Win-Win im Volksfest: So schauts aus!

Schauts dann so aus? Foto: Engel/Chat GPT

Manchmal muss ich grinsen, vor allem dann, wenn die Dinge genau so passieren, als ob ich’s gewusst hätte: „Das Volksfest!“, hab ich am Donnerstag geschrieben, „Mit einer entscheidenden Nachricht! Noch in dieser Woche!“ Und ganz zart angedeutet, dass diese Nachricht „Nothaft mit Erl“ sein wird. Am Samstag war’s dann im Straubinger Tagblatt, und jetzt wissen wir offiziell: Das eine Logo im Nothaft kommt runter, das andere rauf: So schauts aus! Und? Was bedeutet das?

Ich glaube, für das Volksfest ist das eine sehr gute Nachricht. Alles ist gut, was das Fest in die Medien bringt. Schon seit einiger Zeit hält es seine Besucherzahl nur mit Müh und Not aufrecht, und mit großer Anstrengung aller, die fürs Besucherzählen zuständig sind. Deshalb ist gut, dass mit Stöttner eine Brauerei aus dem äußersten westlichen Landkreis neu dazu kommt und hoffentlich viele Besucher von dort mitbringt. Und die neue Verbindung von Nothaft mit Erl? Ist sogar sehr gut.

Da sind jetzt zwei zusammen, die von ihren langjährigen Partnern über Nacht verlassen worden sind. Ein plötzliches Verschwinden ohne erklärende Begründung nennt man Ghosting, und die Presse-Erklärung von Wenisch und Karmeliten („zwei Familienunternehmen kommen zusammen“, „gleiche Generation“), hat gar nichts erklärt. Familienunternehmen sind sie ja alle, und rein vom Alter her sind Wenisch und Erl wie auch Karmeliten-Chef Georg VII Schneider und der junge Nothaft auch nicht allzu weit auseinander. Da wirken die Trennungen doch eher wie Ghosting.

Ein möglicher Grund, warum Karmeliten ging

Opfer von Ghosting bekommen aber grundsätzlich Sympathie. Wer dann noch reagiert wie damals Jennifer Aniston nach dem plötzlichen Weggang von Brad Pitt, steigt die Sympathie weiter an: Keine schmutzige Wäsche, Souveränität statt Schlammschlacht, vielleicht sogar Selbstironie, schon bist du der Single der Herzen. Und erinnern Sie sich an den Satz der von Gerard Pique verlassenen Shakira? „Er hat einen Ferrari gegen einen Twingo getauscht“: Das war Selbstbewusstsein statt Schmutz, das war ziemlich cool, und Shakira war die PR-Siegerin. Aber im Geschäft?

Denn vielleicht war es so, wie im branchennahen Umfeld gesagt wird: Jahrzehntealte Geschäftsbeziehungen beruhen oft auf jahrzehntealte Verträgen, die irgendwann nicht mehr zeitgemäß sind. Brauereien haben für die Bierzelt-Infrastruktur früher Dinge geleistet, die sich heute nicht mehr rechnen.Heute sind Brauereien stark unter Druck. Wenn Neuverhandlungen dann scheitern, sagt ein Partner vielleicht: „Okay, das war’s.“. War es hier so? Falls ja, würde das zumindest den Schritt von Karmeliten erklären.

Von keiner Seite hat es ein Nachtreten gegeben, nicht von den alten und nicht von den neuen Partnern. Das ist gut. Erl hat sogar mit seinem schnell populär gewordenen „Wer hat die Nummer von Nothaft?“-Meme Witz und Souveränität gezeigt. Das positive Feedback darauf war groß, Nothaft kann jetzt das Beste draus machen. Sein neuer Partner hat in den vergangenen Jahren sein Image gewaltig verbessert. Erl hat in den vergangenen Jahren auch über seine Wenisch-Präsenz viel gewonnen.

„Any promotion is good promotion“

Aus Internet- und persönlichen Reaktionen ist schon sichtbar, dass Erl durchaus mit Interesse und sogar Freude im Nothaft erwartet wird. Es wird wohl auch Besucher geben, die mit Karmeliten wegwechseln. Das Zelt wird das mit Erl ausgleichen können. Im Raum Geiselhöring gibt es viele ausgesprochene Erl-Fans, und bei Instagram und Facebook zusammen hat Erl Bräu mit 18 000 etwa 30 Prozent mehr Follower als Karmeliten.

Nothaft und Erl dürften da beide durchaus gut gelaunt ins nächste Volksfest gehen. Krönner und Stöttner dürfen auch hoffen. Dort steht noch Feintuning an. In der Zeltplanung und Gestaltung ist offenbar ein Plan da. Nicht ganz unwichtig wird aber auch sein, was Krönner mit seinem zuletzt eher zurückhaltend umjubelten Musikprogramm macht.

Ein zielgruppenorientiertes Programm hat das Festzelt Wenisch wieder dahin gebracht, wo es sich selber sieht, nämlich nach weit vorne. Dort spielen Gruppen, denen ganze Busladungen von Fans nachreisen. Mit diesem Konzept dürfte Wenisch auch im nächsten Jahr wieder Erfolg haben. Und wer in welchem Zelt welches Bier hat, ist ja eh wurscht, ein schlechtes Bier gibt’s nicht auf dem Volksfest. Aber es ist gut, wenn übers Volksfest debattiert wird, übers Bier, über die Küche, über alles. Und am besten ist, wenn debattiert wird, wer wen verlassen hat, und warum und wieso. Any promotion is good promotion, sagt der Lateiner gern: Win Win, so schauts aus.

Weiter
Weiter

Nothaft, Erl und KFC