Sie ist wieder da!
War das nicht wunderbar? Um 11.40 Uhr hat sie wieder geweht, und alle waren glücklich, und ganz besonders glücklich war der, der vor 38 Jahren diese Fahne entführt hat: Denn, wie der OB dem staunenden Publikum enthüllte, ist dieser Übeltäter gar kein Übeltäter, sondern ein Wohltäter, „der Goldenen Bürgermedaille näher als der Verurteilung!“ Damit deckt Markus Pannermayr zugleich die üblen und unfairen Machenschaften eines dieser „modernen Internet-Blogs“ auf, der zum Glück aber, wie der OB mit Recht betonte, „den meisten unbekannt“ ist.
Mit Taferlbuam, Blasmusik und dem OB: der Einzug auf den Thresienplatz
Mit dem Fuhrmannsmarsch, zwei Taferlbuben und sechs schneidigen Fahnenträgern war kurz nach 11.00 Uhr eine hervorragende Blaskapelle auf den Theresienplatz gezogen. Und dann: Schlimm! In seiner Begrüßungsrede geißelt der Betreiber des unbekannten Blogs furchtbar den anonymen Fahnenentführer, schilt ihn öffentlich „ruchlos“ und fordert das Publikum sogar zu „Buh!“-Rufen für den Entführer auf. Die Menge folgt, der Blog-Betreiber wirkt zufrieden. Doch dann kommt der OB und durchkreuzt das üble Ränkespiel des Blogisten.
Erst arbeitet der OB heraus, wie verwittert die Fahne wohl wäre, wäre sie nicht damals in einer Kiste verschwunden, sondern dem Klimawandel ausgesetzt gewesen; zur Verdeutlichung verweist er auf Zeitgenossen, denen diese Verwitterung deutlich ins Gesicht geschrieben ist. Noch bringt auch ihm das statt Sympathien, zunächst nur etliche Buhs ein. Doch als er die Kostenersparnis für die Stadt nennt, weil jetzt keine neue gekauft werden muss und daraus folgert: „Der Mann ist kein Übeltäter, als den ihn dieser Blog verreißt! Er ist ein Wohltäter, der Goldenen Bürgermedaille näher als der Verurteilung!“, kommen statt Buhs plötzlich „Bravo!“-Rufe! Da hat der Blogbetreiber endlich verspielt.
Komplettiert wird das Debakel des Blogs durch eine weitere Fehlleistung: Unter den Klängen des Bayerischen Defiliermarschs schleppen statt der weiß-roten Stadtfahne die vom Betreiber offensichtlich völlig falsch informierten Fahnenträger zunächst eine weiß-blaue Zaunfahne für 1860 München an! Das war sehr falsch! Nur Gott im Himmel kann wissen, warum! Dass es eine 1860-Fahne war, war übrigens sehr leicht zu erkennen, weil das Logo gefehlt hat. Doch zum Glück klappt wenigstens der Rest:
Dann, endlich: Die richtige Fahne!
Zum Bayerischen Präsentiermarsch hisst nun der OB die richtige Fahne, und er sagt auch, wie nun weiter verfahren wird: Nur ganz, ganz selten soll dieses „besondere und wertvolle Stück der Stadtgeschichte“ gehisst werden, erklärt er, „ich denke an ein oder zwei Mal im Jahrhundert, und dabei zunächst an 2068.“ Der Musiker und stadtgeschichtlich offenbar völlig unkundige Möpl Jungmayer fragt daraufhin nach: „Also zur Rathaus-Eröffnung? Aber selbstverständlich meint der OB die 850-Jahr-Feier zur Gründung der Neustadt.
Und eine weitere Perspektive entwirft der OB: Mit dieser Fahne hat Straubing die Chance auf einen Eintrag ins Guiness-Buch der Rekorde: „Die Stadt mit der am seltensten gehissten Fahne!“ Wenn das so käme, dann kann sich der Blog aber eigentlich schleichen. Doch es ist zu befürchten, dass er das ganz, ganz frech auch noch als seinen Erfolg verkaufen würde. Und trotzdem war es ein sehr gelungenes Fest, herzlichen Dank allen Mitwirkenden vom Bauhof bis zur Musik und den Freibierspendern! Und dann hat die Kapelle noch die Bayernhymne gespielt, und die 111 Halbe waren irgendwann weg.
