative zum klassischen ÖPNV.“

ModulDrei schlägt außerdem autonom fahrende Kleinbusse vor, vom Bahnhof zum Klinikum, Hagen und Tierpark, und das wäre auch gut. Vermutlich wäre das auch finanziell leichter möglich. Unklar ist nur, bis wann autonome Kleinbusse auf deutsche Straßen dürfen. Aber irgendwann werden sie dürfen, und dann wären wir da. Und dann gibt es auch noch Ideen, die für Straubing neu, aber relativ einfach umsetzbar sind. Ein „Straubinger Filmfest“ zum Beispiel:

„Das ‘Straubinger Filmfest’ verbindet Kino und Stadtraum zu einem identitätsstiftenden Kulturformat“, schreibt ModulDrei, „Open Air-Vorführungen und Formate wie Guerilla-Kino beleben die Innenstadt und schaffen ein niedrigschwelliges Kulturerlebnis.“ Guerilla-Kino? Hab ich sofort gegoogelt: „Guerilla-Kino beschreibt eine unabhängige, subversive Form der Filmvorführung. Dabei werden Filme an unkonventionellen, oft geheimen Orten meist ohne offizielle Genehmigungen oder mit minimalem Budget aufgeführt.“

Bitter nötig: „Charmeoffensive Seitengassen“

Ich wäre gespannt, ob das in Straubing funktioniert, irgendwie bin ich ja auch subversiv. Erhard Grundl und Johannes Spielbauer wären auch sofort dabei, darauf wette ich. Für eine wachsende Studentenstadt ist das sicher eine interessante Idee, und die Idee mit einem Lichterfestival im Winter unterstütze ich auch. In Marburg hab ich schon selber gesehen, was Licht sogar aus Häusern machen kann, die tagsüber kein Mensch beachtet. „Eine moderne Alternative zum klassischen Feuerwerk“, sagt ModulDrei, und das ist richtig.

Auf den kommenden Montag mit der Diskussion im Stadtrat bin ich deshalb wirklich gespannt. Vielleicht fragt ja irgendwer, ob es speziell zu der Seilbahn auch eine Finanzierungsidee gibt und was das überhaupt kostet. Es wäre doch schade, wenn man Unsereinem den Mund wässrig machen würde, nur um dann zu sagen, dass der Koch leider kein Geld zum Einkaufen hat.

Aber wenn das so wäre, könnte man sich ja den anderen Ideen zuwenden, die ModulDrei auch noch einmal extra aufgeschrieben hat. Obwohl es diese Ideen schon lange gibt, aber das macht ja nix: Ein Lokal an der Donau am Adler, Freizeitangebote an der Donau und eine „Charmeoffensive Seitengassen“. Vor allem Letzteres halte ich für bitter nötig, aber leider auch für nahezu unmöglich, weil in zu vielen Gassen zu viele Fenster zugebaut sind. Aber ich habe auch Hoffnung. Dass in die Innenstadt jemals Bäume kommen, hätte ich vor fünf Jahren ja auch noch für unmöglich gehalten. Aber jetzt kommen sie. Seilbahn wär schon schön.

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