Nutzts nix, schods nix

Das hier nutzt wirklich. Foto: Engel

Ich könnte über die Diskussion im Stadtrat zum Pride-Month schreiben, und dass die meisten der Meinung waren, dass die Stadt mitmachen soll, weil es ein wichtiges Zeichen für die Anerkennung der Vielfalt in unserer Stadtgesellschaft ist, und dass andere finden, dass im Grundgesetz eh steht, dass niemand diskriminiert werden darf. Oder über den Antrag, dass auch Straubing für ein Verbot von Atomwaffen sein soll; aber da war ich schon weg, ich bin ein Rosinenpicker. Mich hat die Dandl-Unterführung interessiert.

Zu der hat nämlich der Baureferent Oliver Vetter-Gindele eine Grafik an die Wand geworfen und gesagt, dass die Unterführung genau 6,5 Meter breit wird. Da hab ich gegrinst. Vielleicht erinnern Sie sich: Ende April war in einer Facebook-Gruppe Aufregung, ob da auch Autos durchfahren können. Weil auf dem Bauschild nur „Bau eines Geh- und Radwegs“ steht. Damals hat das Irritation ausgelöst.

Auf Geh- und Radwegen dürfen Autos nicht fahren. „Aber das wäre doch ungeschickt“, haben viele Leute damals gesagt. Ich aber habe mich aufgemacht und die Lage vor Ort ausgeforscht, und ich habe die Breite mit meiner Schrittlänge ausgemessen, und es waren 9,5 Schritte, und ich habe sie umgerechnet ins metrische System und bin auf 6,5 Meter gekommen. Es war eine Punktlandung.

Es wird eine Fahrradstraße!

Es war exakt das Ergebnis, das Vetter-Gindele gestern verkündet hat, und meine Folgerung schon damals war: Niemand baut einen 6,5 Meter breiten Geh- und Radweg nur für Geher und Radler. Wer 6,5 Meter breit baut, lässt auch Autos dort fahren. Was soll ich sagen? Genau so ist es. Diese Erkenntnis hat mich damals aber saubere Schuhe gekostet.

Dummerweise bin ich in ein graues Staubfeld getreten und knöcheltief drin versunken. Dieser Staub wird zum Bau von Geh- und Radwegen sowie Unterführungen benötigt und heißt Steinmehl. Es ist nicht angenehm, wenn man in Steinmehl versinkt. Aber im Streben nach Erkenntnis muss man Opfer bringen, außerdem gibt es Schuhbürsten. Und nun, acht Wochen nach meinem Tritt in dieses Steinmehl, hat Oliver Vetter-Gindele meine Erkenntnis offiziell bestätigt:

„Die Unterführung wird eine Fahrradstraße“, hat er im Stadtrat gesagt, „6,50 Meter insgesamt breit, PKW können durchfahren, aber Fahrräder haben Vorrang.“ Das ist doch wunderbar. Autos dürfen dort fahren, von der Regensburger Straße ins Kaufland oder den Westpark und wieder zurück. Dafür hat sich mein Fehltritt ins Steinmehl rentiert. Und weil noch Platz übrig ist in dieser Kolumne, habe ich doch versucht, nach Verlassen der Sitzung noch ein weiteres Ergebnis zu ermitteln. Nämlich zu der Frage, ob die Stadt Straubing sich einem internationalen Appell für ein Verbot von Atomwaffen anschließen soll.

„Hat sich erledigt“

Das hat Linken-Chef Johannes Spielbauer beantragt, und ich finde, dass hier ein Satz gilt: „Nutzts nix, schods nix.“ Kann man machen, aber ob’s hilft? Tief in unseren Herzen wissen wir ja, dass dem Herrn Putin es wurscht ist, was deutsche und internationale Städte zu Atomwaffen sagen, und der hat von den Atomwaffen die meisten. Der Mann mit den zweitmeisten heißt Trump, und dem ist das auch wurscht. Herrn Xi auch, dem Herrn Kim sowieso, den Briten, Franzosen, Indern, Pakistani und Israeli vermutlich auch.

Deshalb zum Schluss noch eine verwegener Gedanke: Wer gegen Atomwaffen ist, müsste doch eigentlich jeden unterstützen, der weitere Staaten von der Bombe abhalten will. Ist es da zu weit hergeholt, wenn ich vermute: Vielleicht ist dieser Antrag eine verkappte Unterstützung für Donald Trump? Der versucht derzeit ja auf allerlei Weise, den Iran vom Atombombenbau fernzuhalten, nur will’s nicht gelingen. Ist dieser Antrag vielleicht der Versuch, ihn zu unterstützen, weil er’s alleine nicht kann?

Im Stadtrat haben jedenfalls alle dem „Nutzts nix, schods nix“-Prinzip zustimmen können, von der AfD bis zur Linken, weil alle gegen Atombomben sind, ich übrigens auch. Vielleicht imponiert das den Mullahs. Kommunalpolitik ist eine schwierige Sache, außer es geht um Dinge, auf die man eh keinen Einfluss hat. Ich finde aber noch wichtiger, dass diese Geh- und Radweg-Unterführung am Dandl-Ring auch von Autos benutzt werden kann, weil das Straubing wirklich nutzt. Bei der Pride Month-Debatte hätte übrigens beinah ein AfD-Stadtrat etwas gesagt, ich glaube, es wäre zum ersten Mal überhaupt gewesen, gemeldet hat er sich schon. Aber dann hat er bloß „Hat sich erledigt“ gesagt.

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