Kurve kriegen
Nur nach Neufahrn, nur nach Neufahrn, nur nach Neufahrn wolln wir nicht. Foto: Engel
Ich finde, das war ein guter Artikel gestern im Tagblatt: Es braucht Geld und auch den Willen war der Titel, das Thema war der völlig unzureichende Bahnanschluss Straubings an München; danach war klar, dass vor allem der politische Wille entscheidend ist, dass der aber fehlt. Und warum fehlt er? Ich sag’s einfach und böse: Weil der bayerische Verkehrsminister nicht will, und der bayerische Verkehrsminister ist Christian Bernreiter, früherer Landrat in Deggendorf.
Es ist nämlich so: Eine Elektrifizierung und einen Ausbau der Strecke über Neufahrn nach München können wir sowieso vergessen. Es ist ja noch nicht einmal die Hauptverkehrsstrecke München nach Prag über Regensburg voll elektrifiziert, die auch für den Güterverkehr wichtig ist. Also vergessen wir das, nur trotzdem noch ganz kurz Eines: Auf dieser nicht voll elektrifizierten Strecke kann man trotzdem umsteigslos von München nach Prag fahren. Aber vergessen wir das. Die Chance für Straubing heißt: Plattlinger Kurve.
Vermutlich die beste Lösung. Quelle: www.landshut-plattling.de
Die Plattlinger Kurve ist eine 1,3 Kilometer lange Strecke, die bald gebaut werden soll. Sie wird die Strecken Landshut - Plattling und Passau - Regensburg verbinden. Güterzüge, zum Beispiel zwischen den BMW-Werken Dingolfing, Straßkirchen und Regensburg, müssen dann nicht mehr in den Plattlinger Bahnhof einfahren. Denn kurz vor Plattling zweigt dann ein neues Gleis Richtung Landshut und München ab.
„Straubinger, steigt ein!“
Ein Personenzug – zum Beispiel aus Straubing – könnte da genauso gut abbiegen. Er könnte direkt nach Landshut und München fahren. Es wäre die einfachste Lösung. Es wäre viel einfacher als auf einen Ausbau der Neufahrner Strecke zu hoffen, und es wäre auch sehr billiger.
Und es wäre so einfach für Markus Söder und/oder Christian Bernreiter zu sagen: „Liebe Freunde in Straubing, diesem von jedem Bahnchef vergessenen Winkel: Wir haben die Lösung für euch! Wir bauen für BMW diese Plattlinger Kurve, weil BMW uns sehr wichtig ist. Aber ihr seid uns auch wichtig, und deshalb versprechen wir euch: An dem Tag, an dem die Plattlinger Kurve befahrbar ist, dürft ihr alle auch mitfahren. Denn wir haben euch lieb und denken ständig an euch, steigt bitte ein.“
Aber das tun sie nicht. Aber warum nicht? Ich fürchte, es liegt an Christian Bernreiter, Bayerns Verkehrsminister, Chef der Bayerischen Eisenbahngesellschaft und früherer Landrat von Deggendorf: Wenn Personenzüge aus Straubing künftig nicht mehr im Plattlinger Bahnhof halten müssen, verliert Plattling Frequenz. Kann es sein, dass er das nicht will? Außerdem müsste Bernreiter dann auch zusätzliche Züge bestellen, und das kostet Geld. Kann es sein, dass er das auch nicht will?
„Ned immer alles nach Deggendorf“
Der frühere MdB Erhard Grundl hat einmal von einem Gespräch zur fehlenden München-Anbindung mit Bayerns früheren obersten Bahnmanager Klaus-Dieter Josel erzählt: „Gehen Sie in den Landtag“, habe Josel dabei gesagt, „wir liefern das, was der Landtag bestellt.“
Im Landtag entscheiden die Regierungsfraktionen, und die entscheiden in Fachfragen meist so, wie der Minister will. Es liegt an der Politik, an niemandem sonst, und die Politik hat einen Namen, und der Name ist Christian Bernreiter.
Es ist gut, dass der OB sich jetzt bemüht, weil jetzt ist die Chance da. Er hat den Ministerpräsidenten um Unterstützung gebeten und Söder hat: „Der Christian soll ned immer alles nach Deggendorf geben, sondern auch amal nach Straubing“ gesagt. Etwa 2032 soll die Plattlinger Kurve befahrbar sein. Schaumamoi, ob wir die Kurve noch kriegen.
