FW: Kein Weckmann im Wahlkampf
Fraktionschef Adolf Herpich (l.), OB-Kandidat Christoph Weinholzner (r.) und Stadtrat Michele Gianfrancesco (3. v. l.) Foto: Engel
Wo war eigentlich Stephan Weckmann? Wo Christoph Laugwitz? Und wo Manuel Janker? Gestern Abend war die allererste Wahlkampfveranstaltung der Freien Wähler in diesem Wahlkampf: Dreieinhalb Wochen vor der Wahl, weltrekordverdächtig spät, und weder der erste Vorsitzende und Spitzenkandidat ist gekommen, noch der Geschäftsführer und Zweitplatzierte, und der zweite Vorsitzende war auch nicht da. Trotzdem – und vielleicht auch deswegen - war es ein informativer Abend.
Die gesamte Vorstandschaft der Freien Wähler hat am Mittwochabend im Schützenhaus nicht nur gefehlt. Nicht einmal organisiert hat sie diesen wohl spätesten Wahlkampfauftakt aller Zeiten. Organisiert hat ihn Adolf Herpich, der Fraktionschef, dessen politisches Lebenswerk die Freien Wähler sind. „Warum“, fragt Herpich in seinem Eröffnungsstatement, „warum fehlt zum Beispiel unser Vorstand heute?“ Es ist ein rhetorische Frage, Herpich beantwortet sie mit: „Das kann sich jeder selber denken.“
Was zumindest die meisten dachten, war klar: Der Vorsitzende Weckmann verzeiht nicht, dass die Freien Wähler nach seiner eigenen Absage mit Christoph Weinholzner doch noch einen OB-Kandidaten gefunden haben. Nur ein einziges Mal und nur kurz hat Weckmann in diesem Wahlkampf am Infostand vorbeigeschaut, als Zwischenstation auf dem Weg zur Eiszaubereröffnung, und auch der Geschäftsführer Laugwitz ist bisher kaum gesehen worden. „Heut Abend“, sagt ein Freier Wähler am Ende des Abends, „wäre ihre Chance gewesen, dass sie Zusammenhalt mit den Freien Wählern demonstrieren.“
Die Themen: Nikolapark, Bus-Umsteige, Bahnhof-Unterführung
Das hatte Weckmann eigentlich zugesichert. Doch dreieinhalb Wochen vor der Wahl demonstrieren Weckmann und seine Leute, dass sie nur noch ihre eigenen Plakate aufhängen wollen und sonst kein Interesse mehr an den Freien Wählern haben. Also macht der Fraktionschef, was eigentlich der Job des Geschäftsführers wäre: Einen Abend mit Grundzügen und Zielen der Freien Wähler für Straubing, und mit den Hauptrednern Herpich und Weinholzner.
Herpich, 81, bringt Dinge immer noch spitz auf den Punkt, zum Beispiel beim Reizthema Nikolapark. Der soll teilweise abgeholzt werden für einen Seniorenheim-Neubau. Die Grünen kämpfen für einen Neubau auf dem Gelände der Zuchtviehversteigerungshalle am Hagen, und Herpich unterstützt das: „Man sollte nicht nur die Dagegen-Argumente prüfen, sondern auch die Dafür-Argumente.“ Oder die Busumsteigestelle in der Inneren Passauer Straße: „Das gehört in die Nähe vom Bahnhof. Da laufen Landkreisbusse und Stadtbusse zusammen, neben der AOK ist ein wunderbares Gelände für Busse, Parkhaus, Nähe zum Bahnhof.“
Am Hagen bringt Herpich für einen kleinen Bereich eine Parkgebühr ins Spiel, zwischen WC-Haus und Karmeliten, drei Euro für vier Stunden, könnte 150 000 Euro pro Jahr einbringen. Und dann noch ein heißes Eisen: „Warum hat die Stadt nicht bei der Bahnhofsanierung die Unterführung bis zur Hebbbelstraße gebaut? Hätte damals 250 000 Euro gekostet. Das hat sich die Stadt gespart. Aber das wäre die beste Parklösung gewesen.“ Ginge noch immer, glaubt Herpich. Dann spricht Weinholzner: Zunächst zur Zweitwohnsitzsteuer.
Weinholzner: „Utopische Auflagen ändern“
Das heißt: Wer seinen Zweitwohnsitz in Straubing hat, bezahlt entweder die Steuer oder meldet zum Erstwohnsitz um. Das erhöht dann die Schlüsselzuweisungen für die Stadt, die Stadt hätte also in jedem Fall Zusatzeinnahmen. Dass das Gewerbegebiet Erletacker in seiner jetzigen Form der Stadt jemals Geld bringen wird, glaubt Weinholzner nicht: „Wir haben da ein Gewerbegebiet ausgewiesen, in das ein normaler Unternehmer niemals bauen wird. Die Auflagen dort sind utopisch.“ Tatsächlich ist dort noch gar nichts passiert, außer dass Loibl Förderanlagen abgesagt hat.
Den Vorschlag von Herpich, nach einem Weggang der Busse vom Stadtplatz dort kostenlose Kurzparkplätze zu schaffen, lehnt Weinholzner ab. Weinholzner sagt: Aufenthaltsqualität verbessern, und zwar ohne Autos, und auch er hält das Gelände an der AOK für die bessere Wahl für die Busse. Auch zur SAuV: Zu wenig Veranstaltungen in der Fraunhoferhalle, zu geringe Auslastung, und ein möglicher Grund dafür: „Viele wollen ihren eigenen Caterer für Veranstaltungen. In Straubing geht das nicht. Das darf nicht totgeschwiegen werden.“
Am Ende spricht Listenkandidat Rudolf Knott noch ein Problem an, das viele Motorradfahrer inzwischen beschäftigt: Wo Parken in der Innenstadt? Wo früher ihr Parkplatz war, steht jetzt ein Hochbeet: „Ein Riesenschmarrn“, findet Knott, „der an Haufen Geld kostet hat.“ Unabhängig davon, ob ein Hochbeet ein Schmarrn ist oder nicht: Die Frage, wo Motorräder parken, scheint tatsächlich offen. Obwohl ein Parkhaus vielleicht auch eine Möglichkeit wär. Nahezu 30 Leute sind übrigens mit dabei gestern Abend, nicht schlecht für einen kurzfristig angesetzten Wahlkampfauftakt und mit Olympia und Bayern München live im TV. Ob Weckmann, Laugwitz und Janker dort zugeschaut haben, ist offen, genau wie die Frage, ob und welche Vorstellung von Stadtpolitik sie haben.
