Das Leben, ein Wasserspiel
Barfuß durch den Sommer… Foto: Engel
,Wer saust da denn durchs Wasserspiel? Straubings oberster Baureferent ist’s, Oliver Vetter-Gindele, barfuß Wassertropfen jagend, und er hat Spaß dabei! Und warum tut er das? Na, erstens, weil er Spaß dabei hat, zweitens, weil am Freitagvormittag offizielle Eröffnung war, und drittens, weil aus diesem Anlass der Baureferent alle Miteröffner aufgefordert hat, barfuß mit ihm durchs Wasserspiel zu laufen für ein schönes Pressefoto. Doch die Miteröffner haben ihn hängen lassen. Also ist er ganz allein rein. Aber die Idee war gut, und nicht nur die:
Es ist wirklich sehr schön geworden, mit diesen Fontänen und den verschiedenen Farben. Schon jetzt zeichnet sich ab, dass hier ein neuer Treffpunkt entsteht. Und die Eröffnung selber war auch schön: Tiefbau-Chefin Cristina Pop hat eine Rede gehalten, in der sie 40 (ja, handgezählt!) verschiedene Namen untergebracht hat und die trotzdem charmant, launig und lustig war. Sogar den OB hat sie einmal zur Ordnung gerufen, weil der einmal nicht aufgepasst hat, und die Bayernkapelle Toni Schmid hat dazu wunderbar aufgespielt.
Zehn Scheren, und jeder Schnitt sitzt: Das ist Eröffnungserfahrung. Foto: Engel
Dann haben auch noch Vetter-Gindele, MdL Sepp Zellmeier und der OB das Wasserspiel gepriesen, und die Pfarrer Pater Martin (katholisch) und Bernd Reuther (evangelisch) haben es gesegnet, wobei Pfarrer Reuther den Lobpreis der Vorredner noch einmal ausführlich wiederholt hat. Und dann haben immerhin zehn der 40 namentlich Genannten eine Schere bekommen, und sie haben sich hinter ein wehrloses Band stellen und mit ihren zehn Scheren das arme Band in Stücke schneiden dürfen. Und jetzt kommt das, was die direkte Nachbarschaft dieses Wasserspiels interessieren dürfte:
Und was noch besser wird: Die Einschaltzeit
Es ist der Stadt aufgefallen, dass meterhohe Fontänen, die von sechs Uhr früh bis 01.00 Uhr nachts in den Himmel steigen und dann von dort runter stürzen, nach 23.00 Uhr vielleicht doch als einen Tick zu laut empfunden werden. Und auch, dass ein beleuchtetes Wasserspiel bis weit nach Mitternacht vielleicht doch von Anwohnern in Wohn- oder Schlafzimmern als Lichtverschmutzung empfunden wird. Und man hat eine Lösung gefunden, und diese Lösung ist gut:
Man schaltet das Wasserspiel ab kommender Woche so ein wie die anderen Stadtplatzbrunnen auch, und das heißt: „Wasser marsch“ erst ab 09.00 Uhr Vormittag. Und nicht mehr bis 01.00 Uhr, sondern nur noch bis 22.00 Uhr an Wochentagen und bis 23.00 an Wochenenden. Mit dieser Lösung sollten doch alle gut leben können. Der Programmierer ist bereits verständigt. Aber ein paar Tage dauert es noch.
Und dann noch eine Beobachtung, und diese Beobachtung halte ich für sensationell: Zum Abschluss dieser Eröffnung waren alle ins Röhrl eingeladen, und die Bayernkapelle Toni Schmid war mitten unter den Gästen platziert und hat ganz hervorragend aufgespielt! Ohne Verstärker! Ohne Lautsprecher! Ohne Strom! Und dabei waren die nächsten Tische nur einen halben Meter entfernt. Und jetzt die Sensation, vielleicht sogar ein Wunder: Obwohl die Musik so nah war, haben an jedem Tisch die Menschen sich noch unterhalten!
Und dann: Diese wunderbare Musik
Ich weiß, wovon ich rede. Ich war an einem dieser nahen Tische, zusammen mit Michele Gianfrancesco, Stadtrat der Freien Wähler, und dessen Frau. Wunderbar haben wir uns verstanden, ganz einfach wunderbar. Ohne Verstärker, ohne Lautsprecher, ohne Strom, da geht das nämlich ohne Probleme.
So nah, und doch so schön: Blasmusik unverstärkt. Foto: Engel
Und weil wir trotz der Musik jedes Wort unserer Unterhaltung verstanden haben, habe ich zu Michele Gianfrancesco gesagt: „Ich verstehe nicht, wieso die Stadtverwaltung jeden Wirte-Antrag immer ablehnt, der an einem Mittag so eine wunderbare Live-Musik machen will, ohne Verstärker, weil die doch überhaupt gar nicht laut ist.“ Und der Michele hat gesagt, dass er das auch nicht versteht. Und seine Frau hat gesagt, dass diese Musik doch wirklich schön ist.
Und deshalb hoffe ich, dass die hiesige Stadtverwaltung ihre doch etwas wahnsinnig sehr kleinkarierte Haltung vielleicht überdenkt. Es waren ja genug Verwaltungsleute da. Es geht doch darum, einen lebens- und liebenswerten Stadtplatz zu haben, zum Beispiel mit einem Wasserspiel; oder auch mit einer wirklich nicht lauten Blasmusik, bei der man direkt daneben sitzen und trotzdem noch alles verstehen kann. Wenn so etwas störend ist, sollten wir vielleicht das Leben an sich auf dem Stadtplatz einstellen. Das Leben an Sommertagen ist doch ein Wasserspiel! Es ist doch keine Friedhofsnacht.
