Rund um den Volksfestkrug

Foto: Engel

Es ist nicht so, dass ich jedes Jahr den Volksfestkrug kaufe, wirklich, nicht jedes Jahr. Ich hab ja schon fünf und ich finde, das reicht, wenn man kein Sammler ist. Aber am Samstag bei der Krugpräsentation hab ich dann doch wieder einen gekauft, das ist jetzt mein sechster. Eigentlich wollte ich gar nicht. Aber dann hab ich doch, und ich sag auch, warum: Weil dieser Krug von allen Volksfestkrügen bisher der schönste ist.

Der Stadtturm Weiß, Blau der Himmel, erdfarben das Ochsengespann und die Lederhosen: Das mag ich. Das hat etwas Bodenständiges. Das schaut nach Heimat aus für einen bayerischen Gäubodenbewohner wie mich, und auch so klar nach Volksfest. Dieser Krug hat nichts Abstraktes und auch nicht Kindliches wie in der Vergangenheit manchmal. Und weil ich das mag, habe ich diesen Krug käuflich erworben, ihn befüllen lassen mit Bier, und dann habe ich mich mit einem Kreis Gleichgesinnter auf eine Bierbank gesetzt.

Es gibt Schlimmeres, als an einem Samstagmittag bei perfektem Sonnenschein auf einer Bierbank mitten am Stadtplatz zu sitzen und die Stadtkapelle Geiselhöring zu hören: Die Musik aus dem Hans im Glück-Lokal zum Beispiel, die bei Ereignissen wie Schlaflos oder der Wirtshausroas wirklich in Überlautstärke den ganzen Theresienplatz beschallt bis spät in die Nacht, die finde ich deutlich schlimmer.

Schau amoi:“ Rot und Weiß!

Aber ich sehe das als ein Zeichen, dass Straubings Stadtverwaltung ihre Lärmschutzverordnung doch nicht mehr so tierisch ernst nimmt wie bisher, zumindest spätabends nicht mehr, und deshalb glaube ich: Sie wird auch tagsüber lockerer werden. Das wäre ja auch sogar logischer, und ich glaube, so wird das kommen, denn ich habe an diesem Samstagmittag auf der Bierbank erste Anzeichen für eine Lockerung auch tagsüber entdeckt:

„Schau amoi“, sagt nämlich ein Bierbankmitsitzer und deutet nach oben: Rote Schirme! Und daneben die weißen vom Seethaler! Rot und Weiß, unsere Stadtfarben in perfekter Harmonie. So sehe und interpretiere ich das zumindest, und ich glaube, die Stadtverwaltung auch. Sonst wäre das ja bestimmt untersagt worden.

Unsere Stadtfarben. Foto: Engel

Einen Freund von mir stört das schon. Der findet den Aufdruck nicht gut, weil da Irlbacher draufsteht. Es ist nicht so, dass ihn speziell Irlbacher stört, Röhrl oder Karmeliten würde ihn genauso stören. Er mag halt Werbung nicht. Mich würde nicht einmal ein Brauereiaufdruck stören, ihn schon. Aber die Farbe stört sogar ihn überhaupt nicht.

Vielleicht habe ich die falschen Freunde. Vielleicht kenne ich überhaupt die falschen Leute. Aber ich kenne niemanden, den Schirmfarben stören oder Holzbänke, und ich finde erfreulich, dass die Stadt solche Versuche inzwischen zulässt. Das ist ein Fortschritt, und ich gehe so weit, dass ich behaupte: Das ist bürgernah. Man kann sich als Gäubodenbewohner dann selber ein Bild machen. Selber ein Bild machen ist immer gut. Und im Herbst ist die Schranne, dann ist über den Bierbänken am Stadtplatz vielleicht Erl-Grün. Vielleicht werden wir noch richtig experimentierfreudig, und der Volksfestkrug 2026 ist echt super.

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