Bauausschuss: Argumente?
Okay, das ist etwas übertrieben. Aber nicht viel. Bild: ChatGPT
Am Mittwoch ist Bauausschuss. Das Stoffel-Gutachten zu seinem Westpark wird vorgestellt. Vielleicht muss ich da wieder so lachen wie kürzlich. Da hat ein Mann, der noch einen Supermarkt in Stoffels Westpark gut fände, folgendes Argument gegen einen Supermarkt im konkurrierenden Gäubodenpark gebracht: „Wieso überhaupt will der Gäubodenpark unbedingt einen Supermarkt?“, hat er gesagt, „der kann genauso gut irgendwas anderes nehmen!“ Ich hab echt lachen müssen, weil das nenn ich Chuzpe. Ein Schuh wird ja genau andersrum draus:
Es ist ja der Gäubodenpark, der schon einen Rechtsanspruch auf einen Supermarkt-Vollsortimenter hat, aber der Westpark nicht. Die Frage müsste deshalb sein: „Wieso überhaupt will der Westpark unbedingt einen Supermarkt? Der kann genauso gut irgendwas anderes nehmen.“ Und es wird noch ein bisserl absurder: Haben Sie gewusst, dass vor drei Jahren kurz ein Edeka-Markt für den Westen im Gespräch war? Sofort abgelehnt worden. Keine Chance. Schon zu viele Märkte, hat die Stadt signalisiert. Das signalisiert sie jetzt gar nicht mehr. Und jetzt wird es richtig witzig:
Die Stadt hat sich vor drei Jahren auf ein Gutachten aus dem Jahr 2015 zum Westpark stützen können, und das könnte sie heute auch noch. Inhalt: Noch ein Vollsortimenter im Westpark könnte „den REWE-Verbrauchermarkt zusätzlich in nicht unerheblichem Umfang tangieren“. Und es steht weiter drin, dass dann das ganze Center „in Schieflage“ kommen könnte. Die Pointe: Wissen Sie, wer dieses Gutachten 2015 gegen noch einen Supermarkt in Auftrag gegeben hat? Stoffel.
Und es wird noch bizarrer
Für Stoffel war ein Supermarkt damals nämlich nicht wichtig. Baumarkt war damals das, was er wollte, und er hat ihn gekriegt. Aber der ist dann leider über den Jordan gegangen, trotz toller Gutachterprognose. Drum muss jetzt ein Supermarkt her, und dass sein eigenes Gutachten damals einen Supermarkt für schädlich gehalten hat, ist jetzt wurscht. Es ist ja ein neues Gutachten da, und das findet jetzt einen Supermarkt toll. Außerdem will er ja keinen Edeka, sondern einen Rewe, und außerdem soll er ja nicht auf ein fremdes Areal im Westen, sondern auf seines im Westpark. Und es wird noch bizarrer.
Sein neuestes Gutachten stellt nämlich auch heraus, wie überflüssig, ja geradezu schädlich, der Gäubodenpark ist. Das ist nun echt überraschend. Bisher war es nämlich so, dass alle von der Stadt selbst in Auftrag gegebenen Gutachten sehr klar gesagt haben: „Stärkt den Gäubodenpark, der ist wichtig für Straubing.“
Im Einzelhandelskonzept von 2008: Der Gäubodenpark trägt „maßgeblich zur Gesamtattraktivität der Einkaufsstadt Straubing bei“. Die GfK-Wirkungsanalyse speziell zum Gäubodenpark von 2008: Das nennt die Stadt Straubing „gefordert, eine gleichermaßen notwendige wie tragfähige Weiterentwicklung des Gäubodenparks zu ermöglichen, damit der Bestand dieses für die Gesamtattraktivität von Straubing maßgeblichen Fachmarktstandorts nachhaltig gesichert werden kann.“ Und dann, glasklar und noch gar nicht alt, das CIMA-“Einzelhandels- und Zentrenkonzept für die Stadt Straubing“ von 2021:
Irre: „Nicht Westpark gefährdet Center, aber der Gäubodenpark“
„Der Gäubodenpark“, steht da noch 2021, „stellt im Stadtgebiet – neben seiner regionalen Ausstrahlung als Fachmarktstandort – auch einen wichtigen Nahversorgungsstandort für die Bevölkerung in den umliegenden Wohnquartieren dar“, und weiter: „Eine Modernisierung der vorhandenen Angebotsstrukturen in Verbindung mit den städtebaulichen Qualitäten ist zu empfehlen.“ Und jetzt, genau zu dem Zeitpunkt, als der Gäubodenpark endlich einen Investor hat, der genau das tun will, was städtische Gutachten und Konzepte sagen: Da kommt da ein neues Stoffel-Gutachten und sagt das glatte Gegenteil, und einer großen Mehrheit scheint das wohl überzeugend.
Im neuesten Stoffel-Gutachten steht sogar, der Rewe im Center würde von einem Rewe im nur 600 Meter entfernten Westpark nicht gefährdet. Aber von einem 1,4 Kilometer entfernten Edeka im Gäubodenpark würde der Center-Rewe gefährdet, und überhaupt die Supermärkte in der halben Stadt auch: Ein Argument wie ein Treppenwitz.
Da ist nach 20-jähriger Talfahrt endlich ein Investor da, der den Gäubodenpark sanieren will im Vertrauen darauf, dass die Stadt ihr eigenes Einzelhandelskonzept ernst meint. Und dann ist die Stadt drauf und dran, dass sie dem Westpark einen Ankermieter ermöglicht, der den Gäubodenpark aus dem Spiel nehmen kann und ihr eigenes Einzelhandelskonzept ad absurdum führt. Das nenne ich irr.
Das Stadler&Honner-Interview im Tagblatt
Ich glaube, dass deshalb Stadler und Honner am Montag im Tagblatt ein Interview gegeben haben, das die Sache auf den Punkt bringt: Wenn im Westpark ein großer Rewe mit 2 800 Quadratmetern kommt - auf 2 800 Quadratmetern Verkaufsfläche, wie das Gutachten sagt, rund 3 500 Quadratmeter insgesamt - dann steigen Stadler und Honner aus dem Edeka-Projekt im Gäubodenpark aus. Denn, sagen sie: „Zwei Vollsortimenter in dieser Größe und Nähe würden nicht funktionieren.“
Stadler und Honner sind Größen in dieser Branche. Wenn sie sagen, das funktioniert nicht, wird es schwer, andere zu finden. Ein Park wie der Gäubodenpark braucht aber einen großen Vollsortimenter als Anker. Im Gäubodenpark sind außerdem 1 200 Quadratmeter für Sport und Freizeit genehmigt, im Westpark noch nicht. Aber Sport Erdl hat sich schon für den Westpark entschieden, und der Bauausschuss wird die Genehmigung dafür am Mittwoch absegnen, und für den Supermarkt auch.
Macht das den Eindruck, als habe die Stadt Interesse am Gäubodenpark? Für den Westpark ignoriert sie ihr eigenes Einzelhandelskonzept. Das Vertrauen anderer Investoren in die Stadt stärkt das vermutlich nicht. Stadträte sagen relativ offen, der Westpark sei das, was wichtig ist. Da kann man der Stoffel-Seite nur gratulieren zu erstklassiger Lobby-Arbeit. Wenn der Gäubodenpark-Investor Modulus unter diesen Umständen sich zurückziehen sollte, wird der Gäubodenpark unsaniert bleiben. Straubing hätte dann einen Lost Place für vielleicht Jahrzehnte. Zum Lachen wäre das nicht.
