Der Masterplan

Die entscheidende Frage von Moduldrei an der Wand des Sitzungsraums. Foto: Engel

Gestern hat der Stadtrat den „Masterplan Zukunft Innenstadt“ abgesegnet. Die zwei Koalitionsparteien CSU und SPD haben fast begeistert gewirkt, und ein mehr oder weniger stiller Beobachter wie ich kann das auch verstehen. Ich finde, das war ja alles schon richtig, was die Kommunikationsmanagerin und Strategieberaterin Charlotte Schulze Tenkhoff vom Dortmunder Beratungsunternehmen Moduldrei gesagt hat. Aber das Vernünftigste, finde zumindest ich, hat Feride Niedermeier gesagt.

„Nach dem Vortrag heute“, hat die Grünen-Chefin gesagt, „stell ich mir die Frage: Was bringt uns der Masterplan zusätzlich?“ Das trifft den Nagel genau auf den Kopf. Weil es ja so ist, dass dieser Masterplan einen ganzen Haufen Ideen zusammenfasst, die zum Teil schon seit Jahrzehnten durch diese Stadt wabern: Donau einbinden, Busse raus aus dem Zentrum, Seitengassen verbessern. Oder Dinge, die eh schon in der Umsetzung sind: Mehr Grün. Mehr Bäume. Mehr Aufenthaltsqualität.

„Die Innenstadt braucht vor allem kompetente Umsetzung“, hat Niedermeier bilanziert, und: „Nicht die Ideen fehlen uns, sondern eventuell das Geld für die Umsetzung.“ Das ist der Punkt. Aber trotzdem – oder vielleicht genau deswegen – war es gut, dass der Stadtrat diesem Masterplan zugestimmt hat, und auch mit den Stimmen der Grünen. Es ist jetzt ein höherer Druck da als vorher. Jetzt geht es tatsächlich und endlich um das Ins-Machen-Kommen. Und deshalb war das wichtigste Bild, das Schulze Tenkhoff an die Wand geworfen hat, eine Frage: „Was machen wir jetzt daraus?“

Man muss halt machen

Denn mit diesem Masterplan ist jetzt einen Messlatte da: Wird an der Donau nach jahrzehntelangem Gerede jetzt endlich etwas passieren? Das wäre gut. Wird’s für die Busse nach jahrzehntelangem Keine-andere-Lösung-finden endlich eine andere Lösung geben? Das wäre auch gut. Und wird umgesetzt, was Moduldrei an eigenen Vorschlägen bringt? Filmfest? Tourbuchungs-Möglichkeiten in der Tourist Information? Wohnmobil-Stellplatz? Solche Sachen halt, die wären auch gut. Man muss jetzt halt umsetzen. Wenn man das tut, ist der Masterplan gut.

Interessant übrigens war, dass weder die Moduldrei-Frau noch sonst irgendwer das Wort „Seilbahn“ benutzt hat. Auf einer Karte an der Wand zum Thema Mobilität war das Wort noch, aber das hat jeder ignoriert. Jedem war klar, dass das eine Schnapsidee war, mit der Moduldrei wahrscheinlich bloß irgendwie visionär dastehen hat wollen, weil man in Dortmund vielleicht glaubt, dass Traumtänzereien und Schnapsideen in Niederbayern noch imponieren.

Die „Charme-Offensive“ dagegen ist in den Mund genommen worden. Mit „Charme-Offensive“ bezeichnet Moduldrei die Notwendigkeit, Straubings tote Seitengassen wieder zu beleben, „mit Themen wie Genuss-, Kreativ- oder Handwerksgasse.“ Dabei ist an Aktionen wie Fahnenschmuck zum Volksfest und andere zeitweiligen Aktionen gedacht. Nur: das wird bei weitem nicht reichen. Denn hier ist ein Grundsatzproblem.

…und damit zur Stadtheimatpflege

Die Jakobsgasse funktioniert. Sie ist historisch weitgehend intakt. Das macht sie schön. Problemgassen von der Burg- über Albrechts- bis zur Bernauergasse sind tot, weil Hausbesitzer die Häuser dort komplett verunstaltet haben: Fenster vermauert, alles Runde eckig gemacht, kaum Farbe. Fahren Sie nach Landshut oder nach Passau, gehen Sie dort durch die Gassen. Sie sehen historische Schönheit. In Straubing sehen Sie viel zu oft 60er- bis 80er-Jahre-Fassaden, unhistorisch, zerstört. Da wird keine Fahne helfen und auch keine Flohmarkt-Aktion. Da müsste der Hausbesitzer schon mit viel Geld in die Historie zurück. Ohne das wird das nix mit Charme-Offensive. Damit zur Stadtheimatpflege:

Ohne Fenster, ohne Licht, ohne Bewohner: Da hat’s die Charme-Offensive schwer. Foto: Engel

Gestern ist Dorit-Maria Krenn vom Stadtrat zur Stadtheimatpflegerin bestellt worden. Zuvor hat der Kulturausschuss sie empfohlen, dann war’s im Hauptausschuss, und weil das öffentlich war, war das auch schon in der Zeitung. Das ist insofern in Ordnung, als sie als Historikerin und pensionierte Stadtarchivarin viel von der Sache versteht. Und trotzdem ist das dumm gelaufen. Sie war ja nicht die einzige Bewerberin. Mindestens noch ein Bewerber war da: Robert Graf, der vielleicht beste Kenner der Straubinger Häusergeschichte, nur leider nicht so gut vernetzt und kein Akademiker. Dass er es nicht wird, hat er aus der Zeitung erfahren.

„Das war nicht beabsichtigt“, hat OB Markus Pannermayr gestern gesagt, „und das haben wir auch selbst bemerkt.“ Aber ganz so war’s nicht. Die Verwaltung hat das nicht selbst bemerkt. Die Verwaltung hat Graf mitgeteilt, sie werde noch einmal auf ihn zukommen, und zwar vor dem Entscheid. Aber das ist sie nicht. Genauere Infos wurden nicht eingeholt. Eine Chance zur persönlichen Präsentation? Nein. Und ihren Fehler hat die Verwaltung erst selbst bemerkt, als Graf vergangenen Donnerstag nachgefragt hat, warum die Entscheidung schon in der Presse war und der Bewerber offiziell noch gar nix weiß.

Weiter
Weiter

Die Fahne kehrt heim!