Alles gut?

Von der Verwaltung im Bauausschuss gezeigt: So soll er werden.

Gut, Türmchen-wieder-aufs-Rathaus-Setzen mit Zeitkapsel-Einbau war spektakulärer. Aber „Umstrukturierung im Gäubodenpark“ im Bauausschuss war politisch heißer. Dass der Chef des Hamburger Gäubodenpark-Eigners Modulus, Carl-Christoph Pieper, für diese Sitzung aus dem Urlaub nach Straubing gekommen ist, sagt viel. Und dass gleich zwei Vertreter vom konkurrierenden Westpark-Eigner Stoffel als Beobachter da waren, auch. Und wie war die Sitzung?

Vordergründig ein Erfolg für Modulus: Alles passt, sagt die Stadt und empfiehlt dem Ausschuss, dass er zustimmt. Das tut der Ausschuss, und zwar einstimmig. Dass Gebäude und Verkaufsflächen neu angeordnet werden, passt auch. Also alles prima? Gäubodenpark mit guter Zukunft? Nicht ganz.

Modulus hat seine Verkaufsfläche für Discounter, Bio- und Lebensmittelmarkt klar reduziert. Das ist ein Entgegenkommen. Das wird aber nichts nützen, wenn die Stoffel/Rewe-Konkurrenz im Westpark ihre Verkaufsfläche nicht auch reduziert. Danach sieht es aber nicht aus. Stoffel ist auf wiederholte öffentliche Gesprächsangebote von Modulus bisher nicht eingegangen.

Hände in Unschuld waschen

Das bringt Modulus und Edeka in eine schwierige Situation, und übrigens Kaufland auch. Ohne das Baumarkt-Aus im Westpark hätte die Stadt jedem ernsthaften Gäubodenpark-Investor den roten Teppich ausgerollt und „Hosianna!“ gerufen, „Hosianna!“ heißt übrigens „Rette mich!“. Dummerweise war dann aber das Baumarkt-Aus, und jetzt geht’s um Stoffel, und der will einen Rewe als Baumarkt-Ersatz, 2 800 Quadratmeter Verkaufsfläche. Das kann Edeka zum Ausstieg aus dem Projekt Gäubodenpark bringen, und das könnte der endgültige Killer für den Gäubodenpark sein genau zu dem Zeitpunkt, an dem der Park endlich einen ernsthaften Investor hat.

Wenn das passiert, wäre zentrumsnah eine riesige Brache. Auch Kaufland hätte wohl kaum einen Markt im Westen gebaut, hätte es geahnt, dass die Stadt alle ihre Gutachten über den Haufen wirft und einen riesigen Rewe im Westpark zulässt. Dazu kommt: Die Absichtserklärung von Rewe, dass ihr kleinerer Rewe im Theresiencenter auch bei einem großen Westpark-Rewe bleibt, ist kaum glaubhaft, solche Zusicherungen werden gemacht und gebrochen. Aber: Würde Rewe im Westpark reduzieren, hätte der Center-Rewe eine bessere Überlebenschance. Nur: Bisher gibt es keine Hinweise darauf, dass Stoffel oder Rewe kompromissbereit sind. Warum auch? Sie haben einen Zeitvorsprung.

Es zeichnet sich ab: Die Stadt genehmigt die Gäubodenpark-Pläne, und sie genehmigt die Westparkpläne. Wer sich dann durchsetzt, will die Stadt dem Markt überlassen und mit einem Achselzucken auf den freien Wettbewerb verweisen. Eine solche Haltung ist ungut. Denn sie bedeutet: Investorenwünsche werden erfüllt, und was daraus wird, regelt der Markt, und wenn’s schiefgeht, wäscht man seine Hände in Unschuld. So war das beim Erfüllen des Stoffel-Wunsches nach einem Baumarkt, den der Markt wenige Jahre später geregelt hat. Die Folge? Ein neues Problem.

Argument mit Verfallsdatum

Die Stadt muss Rahmen setzen. Das muss sie, selbst wenn ein heimischer Investor dann zornig ist. Sie muss für die Gesamtstadt das Beste wollen. Das kann im Wettstreit zwischen Gäubodenpark und Westpark nur der Gäubodenpark sein. Die Bedeutung des Gäubodenparks betonen alle Gutachten, die nicht von Stoffel beauftragt sind. Da hilft es auch nicht, wenn der Baureferent sagt, man müsse sich nicht „stoisch und sklavisch“ an Gutachten halten. Weil Menschen wie ich dann nämlich sagen: Wenn ihr euch nicht dran halten wollt, dann gebt kein Geld dafür aus.

Geradezu verzweifelt klingt übrigens das Argument der Westpark-Befürworter, ohne Rewe im Westpark werde es dort keinen Intersport-Standort des Straubinger Familienunternehmens Erdl geben. „Stoffel rettet mit dem Westpark ein Straubinger Familienunternehmen“, ist da die Botschaft, aber ich glaube, es ist genau umgekehrt: Erdl wird von Stoffel benutzt, um den Westpark durchzubringen.

Meine Prognose ist nämlich: Erdl wird nicht mehr lang ein Straubinger Familienunternehmen sein. Es gibt keinen Nachfolger aus der Familie, aber es gibt die Intersport Akademie. Die hat ein Ausbildungsprogramm für Führungskräfte mit dem Ziel, Familienunternehmen ohne Nachfolger für Intersport zu übernehmen. Das „Straubinger Familienunternehmen“-Argument gilt vielleicht noch fünf Jahre. Es wird nur deshalb gebracht, um Rewe im Westpark für Stoffel durchzusetzen. Und deshalb zum Schluss: Stoffel und Rewe sollten kompromissbereit werden. Vielleicht nutzt das allen.

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