Der Stau in der Chamer Straße
Problem seit Jahren: Ein Stau entsteht. Foto: Privat
Es gibt Probleme, die sind unlösbar. Zahnpasta-in-Tube-zurückdrücken zum Beispiel: Geht nicht, probieren Sie’s aus. Oder Bürokratieabbau: Komplett unmöglich, selbst extra engagiertes Personal schafft das nicht. Und Autohaus-Lieferanten in der Chamer Straße dazu bringen, auf dem Firmengelände abzuladen statt auf der Straße: Ernsthaft? Da ist ja Zahnpastazurückdrücken noch leichter. Peter Seubert hat sich bei mir gemeldet, Gemeinderat in Parkstetten, aber die Geschichte ist Straubing.
Am Dienstag war er wieder auf der Chamer Straße unterwegs, stadteinwärts. Das ist er oft, und es war wieder Stau. Der ist da auch oft, und zwar seit Jahrzehnten. Diesmal war auch ein Sanka betroffen, trotz Notsignal. Der Stau hat ihn Zeit gekostet, sagt Seubert, bis Überholen möglich war. Das ist nicht gut. Manchmal muss ein Sanka schnell sein, drum hat er ja Blaulicht und Martinshorn. Staus nerven außerdem jeden, der drin steckt. Staus nerven vor allem dann, wenn man weiß, dass er gar nicht notwendig wäre. Diese Staus wären alle nicht notwendig. Aber was will man machen? Es sind ja alle so machtlos bei diesen Staus.
Die Staus machen die Transporter, die neue Autos zu den vielen Autohäusern hier bringen, zum Bierschneider, Griesbeck, Freitag und Ostermaier, die Chamer Straße ist ja Straubings große Autohaus-Prachtallee. Eigentlich müssten die Transporter auf dem Gelände der jeweiligen Firma abladen. Aber das tun sie nicht. Alle laden auf der Chamer Straße ab, und das dauert. Was macht da der Autofahrer? Überholen? Nicht ganz so einfach. Gegenverkehr ist auf der Chamer Straße leider ja auch. So entsteht Stau. Dann ist oft Stillstand zwischen Hornstorfer Kreisel und Schlossbrücke.
„Wann geliefert wird, wissen wir nicht“
Wollen Sie wissen, warum die Transporter nicht auf das Firmengelände fahren? Warum sie auf der Straße abladen? Ich habe bei Autohäusern nachgefragt, bei Ostermaier, Freitag, Griesbeck. Bierschneider hab ich mir geschenkt. Dort hab ich erst niemand erreicht, und nach den anderen drei hab ich eh gewusst, dass ich dort auch nix anderes hören werde. Weil im Grunde sagen alle das Gleiche, und das ist: Die Transport-Fahrer machen das halt einfach so.
Es sind so viele verschiedene Fahrer, sagen die Autohäuser, und von so vielen verschiedenen Speditionen, und die meisten sprechen kaum Deutsch, weil sie Fahrer aus Osteuropa sind. Und so ist es ja auch. Seit dem Ende der Wehrpflicht gibt es kaum noch deutsche LKW-Fahrer. LKW-Ausbilder war ja immer die Bundeswehr, vielleicht erinnern Sie sich an die Zeit, als ständig diese Bundeswehr-LKW mit dem Fahrschule-Schild durch die Städte gekurvt sind. Jetzt also Fahrer, die kaum Deutsch sprechen und unter Zeitdruck sind. „Und“, höre ich von einem Autohaus, „wann genau eine Lieferung kommt, wissen wir nicht einmal ungefähr. Das kann am Montag sein oder am Dienstag.“
Jeder Paketdienst informiert dich am Handy, wo dein Packerl grad ist. Bei einer Neuwagen-Ladung geht das offenbar nicht: Kein Handy, kein GPS, keine Übersetzungs-App. Wenn die Ladung dann plötzlich da ist, lädt der Fahrer halt ab. Dass er das auf dem Firmengelände tun soll, kann man ihm leider nicht sagen. Man weiß ja leider nicht, wann er kommt, und leider versteht er kaum Deutsch, und leider ist er im Zeitdruck. Die Situation ist damit leider so, dass man leider nix machen kann. Auf zwei der vier Firmengelände ist es außerdem leider so eng, dass kein Wendekreis möglich ist. Da müsste der Fahrer rückwärts wieder raus. Es ist ein einziges Leider. Leider macht es das kompliziert.
Na also! Geht doch!
Wir sehen also, dass man da leider nix machen kann. Ich hab bei der Stadt nachgefragt, ob es da eine Lösung gibt. Aber eine schnelle Antwort war nicht möglich, nicht innerhalb von 24 Stunden, und länger wollte ich nicht warten. Ich bin da wie ein rumänischer LKW-Fahrer, mir pressierts immer. Außerdem kann die Stadt eh nix machen, sonst hätte sie ja schon lang was gemacht. Das Problem gibt’s ja seit Jahren. Abladen auf der Straße ist eigentlich gar nicht zulässig. Aber sie laden halt auf der Straße ab. Es ist nicht zu verhindern. Nicht von der Stadt, nicht von der Polizei, und von den Autohäusern schon gar nicht. Es ist unlösbar.
„Unlösbar?“, sagt Siegfried Janker-Fuchs. Er pendelt jeden Tag geschäftlich zwischen Straubing und Parkstetten, und er ist schwer genervt von den Staus. Mit „unmöglich“ braucht man ihm nicht zu kommen. „Die haben einen Haufen Ausstellungsfläche auf ihrem Gelände“, sagt er, „dann müssens halt Platz machen. Und wenn ich eine Firma hab und kann nicht Be- und Entladen, dann ist da ein Planungsfehler.“ Dass Autohäuser nicht wissen, wann ein Transporter kommt und keinen Einfluss auf den Ablade-Ort haben, hält er für eine Ausrede.
Notfalls, findet er, muss halt anderswo entladen und von dort ins Autohaus gebracht werden, mit rotem Nummernschild. Er ist der Meinung, dass doch nicht sein kann, dass allgemeingültige Be- und Entladeregeln nicht durchgesetzt werden, nur weil Autohäuser sagen, dass es nicht anders geht. Einen Tag nach meinem Anruf in einem Autohaus ruft mich übrigens Peter Seubert an. „Grad bin ich beim Ostermaier vorbeigefahren“, sagt er, „und ich seh, wie ein Transporter rückwärts aufs Firmengelände fährt. Weil einer von der Firma ihn eingewiesen hat.“ Na also, geht doch, mit etwas Goodwill, und was einmal geht, müsste doch jedes Mal gehen. Vielleicht ist das doch nicht so schwer wie In-Tuben-zurückdrücken.
Donnerstagvormittag gegen halb Elf, rückwärts aufs Firmengelände: Schön, dass es doch geht. Foto: Privat
