Parkpositionen
Foto: Engel
Was diese Woche auch echt interessant war: Am Donnerstag waren in der Straubinger Rundschau gleich drei spannende Themen auf Seite 1. Die „Weckmann in den Landtag?“-Geschichte, die „Kein Aprilscherz“-Meldung zu dem, nun ja, wirklich verwegenen Aquatherm-Plan von Nawaro, und dann das große Aufmacher-Thema, „Gäubodenpark auf Zukunftskurs“. Und: Es war ein Zusatzartikel zum Westpark dabei. Das war richtig gut.
Das Tagblatt hat damit den Zusammenhang hergestellt zwischen Stoffels Westpark und dem Gäubodenpark. Es ist wichtig, dass dieser Zusammenhang diskutiert wird. Wichtig im Tagblatt-Artikel „Westpark ringt um einen Lebensmittelmarkt“ ist dieser Satz: „Ob Straubing zwei Lebensmittel-Märkte der angepeilten Größenordnung verträgt, bezweifeln Kenner.“ Man kann diese Information auch noch ergänzen mit einem Hinweis:
Es geht nicht nur darum, ob diese an Supermärkten fast überreiche Stadt groß genug für zwei Supermärkte dieser Kategorie ist; es geht noch stärker auch darum, dass beide Parks auch um zwei weitere Fachmärkte konkurrieren. Denn ohne weitere Ankermieter wird es wohl auch mit den Supermärkten nichts werden. Doch zumindest ist das Thema jetzt da. Damit geht es auch um eine Einordnung des Themas.
Muss eine Stadt Investorfehler ausbügeln?
Leser dieses Blogs wissen, dass ich den Westpark-Plan kritisch sehe. Dieser Blog schätzt den Konkurrenzkampf zwischen den beiden Parks so ein: Wenn der Westpark die Fachmärkte bekommt und der Gäubodenpark nicht, könnte der Gäubodenpark weiter ausbluten. Auch das dortige Ärztehaus könnte dann Praxen an den Westpark verlieren. Das wäre für ein innenstadtrelevantes Gebiet wie den Gäubodenpark katastrophal.
Im Tagblatt sagt Baudirektor Oliver Vetter-Gindele, dass es im Westpark um eine Änderung des Bebauungsplans gehe, „um einen dauerhaften Leerstand abzuwenden, der auch nicht im Sinne der Stadt sein könne“. Damit vertritt er sicher die Linie auch von OB Pannermayr. Doch bisher war die Haltung der Stadt: Noch ein Supermarkt in diesem supermarktreichen Gebiet wäre schädlich. Aber dann ist Stoffels Baumarkt gescheitert , was übrigens absehbar war; und jetzt soll ein Supermarkt her, um Leerstand zu vermeiden? Ist es denn Aufgabe einer Stadt, einem Investor nach einer Fehlplanung aus der Patsche zu helfen mit einem Supermarkt, den nur der Investor braucht und der ansonsten nur schadet?
Foto: Engel
Die Kommentierungslinie dieses Blogs ist deshalb: Dieser Baumarkt war Stoffels unternehmerisches Risiko. Das ist gescheitert. Er sollte selbst eine Lösung suchen, die nicht zum Schaden anderer ist. Frühere Stadtplaner hatten dieses Areal als Wohngebiet gesehen, und das war richtig. Das kann es jetzt immer noch werden. Straubing braucht in diesem Gebiet nicht noch einen Supermarkt, und eine Stadt ist nicht dafür da, vorhersehbare Fehleinschätzungen eines Investors auszubügeln, wenn dieser Investor noch eine Wohnbau-Option hat.
Sich in einen Supermarkt retten?
Und der Gäubodenpark? Dort haben wir einen neuen Investor, der ein wichtiges Areal wiederbeleben will. Dieses Areal hat von jeher das Recht auf die Genehmigung eines Supermarkts und anderer Märkte. Dieser Investor plant außerdem Wohnen in gewissem Umfang, Studenten, Hotel, Betreutes Wohnen, diese Richtung. Auch das wäre gut für dieses Gebiet. Im Westpark dagegen ist ein Investor, der nie eine Genehmigung für einen Supermarkt hatte. Mit einer schlechten Baumarkt-Idee ist er auf die Nase gefallen, jetzt will er sich retten mit Supermarkt und anderen Märkten: Das kann dem ungleich wichtigeren Gäubodenpark schaden. Das ist nicht gut. So sieht das dieser Blog.
Stoffel baut wichtige Dinge in Straubing, die die Stadt braucht. Derzeit ist es der Medizin-Campus an der Uferstraße. Darüber ist die Stadt froh. Für Stoffels Plan hat die Stadt das „beschleunigte Verfahren“ gewählt. Sie will für Stoffel schneller als üblich sein. Der Gäubodenpark-Investor Modulus spricht zwar nach Gesprächen von einem„konstruktiven Austausch“ mit der Stadt. Aber spätestens in etwa zehn Wochen wird der neue Stadtrat entscheiden, ob Stoffels Plan aufgeht. Der Gäubodenpark dürfte erst später genehmigungsreif sein, und beide brauchen das gleiche Fachmarktklientel.
Wie will die Stadtplanung sicherstellen, dass ein Zeitvorsprung des Westparks dem deutlich wichtigeren Gäubodenpark nicht schaden wird? Auf eine Anfrage dazu hat die Stadt bisher nicht reagiert. Es ist ein heißes stadtpolitisches Eisen. ÖDP und Grüne haben bisher gut 500 Unterschriften gegen die Westpark-Pläne gessammelt. Allerdings kann man fast alle Dinge von zwei Seiten sehen. Da wäre spannend zu lesen, wie das Tagblatt dieses Thema kommentiert. Und jetzt: Frohe Ostern!
