Versuch und Irrtum
Sonniger Septembersamstag, Parkplatz Jesuitenkirche voll, deshalb FuZo. Foto: Engel
Sie wissen, was Trial and Error ist: Versuch und Irrtum. Oder, wie Wikipedia definiert: „Eine heuristische Methode des Problemlösens, bei der so lange zulässige Lösungsmöglichkeiten getestet werden, bis eine geeignete Lösung gefunden wurde. Dabei wird oft bewusst auch die Möglichkeit von Fehlschlägen in Kauf genommen.“ Man kann aber auch wie Karrierebibel.de ganz einfach sagen: „Ein bewährtes Erfolgsprinzip. Einfach mal machen, ausprobieren und aus den Ergebnissen lernen und nachjustieren. So lassen sich viele Probleme lösen und große Ziele erreichen.“
Ich glaube, auch die Straubinger Innenstadtplanung setzt auf diese Methode, und das große Ziel, das sie erreichen will, ist ein Motorradparkplatz. Denn bald ist Frühling! Zweistellige Temperaturen schon in dieser Woche! Der Pulsschlag des Lebens wird bald wieder kräftiger, und der fröhliche Sound der Motorräder ist bald auch wieder da. Doch da, wo noch vor einem Jahr der Motorradparkplatz an der Jesuitenkirche war, steht jetzt ein Hochbeet. Etliche Motorradfahrer fragen sich bang: Und wo soll ich hin?
„Auf den Hagen zum Beispiel?“ hab ich zu einem solchen Fragesteller gesagt, „Autofahrer schaffen das auch?“ Und was sagt er? „Hast du eine Ahnung, wie viele Motorradfahrer im Sommer nach Straubing kommen? Du glaubst doch nicht, dass die am Hagen parken und dann in der schweren Lederkluft von dort auf den Hagen marschieren?“ Aha, hab ich gesagt, aber das Parkhaus? Im Theresiencenter? „Da fahrt keiner rein“, sagt daraufhin er, „ohne einen Motorradparkplatz werden keine Motorradfahrer mehr kommen.“
„Parkhaus? Hab ich ein Mal gemacht“
Man kann natürlich sagen: Na und? Dann kommen die halt nicht mehr. Dann parken die wenigstens auch nicht mehr mitten in der Fußgängerzone wie im vergangenen September, als der Parkplatz an der Jesuitenkirche so voll war, dass mindestens 20 Maschinen deshalb mitten in der FuZo geparkt haben. Ein bisserl Geld und Belebung bringen auswärtige Motorradfahrer halt doch in eine Innenstadt. Das ist dann halt auch nicht mehr da.
Aber ist das wirklich so? Kommen dann weniger? Ich hab mich ans Telefon gesetzt und ein paar Bikerclubs im Raum Niederbayern und Oberpfalz angerufen. Meistens sind das nicht mehr ganz junge Herren, 40 Jahre aufwärts, oft gute Jobs und gute Gastrokunden, mit Spaß am Motorrad und Fahrten in andere Städte. „Parkhaus?“ sagt der Chef eines Clubs, „hab ich ein Mal in meinem Leben gemacht, in Spanien. Hab ich für deppert gfunden.“ Und der Chef von einem anderen Club sagt: „Ich kenn keinen, der sein Motorrad im Parkhaus parkt. Mei, dann fahrma halt anderswo hin.“
Das kann man gut oder nicht gut finden. Aber heutzutage ist es immer ein bisserl schad, wenn eine Innenstadt eine Besuchergruppe verliert. Das sieht auch die Stadt Straubing so. Jedenfalls plant sie einen neuen Motorradstellplatz in der Innenstadt, und zwar genau vis-a-vis, direkt vorm Florenz: „Für die durch das Hochbeet entfallenen Motorradstellplätze wurde vor der Bewirtungsfläche des Eiscafés Florenz ein Ersatzbereich angeordnet. Die neue Fläche (Länge ca. 15 m) bietet voraussichtlich Platz für etwa 12 bis 20 Motorräder. Die Beschilderung wird zeitnah angebracht.“
„Dem Ziel bereits ein großes Stück näher“
Damit sind wir bei Versuch und Irrtum. Denn es ist so, dass sic die Motorradfahrer in meinem Umkreis keineswegs einig sind, wie viel Platz ein Motorrad braucht: Sind es 1,50 Breite? Oder 1,80? Oder etwa zwei? Einig sind sie sich aber, dass vorm Florenz niemals Platz für 20 Motorräder ist, sondern höchstens für zehn, dass aber vis-a-vis an der Jesuitenkirche mindestens 40 Plätze entfallen, wenn nicht sogar mehr. Haben sie recht? Oder die Stadt? Versuch und Irrtum wird es schon zeigen.
Dass es nicht reichen könnte, scheint auch die Stadt schon zu ahnen. Denn sie teilt weiter mit: „Die Nutzung der neuen Fläche wird in der Praxis beobachtet. Auf Grundlage der Erfahrungen wird geprüft, ob Anpassungen erforderlich sind.“ Vielleicht hat die Stadt recht und vor der Florenz-Bewirtungsfläche ist wirklich Platz für 20. Vielleicht erlebt das Florenz sogar einen Besucherzustrom, wenn man direkt am Tischerl an- und abfahrende Motorräder genießen kann, was vor dem neuen künftigen Eiscafe am Theresienplatz nicht so schön möglich sein wird.
Vielleicht wird es aber auch so sein, dass man nach einer Erprobungsphase eine neue Lösung suchen wird, weil das bei Versuch und Irrtum halt einfach so ist, und das ist gut: „Durch das Ausprobieren legen Sie los“, beschreibt karrierebibel.de den Vorteil der Methode, „statt sich in endloser Planung und Theorie zu verrennen. Oft wollen wir zu 100 Prozent sicher sein, dass etwas klappt – und machen am Ende gar nichts. Indem Sie anfangen, sind Sie dem Ziel bereits ein großes Stück näher.“
