Unterführung Dandl-Ring: Entweder-Oder
Foto: Engel
Bitte, ich sag nicht, dass es sicher so kommt, aber ich glaube, dass die Dandl-Unterführung am Ende nicht nur ein Geh- und Radweg sein wird, auch wenn das Projektschild das sagt. Kürzlich war eine Diskussion auf Facebook: „Warum nur Geh- und Radweg, warum nicht auch Auto?“ die einen, „nein, Auto ist schlecht“ die anderen, dazu aber später. Zunächst nur: Ich glaube, dass dort auch Autos sein werden. Einspurig natürlich, bei Gegenverkehr wartend, und ich sag Ihnen auch, warum ich das glaub:
Ich war nämlich dort, es war ein Ortstermin mit mir selber, und jetzt habe ich Zahlen. Die Zahlen habe ich auch selbst ermittelt, und deshalb behaupte ich: Diese Unterführung wird 6,50 Meter breit, vielleicht ein paar Zentimeter breiter. Okay, mit etwas bösem Willen können Sie meine Ermittlungsmethode in Frage stellen. Ich war nicht mit dem Meterstab dort, meine Ermittlungen beruhen nicht auf der Exaktheit des metrischen Systems. Nein, meine Ermittlungen beruhen auf Körpergefühl und auf Augenmaß. Denn es ist so:
Meine Schrittlänge ist 70 Zentimeter, und diese Unterführung wird 9,5 Schritte breit. Das ergibt 6,50 Meter Breite, vielleicht ein paar Zentimeter mehr. Und dann bin ich heim über den Geh- und Radweg am Allachbach, auf dem die Menschen zu und vom Westpark radeln und gehen, zu und vom Kaufland und Aquatherm, und die Breite dieses Geh- und Radwegs beträgt vier und einen Viertelschritt. Das sind knappe drei Meter. Sie ahnen, worauf ich hinaus will:
Sie: „Auto? Braucht dort kein Mensch!“ – Ich: „Doch!“
Es ist nämlich so, dass eine einspurige Straße mindestens 3,05 Meter haben sollte und ein Geh- und Radweg mindestens 2,50 Meter. Zusammen sind das 5,55 Meter. Und dann habe ich die KI gefragt: Kann ein gut 6,50 Meter breiter Geh- und Radweg auch für einen einspurigen Autoverkehr umgewidmet werden? Und die Antwort der KI war: „Ja, ein 6,50 m breiter Geh- und Radweg kann rein technisch und rechtlich für einspurigen Autoverkehr freigegeben oder umgewandelt werden.“
Im Weiteren hat die KI mir erklärt, dass „aufgrund der üppigen Breite von 6,50 m“, der Weg sich „problemlos“ aufteilen ließe zwischen drei Metern für Auto und 3,50 m für einen „komfortablen, gemeinsamen Geh- und Radweg.“ Ich könnte natürlich bei der Stadt nachfragen, ob das alles wirklich so ist. Aber das habe ich nicht. So ist es viel spannender. Man will ab und zu ja auf sein Gefühl vertrauen, auf seine Schrittlänge, und auf die KI auch. Außerdem habe ich gestern mit einer Freundin über diese Unterführung diskutiert, es war fast wie bei Facebook. Sie hat gesagt: „Auto? Braucht dort kein Mensch.“ Und ich hab gesagt: „Doch!“
Die Unterführung führt ja hinüber zum Malzmühlweg und dem anderen neuen Wohngebiet dort. Dort wohnen Familien. Die fahren nicht mit dem Radl zum Wocheneinkauf. Die fahren mit dem Auto, entweder zwei Kilometer über die Geiselhöringer Straße oder drei Kilometer über die B8. Durch die Unterführung wären es nur gut 500 Meter. Und deshalb finde ich: Eine Fahrradstraße mit höchstens Tempo 30, einspurigem Autoverkehr und bei Gegenverkehr kurz warten: Das wäre doch gut. Es spart Kilometer.
Voll apodiktisch
Nur: Das überzeugt sie nicht. Sie holt alles mit ihrem Radl, im Sommer, im Winter, vom Rewe, vom DM, für sich, Mann und Hunde, und ob Groß- oder Kleineinkauf ist ihr wurscht. Sie ist das gewohnt. Es macht ihr nichts aus. Ich fürchte sogar: Es macht ihr Spaß. 500 oder 700 Meter Radeln zum Einkauf? Wo ist das Problem? So sieht sie das.
Ich sehe das anders. Obwohl, wenn ich jetzt überlege: Ich geh ja selber immer zu Fuß. Ich gehe zur Norma im Gäubodenpark, das sind 700 Meter. Ich gehe zum Edeka in der Schildhauerstraße, das ist ein Kilometer, und zum Rewe auch. Aber ich bin ein Single. Ich muss nicht auch noch ganz viel Kellog’s für Kinder einkaufen und auch kein Pedigree für den Hund. Ich geh’ mich leicht. Aber andere müssen riesige Packungen Kellog’s kaufen und auch Nutella fürs Kind. Die meisten kaufen mit Auto. Doch sie sagt apodiktisch, keinen Widerspruch duldend:
„Wer Kinder hod“, sagt sie apodiktisch, „der fohrt seine Schratzn (sic! Sie hat „Schratzn“ gesagt! Das war so, Sie wissen schon, politisch echt unkorrekt!) eh mitm Auto in d’Schui! Und afm Rückweg kon er dann ja zum Eikaffa fohrn!“ Was soll man dazu noch sagen, außer dass das wunderbar Bairisch ist? Dass das ganz falsch ist? Aber ist es das denn? Ich weiß es nicht. Vielleicht doch eher so: Entweder kommt dort ein Geh- und Radweg oder eine Fahrradstraße, und beides kann man so oder so sehen. Und absolut sicher ist nur: Meine Schrittlänge ist 70 Zentimeter.
