Meine subjektive Nachbetrachtung

Foto: Engel (leider, es ist nicht mein bestes Foto, aber die Stiftskirche ist drauf.)

Ich möchte berichten von meinem größten Volksfesterfolg, obwohl es auf der Ostbayernschau war. Ich habe einen Hut gekauft. Ich tat dies, weil vor mir ein Freund einen solchen Hut gekauft hat, und er gefiel mir. Weil aber zu einem guten Kauf immer auch eine gute Geschichte gehört, hat der Freund seine erzählt: Er wollte Handeln. Nach Feilschen war ihm zumute, und zwar zu ihm nmit dem Hutmann auf der Ostbayernschau.

„Scheena Huad“, hat er gesagt, „aber a wengerl z’deia. Do muass a Rabatt her“, so ungefähr. Da wirft der Hutmann auf der Ostbayernschau sich in Pose: „Wos?“, hat er gesagt, „an Rabatt? A jede Bedienung griagt an Hauffa Trinkgeld vo dir! Und mi daadadst owehandeln?“ Und er hat ihm den vollen Preis abverlangt. Keinen Cent ist er abgerückt. Mein Freund war besiegt.

„Ha!“, hab ich mir gedacht, „des kon i besser! Den handel i owe, ein bisserl zumindest.“ Am nächsten Tag sind wir zusammen zum Hutmann. Er selbst war nicht da. Aber eine sehr erfahrene Frau war am Stand, und wir alle wissen, dass sehr erfahrene Frauen im Handel die härtesten Händler sind, die es überhaupt gibt. Sie war der perfekte Gegenpart für einen Owehandler wie mich. Ich also probiere den Hut.

Was ich gewettet hätte

Er steht mir sehr gut, spricht nach drei verschiedenen Hutgrößenproben endlich die sehr erfahrene Händlerin, und wir sind alle begeistert. Es gibt nur ein Problem: Er kostet 60 Euro, und ich bin gekommen, um weniger zu bezahlen als den geforderten Preis. Also erkläre ich: „60 Euro konn i ned zoin, völlig unmöglich.“ Und während ich so spreche, fällt mein Blick auf die Nummer der Hutgröße, und es ist 59. Also sage ich listig: „Und etz schauns da her, da stehts ja selber: 59, und koan Cent mehra!“ Sie taxiert mich, prüfend, wie ernst es mir ist, und ich halte stand. „Ja, guad“, sagt sie dann, „machma hoid 59.“

Ich bezahle mit drei Zwanzigern und erhalte einen Euro zurück. Nach dem triumphierenden Blick des überlegenen Feilschers auf meinen am Vortag gescheiterten Freund gehe ich noch einmal zur Händlerin. „Wissens“, sage ich, „i bin a Löwe, a Sechzer. I zoi doch ned Neinafuchzge, wenn i Sechzge zoin kon!“ und gebe ihr den Euro zurück.

Geben Sie zu, dass das unterm Strich ein großer Volksfesterfolg ist? Und wie erfolgreich war nun der Rest unseres Volksfestes? Dass es wieder 1,25 Millionen Besucher waren, hat mich nicht mehr überrascht. Vor dem Start hätte ich noch gewettet, dass es kaum eine Million werden wird: Kein Feiertag, Hitze, viele Fahnenweihen und Feurwehrfeste im Vorfeld, und dann noch die Bahn mit Schienenersatzverkehr. Die Wette hätte ich verloren: Der Ersatzverkehr klappt, die Fahnenweihen sind vergessen, der Platz belebt wie im Vorjahr, ob man nun an 1,25 Millionen glaubt oder nicht. Und interessanter als offizielle Zahlen ist ja doch die subjektive Wirklichkeit.

Zeltfragen

Der Wenisch war immer voll, vom Mittag bis in die Nacht. Weckmann hat zugelegt, die fünf anderen in etwa stabil oder leicht rückläufig. Schon im vergangenen Jahr, sagt eine Bedienung, haben in manchen Services Bedienungen Geld mitbringen müssen für Unterkunft und Dirndl, und kaum verdient. „Wieder ein bisserl weniger“, sagt eine Bedienung, „heut ist nix los“, sagt eine andere an einem frühen Abend und geht heim. Knapp 120 000 Besucher hat das Volksfest täglich im Schnitt, ein knappes Viertel vom Oktoberfest. Bei den Sitzplätzen ist das Verhältnis ähnlich, 27 500 in Straubing, 190 000 in München. In München sind mit solchen Zahlen die Zelte fast immer voll. In Straubing nicht.

Vielleicht liegt das doch auch ein bisserl daran, dass es doch nicht ganz so viele Besucher sind wie offiziell gesagt, vielleicht ist die Zählmethode auch etwas ungenau. Aber der entscheidende Unterschied ist: Wer in München einen Sitzplatz hat, sitzt dort für viele Stunden. In Straubing nicht. Bei uns ist die Verweildauer kürzer, und sie wird weiter kürzer. Bier rückläufig, Ochse auch, man isst und trinkt halt ein bisserl weniger und geht ein bisserl früher.

Irgendwann wird man überlegen, ob 27 500 Plätze nicht vielleicht etwas zu viel sind. Wenn ein Wirt aufhören würde, könnte das siebte Zelt weg. Da wären sechs andere Wirte froh. Vielleicht ist deswegen das „Weckmann hört auf“-Gerücht entstanden. Aber Weckmann wird sicher bleiben, für sein Zelt war es das vielleicht beste Jahr, und damit auf zum nächsten Gerücht: Wer kommt nach Irlbacher?

„Ja, ich will!“

Da bin ich recht sicher, dass es Stöttner sein wird. Niemand hat Interesse, dass nur noch vier Brauereien auf dem großen Bierfest sind. Also werden SAuV als Veranstalter und wohl auch die Krönner-Familie so lange um den Pfaffenberger Stöttner werben, bis Stöttner „Ja, ich will“ sagt, und sich im Anschluss auf viele schöne „Herzlich Willkommen!“-Geschichten in den regionalen Medien und steigende Aufmerksamkeit in den hiesigen Getränkemärkten freuen kann. Ich wette um eine Mass Bier, dass es so kommt, und diesmal gewinne ich.

Was noch? Ein paar Worte zum Vorfreudefest: Der dort erstmals präsentierte Straubinger Volksfestsong 11 Moi hintereinand hat nicht ganz unerwartet den Durchbruch nicht geschafft. Und das, obwohl’s doch ein richtig lauter Ballermann-Sound war. Vielleicht sind diese Stadt und insbesondere das Vorfreudefest doch noch nicht reif für die Insel. Und dann noch eine kleine Geschichte, die ich erst gar nicht glauben hab können. Aber offenbar stimmt sie.

Vor und nach dem Ballermann-Sound hat ja WosDaBrassKo gespielt. Das sind sehr gute Blasmusiker, mit Gespür für das Publikum. WosDaBrassKo beginnt einen Abend nicht gleich wie eine Partyband. WosDaBrassKo lärmt nicht gleich los. Die machen es eher wie der Menzl, langsam angehen lassen, dann sich steigern. Das versteht heutzutage aber nicht jeder mehr, und nach dem vierten oder fünften Lied ist ein Straubinger Kommunalpolitiker hinab von der Tribüne und zur Kapelle. „Mia san doch ned auf einer Leichenfeier“, hat er gesagt und nach Stimmung verlangt. So etwas kann einen Musiker echt treffen. Und ist es nicht eigentlich schön, wenn ein Vorfreudefest nicht gleich wie ein Ballermann startet?

Außerdem fürchte ich, dass in diesem Sommer auch die Petersilernte ein Totalausfall war. In den Giggerln war jedenfalls kaum einer. Foto: Engel

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Straubinger Perle, neu gefasst