Was kommt nach dem Flop?
War unnötig. Was ist jetzt nötig? Foto: Engel
Ist nicht erstaunlich, dass in diesem Wahlkampf das Thema „Westpark und Supermarkt“ so gar nicht vorkommt? Immerhin soll im Westpark ein Baumarkt, den nie jemand nötig hatte, ersetzt werden durch einen Supermarkt, den auch niemand braucht. Entschieden wird das natürlich erst nach der Wahl. Aber sollte nicht genau deshalb das vor der Wahl diskutiert werden?
Es hat Einwendungen gegen den Plan gegeben. „Diese werden derzeit fachlich gesichtet und rechtlich bewertet“, teilt die Stadt auf Anfrage mit. Und: „Die Behandlung der eingegangenen Stellungnahmen erfolgt zu gegebener Zeit im Rahmen einer öffentlichen Sitzung des Bau- und Planungsausschusses.“ Wir wissen nicht, wie das ausgehen wird, man kann nur vermuten. Aber ich glaube, alle vermuten dasselbe.
Im Kern geht es um die Frage: Gibt die Stadt erneut dem Investor nach und erlaubt nach dem Baumarkt-Flop jetzt einen Supermarkt, obwohl der Westen mit einem halben Dutzend Märkten schon überversorgt ist? Oder wird sie vom Investor verlangen, dass er nach seinem Flop jetzt ein Konzept sucht, das nicht nur für ihn allein sinnvoll ist?
Sagen Gutachten nur, was man hören will?
Wie komme ich auf die Idee, dass diesen Supermarkt kein Mensch braucht, außer dem Investor natürlich? Weil das in einem Gutachten steht, und das hat die Stadt vor vier Jahren machen lassen. Da steht, „dass aufgrund der bereits ausgeprägten Wettbewerbssituation der Umsatz nahezu ausschließlich durch Umverteilungen gegenüber den bereits ansässigen Bestandsbetrieben generiert werden kann.“ Und: „Eine weitere Steigerung der Kaufkraftabschöpfung bzw. das Erschließen neuer Kunden von außerhalb der Stadt Straubing ist nicht anzunehmen.“ Im Klartext: Noch ein Markt schadet mehr als er nutzt.
Nur: Das Gutachten ist von 2022. Aber 2025 ist der BayWa-Markt seinen Befürwortern um die Ohren geflogen. Und plötzlich ist ein Supermarkt doch eine sehr gute Idee, genau wie damals der Baumarkt. Als gute Idee gilt der Supermarkt deshalb, weil der Baumarkt jetzt leer steht und der Westpark-Eigentümer ihn lieber voll haben will. Aber viele Möglichkeiten hat er da nicht. Also Supermarkt zulassen und riskieren, dass ein anderer Supermarkt draufgeht? Oder Leerstand akzeptieren und riskieren, dass die Stoffel Holding Geld verliert?
Das Bauamt von Oliver Vetter-Gindele hält natürlich den Supermarkt für eine gute Idee. Bis vor gut 15 Jahren hat es hier Wohnbebauung für eine gute Idee gehalten. Dann hat die Stoffel Holding das Gelände ge- und Gewerbe mit Baumarkt als Spitzenidee verkauft. Und plötzlich wars auch für die Stadtplanung eine Spitzenidee, und OB, CSU, SPD und Freie Wähler haben gejubelt, dass man nicht mehr „wegen jeder Schraube in den Osten“ muss, und sie haben umgeplant für den Baumarkt, und voriges Jahr ist ihnen ihre Spitzenidee um die Ohren geflogen.
BN: „Vorzuziehen wäre Wohnbebauung“
Ich hab nie verstanden, was an der Baumarkt-Idee gut gewesen sein soll. Ich wohne im Zentrum, 1,5 km zum Westpark, 6,5 km zum Hornbach: Wegen „jeder Schraube in den Osten“? Nie. Zum Westpark? Auch nie. Ich geh da zum Primbs, und wenn wirklich Baumarkt, dann Osten. Aus Richtung Leiblfing dauert’s zum Westpark genauso lang wie zum Hornbach, aus Geiselhöring ist der Unterschied sechs Minuten. Einen Baumarkt im Westen hat nur Stoffel gebraucht, niemand sonst. Er hat ihn bekommen. Kein Ruhmesblatt für die Stadtplanung, OB, CSU, SPD und FW. Jetzt braucht Stoffel einen Supermarkt, den sonst niemand braucht. Kriegt er ihn?
Es soll eine Zwischendecke in den Baumarkt kommen: Oben Büros und Praxen, unten Supermarkt und zwei Fachmärkte. Die Zwischendecke findet der Bund Naturschutz grundsätzlich gut. Aber Bedarf für noch einen Supermarkt sieht der BN nicht. Außerdem warnt er, dass Büros und Praxen wohl nur aus dem Zentrum kommen können und dann dort Leerstand ist. Sein Fazit: „Vorzuziehen wäre Wohnbebauung mit mehrgeschossiger Mehrfamilienhausbebauung auf dem Gesamtareal einschließlich der ausgedehnten Parkplatzflächen.“
Straubing braucht Wohnungen. Eine Gewerbehalle wie der gescheiterte Baumarkt wäre schnell abgebrochen. Aber Wohnbau rentiert sich im Augenblick nicht, sagt ein Bekannter, „der Markt ist am Boden“, sagt er, „das ist kein Geschäft.“ Andererseits: Bei mir ums Eck bauen gerade zwei Bauträger Wohnblocks, und wahrscheinlich nicht, um Geld zu verlieren. Aber das Vermieten eines bestehenden Gewerbebaus bringt sicher mehr Geld als Abbruch und Wohnbebauung. Aber wessen Problem ist das? Eines der Stadt? Oder von Stoffel?
Die Zustimmung war ein gewaltiger Fehler
Soll die Stadt also zur Stoffel Holding sagen: „Wir lassen nicht noch einmal einen Markt zu, den kein Mensch außer dir braucht. Es stimmt, ein Leerstand ist zwar nicht gut für uns, aber für dich auch nicht, und deshalb sagen wir jetzt etwas Unerhörtes: Unsere Stadtplanung muss sich danach richten, was wirklich notwendig ist, und dein Supermarkt ist das nicht.“? Was wäre dann?
Heute sieht jeder: Die Zustimmung zum Baumarkt durch Stadtplanung, OB, CSU, SPD und FW vor zehn Jahren war ein gewaltiger Fehler. Jetzt geht’s um Schadensbegrenzung. Die Frage ist: Wie? Supermarkt? Büros? Wohnen? Oder Labors und Hörsäle für den TUM-Campus, weil im Karmelitenkloster eh nichts vorangeht? Wie stehen die Parteien dazu? OB Markus Pannermayr und die CSU neigen zum Supermarkt. Und die anderen Kandidaten?
„Leerstand darf nicht sein“, sagt Peter Stranninger, SPD, „aber Abriss ist illusorisch, das wird Stoffel nicht machen. Die Einwendungen müssen endlich in den Bauausschuss, alle Fakten und Argumente gehören auf den Tisch.“ Ähnlich Christoph Weinholzner, FW: „Das Gebäude muss wieder genutzt werden, alles andere ist ökologisch und ökonomisch ein Desaster. Gern würde ich die Meinungen von Kaufland oder Rewe hören, ob ein Markt wirklich so dramatische Einflüsse auf die Einkaufswelt hätte. Und wenn es keinen anderen Pächter als einen Lebensmittler gibt, was ist die Alternative?“
„Die Nahversorgung wäre schon da“
Katrin Dengler, ÖDP, sagt: „Leider wurde im Bauausschuss schon grundsätzlich grünes Licht für den Supermarkt gegeben, nur die ÖDP und die Grünen stimmten nicht zu.“ Sie hält einen „Rückbau zugunsten von Wohnbebauung“ für möglich und verweist darauf, dass auch nach 10 Jahren der für Wohnen vorgesehene hintere Geländeteil immer noch unbebaut ist: „Anscheinend ist und war die Gewerbebesiedelung für den Bauträger wichtiger, der Bauträger geht hier den einfachsten Weg.“
Johannes Spielbauer. Linke, hat eine Anfrage nicht beantwortet, und der Grüne Erhard Grundl sagt: „Das ist das Schlimme, aber leider auch das Bezeichnende für die letzten zehn Jahre Pannermayr: Selbst, wenn etwas erwiesenermaßen ein Schmarrn ist, kann man nicht zugeben, dass es ein Schmarrn ist. Sondern man macht immer weiter mit dem gleichen Schmarrn. Und das ist eigentlich tragisch.“
Grundl plädiert für „Wohnen am Westpark“, und mit Blick auf die zahlreichen schon vorhandenen Supermärkte im Westen, von Kaufland über Lidl, Norma, Penny, Netto bis Rewe, sagt er einen fast witzig-ironischen Satz: „Viel fußläufig erreichbare Nahversorgung wär da ja schon da.“
