Vorfeldgschichten

Ist das nicht ausgefeilt? Ein Leberkasstand fürs Volksfest. Bild: Befreundete KI

Ein Freund hat mir ein Konzept geschickt. Das Konzept ist ein Bild. Ich finde es super, es ist ein super Konzeptbildkonzept. Denn die EI (Eigene Intelligenz) dieses Freundes war hoch genug, um dieses Konzept lieber von der KI (Künstliche Intelligenz) machen zu lassen als von seiner EI. Seine EI ist damit durchaus vergleichbar mit meiner, und dieses so entstandene Konzept ist die Reaktion auf den „Leberkassemmelverbot am Volksfest?“-Artikel in der Volksfestbeilage am Samstag im Tagblatt.

Dieser Artikel spürt der Frage nach, warum es auf dem Volksfest keinen Leberkässemmelstand gibt. „Genau!“, denkt man da doch, „warum eigentlich gibt’s keinen Leberkasstand, obwohl’s einen Gurkerlstand gibt, Pizzastand, Pommes und Rosswürst?“, und ich gebe zu: Fast war ich ein bisserl neidisch, dass nicht ich der Nachspürer war, sondern der Scharrer Ulli, diesem ein Kompliment. Und okay, ich war nicht „fast ein bisserl“ neidisch. Ich war ein bisserl neidisch, ganz ohne „fast“. Ich mag solche Themen. Ich mag solche Fragen, und ich mag die Antworten.

Wenn Sie diesen Artikel am Samstag gelesen haben, dann wissen Sie: Die Antwort ist, dass „eine einfache Verkaufsbude“ für das Volksfest „nichts wäre“, weil so ein Leberkassemmelverkäufer schon mit einem „ausgefeilten Konzept“ kommen müsste, weil die Aufmachung der Bude zum Volksfest passen muss. Da hat die EI des Freundes sehr schnell geschaltet, und seine EI hat seiner KI einen „Auftrag zur Entwicklung einer zu einem Traditionsvolksfest passenden Leberkasbude“ erteilt. Und sagen Sie selbst: Ist das Ergebnis nicht ausgefeilt? Der Freund sagt jedenfalls, dass er das vielleicht für nächstes Jahr einreicht, und ich finde: Der Original-Wolf-Leberkas wär doch super dafür. Der wär Straubing total.

Denkmalschutz-Unsinn im Volksfest-Vorfeld

Nun aber ein anderes erfreuliches Bild: Es ist das Gfrei di-Bild vor einem Fenster der Goldschmiede Leser. Es gibt einen Grund, warum dieses Bild so erfreulich ist. Es wirkt einem unguten Trend entgegen, nämlich diesem: Die Beschmückung des Stadtplatzes dieser einst auf ihr Fest so stolzen Stadt wird immer weniger. Aber wenigstens Leser schmückt. Das ist doch schön. Weil wir aber auf dem ensemblegeschützten Theresienplatz sind, kommt nun ein Amt ins Spiel. Ahnen Sie’s schon? Es ist: Der hiesige Denkmalschutz.

Gfrei di steht drauf, aber den Denkmalschutz gfreids leider gar ned. Foto: Engel

Seit langem müht dieses Amt sich schon nach Kräften, Wesentliches zu scheiden vom Unwesentlichen, um sich dann kraftvoll dem Unwesentlichen zu widmen. Das war zum Beispiel der Fall vor zwei Jahren, als das Amt für das Jack&Jones-Haus am Ludwigsplatz unbedingt das braunste Braun vorschreiben wollte, das sich der Mensch vorstellen kann. Der Hausbesitzer, ein gewisser Herr S., war - und in diesem Fall dem Himmel sei Dank - einflussreich genug, um zu verhindern, dass dieses Haus völlig erbraunt ist. Und auch im Leser-Haus wollte das Amt Unsinn durchsetzen.

Es hat aus dem Amt einen Anruf gegeben. Dieses Bild möge bitte entfernt werden. Denn es sei Werbung. Das dürfe nicht sein. Daraufhin ist dem Amt schriftlich erwidert worden mit folgendem Hinweis: Zu einer Werbung gehöre ein Produkt; hier aber sei kein Produkt, das beworben werde. Hier werde nur dem Wunsch des OB entsprochen, die Häuser zu schmücken für das große Fest. Eine amtliche Antwort darauf steht noch aus. Man darf gespannt sein.

Brett vorm Fenster

Es gibt übrigens durchaus Fenster in dieser Stadt, die keine Werbung sind. Die müssten dann ja im Sinne des Amtes sein. Das Fenster in der obersten Reihe des Frechdax-Hauses zum Beispiel, bis gestern Früh monatelang mit einem Holzbrett statt Glas: Das war ganz bestimmt keine Werbung. Kann das wirklich sein, was der Denkmalschutz will? Ein Fenster, mit Holzbrettern zugemacht, und zwar schon seit Frühling? Geht es nur mir so, dass ich im direkten Vergleich dieses verbretterte Fenster als weniger schön empfinde als das, was am Leser-Haus hängt?

Stadtplatz-Fassade, eher unhistorisch, aber lange mit Brett. Foto: Engel

Justament seit gestern Mittag ist dieses Brett nun aber verschwunden. Das Fenster ist wieder ein richtiges Fenster, und das ist gut. Trotzdem bleibt die Frage: Warum verschwendet ein Amt Arbeitszeit mit dem Kampf gegen einen Volksfestschmuck, der nach dem Volksfest eh von selbst wieder verschwindet, schneller als ein Brett vor einem gewissen anderen Fenster? Und: Warum drängt sich der Gedanke auf, dass unser Denkmalschutzamt ziemlich viel dafür tut, Sympathien für seine Arbeit zu mindern? Ja, voll von Fragen ist die Welt vor dem Volksfest.

Wobei uns zum Schluss eine große Frage vorerst gar nicht interessiert: Was kommt nach Irlbacher? Werden es nächstes Jahr wieder fünf Brauereien sein? Kommt Stöttner? Oder nur vier, weil entweder Arco oder Röhrl die Erben von Irlbacher werden? Und: Warum hat man Irlbacher nach der Übernahme durch Arco vor zehn Jahren als identisch mit Arco betrachtet? Weshalb Irlbacher eines seiner zwei Festzelte hat abgeben müssen? Und warum ist jetzt nur noch Arco identisch, und Irlbacher nicht mehr? Ja, rätselhaft ist die Welt. Was bleibt, ist vorerst dies: Viel Spaß aufm Volksfest!

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Perlen Straubings: Jakobsgasse