Alles schwierig, oder nicht? (aktualisiert)

Lösung in Sicht? Anwohner, Politik und Verwaltung Foto: Engel

Am Montag im Ordnungsausschuss hat Jürgen Steinmetzer, Grüne, eine interessante Frage gestellt: Wenn die Busse demnächst vom Ludwigsplatz weg und in die Innere Passauer Straße verlegt werden, und wenn die Innere deshalb Einbahnstraße wird: Wird dann der Verkehr verstärkt durch die Krankenhausgasse fließen?

Ein bisserl schon, aber nicht viel, war die Antwort, und dass die Situation ja schon vier Monate lang da war, wegen der Baustelle Innere Passauer Straße. Und weil sich kein Anwohner Sturm gelaufen ist, hat die Verwaltung gedacht, dass alles gut ist. Die Anwohner sind richtig erschrocken, als sie das gehört haben. „Hinter uns“ sagen zum Beispiel Michaela Amann und Evi Schlecht, „liegen vier Monate Zusatzverkehr, und das war hart.“ Und jetzt alles noch einmal, und gleich für ein Dreivierteljahr? Und wenn’s blöd läuft, für immer? „Da protestieren wir jetzt lieber sofort als erst im Sommer“, haben sie gesagt, „sonst glaubt die Stadt am Ende noch wirklich, dass da kein Problem ist.“

Es ist nämlich so, dass die Lösung mit der Busumsteige in der Inneren Passauer zwar Charme hat. Wenn’s hinhaut, ist das eine sehr gute Lösung. Aber es ist auch so, dass die Stadt davon ausgeht, dass der Verkehr in Richtung Osten dann entweder den Stadtgraben entlang Richtung Donau und dann ab in die Donauuferstraße fließen wird, oder alternativ die Kolbstraße hinab, dann in den Kreisel am Jahnplatz, dann zurück zum Bahnhof, und dann über die Schildhauerstraße nach Osten. Nur: Verkehr ist wie Wasser. Zum Abfluss nutzt er immer die nächstbeste Chance. Und das ist die Krankenhausgasse.

Ein gutes Gespräch

Dummerweise fahren durch diese Gasse schon die Großtaxis von und zur Papst-Benedikt-Schule, dazu zahlreiche Taxis der Firma Mama & Papa, die ihre Kinds von und zur Sandtner-Realschule liefern; und Parkhaus-, Liefer- und Geschäftsverkehr gibt es auch noch. Und dann noch der Zusatzverkehr, der nicht mehr durch die Innere Passauer kann: Seit der Baustelle dort wissen die Anwohner, was dann los ist. Ziemlich viel nämlich.

Sie haben den OB angemailt und alle OB-Kandidaten, dazu das Ordnungsamt und das Straßenbauamt und die Polizei. Aus der Politik hat nur Erhard Grundl reagiert. (Anmerkung: Wie sich erst nach Veröffentlichung des Artikels herausstellte, war das an die Freie Wähler-Adresse gesandte E-Mail von der FW-Geschäftsführung bzw. Vorstandschaft offenbar nicht an OB-Kandidat Weinholzner weitergegeben worden.) Dann ist Folgendes passiert: Am Freitagvormittag haben sich Ordnungsamtschefin Carolin Ippisch, Elmar Hartl vom Straßenbauamt, Polizeihauptkommissar Jürgen Mißlbeck, Erhard Grundl und die Grüne Fraktionschefin Feride Niedermeier mit den Anwohnern getroffen, und: Es war ein gutes Gespräch, und nicht nur das: Es kann sogar sein, dass etwas Gutes herauskommen wird.

Vielleicht liegt das unter Anderem auch daran, dass in der Krankenhausgasse auch die Straubinger Kaffeemanufaktur ist, weshalb jeder, der wollte, auch einen Kaffee bekommen hat. Kaffee stimuliert ja das zentrale Nervensystem, und das kann den Gedankenaustausch zu sinnvollen Lösungen durchaus befördern. Am Ende jedenfalls stand dies: Vielleicht ist es möglich, auch die Krankenhausgasse zur Einbahnstraße zu machen, mit einem Schild an der Einfahrt vom Stadtgraben her: „Zufahrt frei bis Parkhauseinfahrt und Papst Benedikt-Schule.“

Irgend an Tod stirbt a jeder“

Dann könnte jeder ins und aus dem Parkhaus, und genauso zur und von der Papst Benedikt-Schule. Wer aber zum Beispiel zum Bodenleger Robert Schlecht müsste, wie zum Beispiel der Firmenchef selbst, der müsste halt über die Lindenstraße oder die untere Krankenhausgasse fahren. Ganz ideal ist das auch nicht, „ aber mei“, sagt der Firmenchef, „irgend an Tod stirbt a jeder. Dann fahr i halt anders da her.“ Besser als Dauerverkehr durch die Gasse scheint es ihm allemal zu sein.

Das ist Pragmatismus, das ist Bereitschaft zum Kompromiss, das ist genau das, was notwendig ist für Harmonie im Zusammenleben der vielbeschworenen Stadtfamilie. „Uns war schon bewusst“, sagt deshalb auch Carolin Ippisch, „dass es Ausweichverkehr gibt. Aber wenn man’s direkt von den Anwohnern hört, ist das nochmal was anderes.“ Elmar Hartl sagt : „Die Idee mit der Einbahnstraße ist jetzt zumindest im Raum“, und Jürgen Mißlbeck sagt: „Nach meinem Dafürhalten ist das durchaus eine mögliche Lösung, die man aber mit den Betroffenen abstimmen muss.“

Der Vorschlag muss ja auch für den Lieferverkehr akzeptabel sein. Aber die Gasse hat ja kein riesiges Einkaufszentrum, das zu beliefern wäre. Letztlich kommt’s an auf den Ordnungsausschuss. Und da muss man dann sehen, ob die Bushaltestelle Innere Passauer Straße als Dauerlösung überhaupt mehrheitsfähig ist. Immerhin ist das ein SPD-Vorschlag vom Dezember. Die weit größere CSU hat das nicht vorgeschlagen. Das kann ein Problem sein, und an der Einbahnstraßenidee sind irgendwie die Grünen dabei. Wenn der SPD-Vorschlag aber nicht passt, käme vielleicht doch der Platz an der AOK für die Busse in Frage. Nur, das hat auch nicht die CSU vorgeschlagen. Sondern die Freien Wähler. Es ist alles schwierig, oder nicht.

Geht’s so? Bis zum weißen Auto in der Einfahrt zur Papst Benedikt-Schule befahrbar, dann nicht mehr. Foto: Engel

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