Nawaro-Streit: Das Interview
Walter Sennebogen, Herbert Wittl, Rupert Hafner (v. l.) Foto: Engel
Kommenden Freitag entscheidet der Stadtwerke-Aufsichtsrat: Darf der Volleyballclub Nawaro im Aquatherm auf eigene Kosten vier Plätze für Beachvolleyball bauen? Das Thema ist emotional aufgeladen: Shitstorm, Internetpetition, Leserbriefe. Der Grund: Tagblatt-Berichte, die einen schon zu den Akten gelegten Plan ins Zentrum rücken. Bei engel-sr.de kommen jetzt die Vertreter von Nawaro zu Wort. Ein Interview mit Gesellschafter Walter Sennebogen, Geschäftsführer Herbert Wittl und Sportchef Rupert Hafner:
Start für den Shitstorm war ein Tagblatt-Artikel am 1. April mit einer Grafik, auf der ein Großteil der Liegewiese zu Beachvolleyball-Plätzen wurde. Man sieht die Grafik und denkt: Irre. Dieser Plan hat Nawaro im Oktober zu einem Treffen mit Stadtspitze, Stadtwerken und Aquatherm mitgebracht. Warum?
Walter Sennebogen: Das war einer von vier Entwürfen, den wir zu einer internen Besprechung bei der Stadt mitgebracht haben. Dabei ist erstmalig über das Thema gesprochen worden. Dieser erste Entwurf war überhaupt nicht für die öffentliche Diskussion gedacht. Das war auch nicht der Entwurf, den wir präferiert haben. Und zu dem Zeitpunkt, als dieser Artikel rausgekommen ist, war bereits bekannt, dass dieser Entwurf nicht zur Umsetzung ansteht.
Ab wann waren denn Stadtwerke und Aquatherm informiert, dass es um diesen Plan gar nicht geht?
Rupert Hafner: Am 25. März sind wir zu einem Ortstermin ins Aquatherm. Da war dieser große erste Plan auf der Wiese ausgesteckt. Da war dem Aquatherm aber schon lange bekannt, dass wir Alternativpläne haben. Aber dieser große Plan war trotzdem abgesteckt.
Wie haben Sie darauf reagiert?
Sennebogen: Wir haben gesagt, ‚das stimmt gar nicht‘, und da war auch der OB dabei. Wir haben den neuen Plan gehabt und gesagt: ‘Schauts her, im neuen Plan ist das ja deutlich weiter hinten, und auch das kann man noch optimieren.‘
Wittl: Wir sind dann auch alle miteinander, mit OB und Baureferent Vetter-Gindele, auch mit Leuten vom Aquatherm, an die Punkte hingegangen und haben an den Bäumen gezeigt, wo die Felder sein sollen. Zwölf Leute waren insgesamt da. Allen war das präsent. Es war allen ganz klar, dass das, was da abgesteckt ist, mit Sicherheit nicht realisiert wird.
Hafner: Man muss auch dazu sagen, dass weiter hinten ein Baum steht, der krank ist und eh gefällt wird. Und das Areal kann man noch dazu nehmen.
„Schade, dass man versucht, das kaputtzumachen“
Trotzdem hat das Tagblatt später den ersten Plan ins Zentrum gerückt und geschrieben: „In dieser Größe stellt sich der Volleyballverein die Felder vor.“ In dem Artikel, Herr Wittl, sind auch Sie zitiert. Das Tagblatt hat also vorher mit Ihnen gesprochen. Haben Sie dabei nicht klargemacht, dass diese Größe schon lange vom Tisch ist?
„Es wäre positiv für das Aquatherm“
Wittl: Ich hab den Artikel heute noch einmal durchgelesen, und ich bin da richtig zitiert. Da ist nichts drin, was ich nicht gesagt hätte. Was aber von ihm (dem Journalisten, Anm. d. Red.) nicht gesagt wurde: Dass ihm ein Plan vorliegt. Da ist nichts gesagt worden.
Sie haben nicht gewusst, dass er diesen Plan hat, der zu diesem Zeitpunkt schon überholt war? Aber er hat ihn gehabt? Und er hat Sie nicht darauf angesprochen?
Wittl: Er hat mich nicht darauf angesprochen. Und ich bin davon ausgegangen, dass dieser Plan überhaupt nicht kursieren kann.
Welche Rolle spielt das Tagblatt in dieser Geschichte aus Ihrer Sicht?
Wittl: Ich sag dazu nichts. Wir brauchen eine positive Berichterstattung über Volleyball.
Sennebogen: Es ist schade, dass man diese Initiativen, die Straubing weiterbringen und einen Mehrwert für das Aquatherm haben, dass man so eine Initiative schon im Vorfeld versucht kaputtzumachen.
Sie sagen „Mehrwert“. Was ist der Mehrwert?
Sennebogen: Das ist attraktiv auch für die im Bad, die nicht Volleyball spielen. Da ist Leben drin, das bringt zusätzliche Einnahmen.
Und wenn Sie sagen „man versucht, das kaputtzumachen“: Wer ist „man“?
„Verhinderungsmentalität bringt nicht weiter“
Sennebogen. Das weiß ich nicht. Wir wissen nicht, vom wem das lanciert wird. Aber es gibt offenbar Kräfte, die das torpedieren wollen, weil sie gegenüber Neuem negativ eingestellt sind. Ich habe jetzt viel mit Leuten gesprochen, die regelmäßig ins Freibad gehen.
Die sagen alle, die Leute liegen ja eh weiter vorne, näher am Bad, weil der Weg zum Wasser kürzer ist, auch zur Aufsicht der Kinder, und dass dieser hintere Teil praktisch nie belegt ist. Aber es gibt diese Mentalität, zu verhindern. Das ist schade, weil wir mit dieser Mentalität nicht weiterkommen.
Wittl: Ich möchte da etwas ergänzen. Ich habe kürzlich mit dem OB gesprochen, der ja auch Vorsitzender des Bayerischen Städtetags ist. Er sagt, viele Vorschläge, die Kommunen weiterbringen können, werden von manchen Gruppen sofort torpediert, einfach, weil man dagegen ist. Das ist doch etwas Positives für das Aquatherm: Sportliche Möglichkeiten, Schulen, die das benutzen können, Bekanntheit für die Sportstadt Straubing. Aber Änderungen werden gern torpediert.
Von wie vielen Quadratmetern reden wir denn? Wir haben ein bestehendes Volleyballfeld, wir haben den Beachsoccer-Platz, und beides soll überplant werden. Wie viele Quadratmeter kommen also neu dazu?
Wittl: Wir haben präzise ausgerechnet. Es sollen 923 Quadratmeter zusätzlich beansprucht werden von - inklusive Baumbestand - 12 200 Quadratmetern. Es geht also nicht um Beachvolleyball gegen Liegewiese, weil die Liegewiese ja praktisch nie voll ist.
In Landshut gibt es im Bad vier Volleyballfelder. Die betreut und pflegt ein Verein. Bis 17 Uhr sind alle vier Felder frei bespielbar, ab 17 Uhr trainiert der Verein. Wie wäre das in Straubing?
„Ein Feld für Badegäste wäre immer frei“
Hafner: Da wäre das ähnlich: Tagsüber sind unsere Nachwuchsspieler ja in der Schule. Schulen haben in der Regel einen Platz und 20 Kinder, wie soll das funktionieren. Wir hätten dann genügend Plätze.
Unser Training startet ab 16 Uhr, aber es wäre immer ein Feld frei für Badegäste. Und ich bin absolut sicher, dass immer Leute nach hinten kommen würden, einfach zum Zuschauen. Weil das ja schön ist, da zuzuschauen. Da wird es auch eine Naturtribüne aus dem Erdaushub der Felder geben, ideal zum Sitzen oder Liegen und Zuschauen.
„ …dann beeinflusst das in eine Richtung“
Nun war aber dieser Plan in der Zeitung, und in einem Folgeartikel war wieder das Foto von der abgesteckten Liegewiese, obwohl da nun wirklich schon klar war, dass das nicht der Plan ist. Das war eine sehr große Emotionalisierung, ohne wichtige Fakten und das ist jetzt aber drin in den Köpfen. Viele sagen, dieses Projekt ist damit zerschossen, der Stadtwerke-Aufsichtsrat wird dagegen entscheiden. Ist das so?
Wittl: Ich habe an die Aufsichtsräte jetzt einen Brief rausgeschickt. Da sind die Fakten genannt: Die Quadratmeter, das Ziel, die Finanzierung. Das ist jetzt der Versuch, das sachlich darzustellen. Wie die Entscheidung dann fallen wird, ist, glaube ich, noch völlig offen.
Der Aufsichtsrat muss jetzt damit rechnen, dass wieder ein Shitstorm auf ihn zukommt, wenn er zustimmt; eben weil das Thema emotional so negativ aufgeladen worden ist und das Straubinger Tagblatt sich als Meinungsmacher dagegen positioniert hat. Fass ich das richtig zusammen?
Wittl: Das ist eine Möglichkeit. Natürlich, wenn eine Berichterstattung vielleicht tendenziös und nicht ganz objektiv ist und die Felderanordnung nicht richtig darstellt, dann beeinflusst das in eine Richtung.
Sennebogen: Es ist immer eine Frage der Darstellung: „Sind Sie der Meinung, dass die Liegewiese durch Volleyball belegt werden soll?“ Da bekomme ich eine völlig andere Antwort als wenn ich sage: „Wir reden hier über gut 900 von über 12 000 Quadratmetern, die auch von der Öffentlichkeit genutzt werden können.“ Es wurde in diesem Artikel nicht ein positives Argument gebracht. Hier wird manipuliert, um eine Meinung durchzusetzen. Wenn dieses Projekt tatsächlich abgelehnt wird, dann ist das wieder etwas, das dafür sorgt, dass sich Straubing nicht weiterentwickelt. Wir haben schon einige solche Themen gehabt, der Fischstand war eines davon. Man ist erst einmal dagegen, statt zu überlegen, wie man das optimal umsetzen kann. Es muss doch in die Richtung gehen, wie ich in Straubing etwas vorwärts bringen kann, und nicht, wie ich etwas verhindern kann.
Am kommenden Freitag entscheidet der Aufsichtsrat der Stadtwerke. Was ist Ihr Gefühl?
Sennebogen: Entweder die Politiker im Aufsichtsrat erkennen, welche Chance sich hier bietet, oder wir sparen uns eine Arbeit.
Letzte Frage: Das Thema war riesig in der Zeitung. Die erste Grafik hat die Stadt emotionalisiert und auch polarisiert. Es ist ein umstrittenes Thema. Sind Aufsichtsräte schon von selbst auf Sie zugekommen, um Ihre Sicht anzuhören? Hat jemand gefragt: Was ist da los, was plant ihr genau?
Sennebogen: Nein.
Hafner: Es hat sich keiner bei uns gemeldet.
Wittl: Ich habe jetzt angeboten, vor der Sitzung in eine Diskussion mit uns zu gehen.
Vielen Dank für das Gespräch!
Plan alt, Plan echt. Grafiken: Nawaro
