Gut? Nein, nur gut gemeint
Vollgeparkt: Zu wenig Platz. Foto: Privat
Nicht alles ist gut, was gut gemeint ist, sogar im Klimaschutz nicht. Nehmen wir die St. Elisabeth-Straße: Dort ist jetzt ein Grünstreifen mit Spitzahornen, wo vorher etwa zwei Dutzend Parkplätze waren. Eigentlich, denkt man zunächst, ist das doch gut, weil Bäume gut für das Klima sind und es außerdem ja seit einiger Zeit das neue Parkhaus gibt. Aber es ist nicht gut. Es ist nur gut gemeint. Denn diese scheinbar gute Maßnahme ist nicht gut durchdacht.
Am MVZ des Klinikums an der St. Elisabeth-Straße ist der Eingang in die Onkologie. Jeden Tag bringen Taxis und Angehörige Krebspatienten hierher, viele in Chemotherapie. „Da gibt es Phasen“, sagt ein Krebspatient, „da ist jeder Schritt eine Expedition.“ Er meint damit die totale Kraftlosigkeit, die meist mit Chemo verbunden ist. „Jedem“, sagt er, „der an der Stelle lieber Bäume als Notfallparkplätze hat, sollte man einen schweren Rucksack und eine Gasmaske verpassen und mal eine kurze Strecke marschieren lassen. Dann hat er eine Ahnung vom Patienten.“ Nur eine Ahnung.
Parkplätze so nah wie nur möglich am Eingang sind in solch einer Situation unglaublich wichtig. Es gibt sie kaum noch. Dafür gibt es Bäume. Ich kenne eine Frau, die ihren Mann regelmäßig hierher fährt. Es ist eine unglaubliche Belastung, unter denen solche Familien stehen. Es ist nicht nur die Angst um den Angehörigen. Es ist so viel Bürokratie, im Klinikum, Medizinischen Dienst, Kassen, Kosten. Es ist so unglaublich viel, was auf dich einstürmt, womit du dich auseinandersetzen musst. Und dann noch jetzt diese Parksituation.
Niemand findet das gut
Vielleicht ist es nur ein Tropfen im Gesamtbild des psychischen Drucks. Aber es ist immer zunächst nur ein Tropfen, der ein Fass zum Überlaufen bringt. Und wenn es ein völlig unnötiger Tropfen ist, dann ist das schlimm. Aufgabe öffentlicher Planer ist es, es Menschen leichter zu machen, nicht schwerer. Aber es gibt nur vier Parkplätze direkt an der Onkologie, und es gibt kein Schild „Ausschließlich Onkologie-Patienten“. Jeder kann kann dort parken, ob er selber gehen kann oder nicht. Das ist nicht gut. Vielleicht würden Parkberechtigungen, ausgestellt vom Klinikum, helfen. Aber bisher gibt es das nicht.
Die Lage ist schlimm für Patienten in Not. Auch viele Schwestern, Pfleger und Ärzte, so höre ich, sind entsetzt über die nun entstandene Lage. Auch Klinikum-Mitarbeiter verstehen nicht, warum man auf der gegenüber liegenden Seite der Elisabeth-Straße, genau 20 Meter vom Onkologie-Eingang entfernt, Parkplätze geopfert hat für ein paar Spitzahorne und nur zwei Taxi-Stände gelassen hat. Warum nicht auch Parkplätze, streng markiert, immer wieder überwacht?
Notwendig? Radlparkplätze direkt links und rechts an der Onkologie statt Notfall-Patientenparkplätzen. Foto: Privat
Warum sind direkt an der Onkologie Fahrradparkplätze? Sind Radler auf kurze Wege zum Eingang angewiesen? Und nahe der vier Park- und Radlplätze, am Straßenrand direkt vor der Onkologie, ist noch ein Taxistand und ein Behindertenparkplatz. Das ist alles. Zufällig treffe ich hier Dr. Constantino Mastorello, Allgemeinmediziner und Onkologe mit eigener Praxis in Straubing. Was sagt er zu der neuen Situation? „Das ist nicht gut. Für viele Patienten ist das schlecht.“
„Man versucht das jetzt zu ändern“
Angeblich gibt es die Möglichkeit, geschwächte Patienten von der Pforte abholen zu lassen. Ein Angehöriger lacht da nur bitter. „Wenn’s klappen daad“, sagt er. Seine Erfahrung ist, dass ein Unterschied ist zwischen Theorie und Praxis. Der Patient, der den Vergleich mit Gasmaske und Rucksack gezogen hat, nennt die Beschilderung der vier Plätze direkt am Eingang „wirklich verwirrend“. Manchmal, sagt er, werden sie auch von ortsfremden Taxis blockiert. Das alles ist Stress für sowieso schon hochbelastete Patienten und ihre Angehörigen. Er glaubt nicht, dass das alles so sein muss. Und dass die Straßenparkplätze jetzt weg sind, ist für ihn „völliger Blödsinn.“
Er formuliert drastisch: „Wo sind wir denn hier: Viele der Patienten sind langsam Sterbende. Es wird immer anstrengender, immer belastender, immer schlimmer.“ Dass dieser Umbau die Situation gerade für stark geschwächte Menschen verschlechtert hat, wird derzeit klar. Auf eine Anfrage von engel-sr.de kam vor dem Volksfest folgende Antwort der Stadt: „Eine eigens ausgewiesene Kurzzeit- oder Bring- und Abholmöglichkeit unmittelbar am MVZ besteht auf öffentlichem Verkehrsgrund derzeit nicht. Der Umbau der St.-Elisabeth-Straße ist allerdings noch nicht vollständig abgeschlossen.“ Und: „Grundsätzlich wäre denkbar, im Bereich des MVZ weitere Schwerbehindertenstellplätze oder eine gesonderte Kurzzeitmöglichkeit einzurichten.“
Am Montagnachmittag präzisiert Amtsleiter Elmar Hartl von der Straßen-Verkehrsaufsicht. Die Stadt will nun drei bis vier weitere Parkplätze am Straßenrand vor dem MVZ einrichten, Parkscheibe, Dauer 30 Minuten, KVÜ-überwacht. Das wäre hilfreich, falls das nicht von Besuchern missbracht wird. Falls es missbraucht wird, wäre eine Umwandlung in Behindertenparkplätze mit Ausweisen auf Zeit möglich. Doch dazu ist bürokratischer Aufwand nötig. Deshalb versucht die Stadt erst den anderen Weg. Und Zusatzparkplätze auf Klinikumsgrund am MVZ? Statt Radlplätze? Im Klinikum sind die zuständigen Ansprechpartner derzeit noch im Urlaub. Aber auch aus dem Klinikum hört man: „Man versucht das jetzt wirklich zu ändern.“ Das wäre gut.
